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Nach demEnde von »Zimmer frei!« ist die Journalistin,Mode-

ratorin und Schriftstellerin alles andere als unterbeschäftigt:

Wir erwischenChristineWestermann (68) imFoyer desKölner

Funkhauses amWallrafplatz zwischen einer WDR 5-Produk-

tionund einer langen Jurysitzung für denDeutschenHörbuch-

preis. Der WDR ist mit vier Produktionen nominiert.

SiehabeneineiskaltesMineralwasser bestellt.War dieAufzeichnung

der Sendung »Bücher« anstrengend?

Nein, das ist immer einVergnügen, diesmal einbesonderes,weil

es nur um italienische Literatur ging. Der Wasserwunsch lag nahe,

weil ich schon morgens viel Kaffee trinke, und damit ich keinen

Herzkasper kriege, nehme ich irgendwannmal besserWasser. Kalt

und gesprudelt. Danke.

Aber noch ist sicher einiges anKaffee nötig, bis Sie alle Produktionen

gehörthaben, die fürdenDeutschenHörbuchpreis2017nominiert sind

– denn jetzt geht es umdie Preisträger.

Wie und wo hören Sie die Hörbücher?

Am Schreibtisch, mit den Bei-

nen auf dem Tisch und geschlosse-

nen Augen. Oder imBett. Da besteht

aber die Gefahr, dass ichwegnicke ...!

Kaffee brauche ich beim Hören kei-

nen. Entweder das Hörbuch fesselt

mich, dann ist die Arbeit Lust. Oder

ich quäle mich durch, dann ist es

eben Last. Ich bin nicht wirklich ein Hörbuchexperte, ich habe

lieber ein Buch in der Hand. Für die Juryarbeit habe ichmir einen

CD-Player gekauft, hatte Glück, dass es die überhaupt noch gibt.

Im Elektroladen hatten sie nur noch zwei Modelle.

Apropos Jury: jetzt derHörbuchpreis, seit Jahrender DeutscheRepor-

terpreis, davor derDeutscheBuchpreis –macht es Spaß, Texte inallen

Facetten zu begutachten?

Ja, weil es immer um gutes oder sehr gutes Handwerk geht.

Wenn ich gefragt werde, in einer Jury mitzuarbeiten, freut mich

das.Weil damit auchmeine langeBerufserfahrung anerkanntwird.

Was nicht heißt, dassman da sitzt und alles besser weiß und kann.

Man lernt nie aus. Ein Spruch, der ebenso abgedroschenwie wahr

ist.

Zum Beispiel?

Ichhabemit den Jahrengelernt, knapper, präziser undverständ-

licher zu formulieren.WegmitWorthülsen. EinFahrrad ist einFahr-

radundkeinDrahtesel. Köln istKölnundnicht dieRheinmetropole.

Und wenn ein Eisläufer zum Kufenkünstler wird, möchte ich am

liebsten einen Brief an den Intendanten schreiben.

Auf einen Sprudel mit

Christine

Westermann

„Bei der Juryarbeit habe

ich die Stimme von Bibia-

na Beglau kennengelernt.

Sie hat mich umgehauen.“

Von welchen Interpreten lassen Sie sich gerne vorlesen? Auch von

Ihrer eigenen Stimme?

Nein, ichkannmich selbst schwer hörenoder sehen. Nurwenn

es unbedingt sein muss.

IchmagdieStimmevonChristianBrückner sehr, dievonUlrich

Matthes, Lars Eidinger, CharlyHübner. Jetzt, bei der Juryarbeit, habe

ichdie Stimme vonBibianaBeglaukennengelernt, siehatmichwirk-

lichumgehauen.Da

entsteht sofortKino imKopf.Oder JoachimMey-

erhoff, der aus seinemBuch liest. Undwie gut! Die beidengehörenzu

meinen Favoriten beimHörbuchpreis.

Nachder Jurysitzunggeht esdirektnach

Südafrika in den Urlaub. Sind Sie froh,

nach den vielen Hörbüchern endlich in

Ruhe Musik hören zu können?

Nein, viel besser: Ich bin froh,

NICHTS zu hören! Oder noch besser:

nur weißes Rauschen. Den Ozean, der

einen Lärm macht wie die Nord-Süd-

Fahrt in Köln während der Rushhour. Klingt wie Musik in meinen

Ohren. Das macht mich ganz still und ganz glücklich.

Und was kann man von Ihnen demnächst lesen, hören, sehen?

Wir haben gerade eine Dokumentation mit dem Titel „Crime

am Rhein“ für das WDR Fernsehen gedreht, in der es um histori-

sche Kriminalromane und Autoren geht, die sich Köln als Tatort

ausgesucht haben, Frank Schätzing zum Beispiel. Wenn ich aus

den Ferien zurück bin, beginnt ein 45-Minuten-Film für das ZDF,

Arbeitstitel „Schönalt“. IchempfehleBücherbei »frauTV«, beiWDR2

und WDR 5, das »Literarische Quartett« geht in sein zweites Jahr.

Und ich schreibe an einemneuen Buch, Inhalt noch streng geheim.

Erscheinenwird es zwar erst imNovember, aber laut Absprachemit

meiner Lektorin sollte ich schon 75 Seiten haben. Es sind aber erst

18 ... Das wird schon, ich bin zuversichtlich.

Mit Christine Westermann sprach René Wagner

Kurze Pause zwischen zwei Terminen: Christine Westermann im Foyer des

WDR Funkhauses.

Foto:WDR/Anneck

Gala zum Deutschen Hörbuchpreis

WDR 5

DI / 7. März / 20:05