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Die Projektteams der crossmedialen Leuchttürme schauten

sich bei anderen großen Sendern in Europa um, etwa auf dem

Sportcampus der BBC inManchester. „Letztendlich ist aber jedes

Haus anders strukturiert und muss seinen eigenen Weg finden“,

meint Cario, man dürfe nur nicht die Fehler der anderen wieder-

holen. „Die Kolleginnen und Kollegen vom dänischen Rundfunk

haben uns zum Beispiel erzählt, dass das große Studio in ihrem

Newsroom sich eigentlich als unnötig erwiesen hat.“ Bis 2021 will

auch derWDR eine crossmedialeNachrichtenzentrale einrichten,

in der alle aktuellen Redaktionen ihre Ressourcen bündeln.

Welche Formate für welche Ausspielwege?

Die ersten drei crossmedialen Leuchttürme müssen sich

ihre Arbeitsweise nun passgenau gestalten. Wie erreichen wir

möglichst vieleMenschenmit unseren Themen?Welche Formate

brauchen wir für die verschiedenen Ausspielwege? Wie kön-

nen wir unsere Synergien nutzen und Doppelarbeit vermeiden?

Das sind die Fragen, denen sie sich laut Cario und Pott zu

stellen haben.

Und wie werden sich mit den neuen Workflows die Hier-

archien verändern? Auch dazu beobachtet Intendant Tom Buh-

row die Prozesse imHaus intensiv: „Es ist hochinteressant: Das,

wovor viele noch vor Jahren Angst hatten, wird jetzt gefordert:

zum Beispiel, dass auch in der Hierarchie Gräben überwunden

werden und es eine einheitliche Zuständigkeit gibt.“

Es bleibt spannend. Wie

ändern sich die Sehgewohnhei-

ten, wie die Inhalte? Natürlich

wird der WDR auch weiter-

hin hochprofessionelles line-

ares Programm machen. „Es

stimmt, dass wir verstärkt auf

mobile Ausspielwege setzen,

weil diese für unser Publikum

immer wichtiger werden. Aber

ich bin davon überzeugt – und

das belegen auch alle Studien

–, dass es sogenanntes linea-

res Fernsehen und Radio noch

sehr, sehr lange geben wird“,

betont Tom Buhrow. „Die

>Tagesschau<, der >Tatort< oder

die Radionachrichten sind für

viele Menschen nach wie vor

fester Bestandteil ihres Alltags.

Fragen Sie doch einmal Ihre

Freunde und Bekannten, was

sie am Sonntagabend um 20.15

Uhr machen!“

Parallel dazu treibt die

WDR-Geschäftsleitung den

digitalen Wandel voran, und

die Programmmacher wün-

schen sich, dass der Sender

seine herausragende Qualität

auch im Netz beweist. „Wir müssen eigene Formate entwickeln

und mit Aha-Effekten aus dem digitalen Grundrauschen heraus-

stechen“, sagt Pott. Hier könnte der Einsatz von Virtual-Reality-

Projekten in 360-Grad-Optik eine Rolle spielen, eine Innovation,

die der Intendant zumBeispiel auchmit seinemVerjüngungstopf

fördert. Im dokumentarischen Bereich experimentiert der WDR

bereits damit, aktuell mit dem »Hier und heute«-Projekt „Inside

Auschwitz“ (alle 360-Grad-Projekte unter

vr.wdr.de

; siehe auch

die Januar-Ausgabe vonWDR print). Denkbar seien laut Pott aber

auch Kultur- oder Sportübertragungen, bei denen die Zuschau-

erInnen scheinbar mit auf der Bühne stehen oder mit über die

Skischanze flitzen.

Der Intendant hat indessen die Zukunft des gesamtenWDR

im Blick. Wie sieht der Sender in zehn Jahren aus? Wird dann

womöglich auch auf einemKultur-, Politik und Auslandscampus

gearbeitet?

„Durchaus möglich“, sagt Buhrow. Grundsätzlich sei es das

Ziel, die crossmediale Arbeit auch in Zukunft zu stärken. Was

im ersten Schritt sinnvoll ist, hatten die Programmmacher selbst

erarbeitet und der Geschäftsleitung vorgeschlagen. Der Inten-

dant: „So werden wir auch weiter sehr intensiv schauen, welche

Arbeitsstrukturen für welche Bereiche sinnvoll sind. Es gibt kein

Patentrezept, das für alle passt. Wichtig ist, dass wir flexibel sind,

uns immer wieder hinterfragen und den jeweiligen Anforderun-

gen anpassen. Kurz: Immer in Bewegung bleiben!“

Christine Schilha

Dahl (Hörfunk, vorne), Sebastian Göllner (online, r.), Boris Gubeljic (Produktion, hinten), Mareike Zeck und Boris Inanici

Foto: WDR/Sachs

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