WDRprint Oktober/2017

44 Olaf Bock hatte gerade seinen Dienst inWarschau angetreten, da sorgte folgende Meldung für politische und mediale Aufregung: EinAbgeordneter derRegierungspartei PIShattebeimParlament ein Rechtsgutachtenangefordert, das zudemSchluss kam: Deutschland schuldet Polen Reparationen in Milliardenhöhe. Ein schwieriges Thema für beide Länder. Und für denneuenStudioleiter einSchnell- kursus inSachengesellschaftspolitischer Befindlichkeiten inPolen. „Das Land scheint politischgespaltenzu sein inAnhänger derRegie- rung und diejenigen, die den jetzigen Kurs für völlig falsch halten“, sagt der Korrespondent. Vielewerten die Reparationsdiskussion als Manöver, umvon der deutschen und europäischenKritik an Polens Rechtsstaatlichkeit abzulenken. Die katholische Kirche, so Bock, habe sich sogar bemüßigt gefühlt, inÄußerungen davor zuwarnen, die über Jahrzehnte entstandene deutsch-polnischeAussöhnung zu gefährden. Bocks Eindruck: Er hat seinen Dienst in der polnischen Hauptstadt zu keiner leichten, aber journalistisch umso spannen- deren Zeit angetreten. Warschau ist fürOlaf Bocknicht der ersteAuslandsaufenthalt. Der 51-Jährige ist ein erfahrener Korrespondent: In den USA, im Kosovo, inMazedonien, imLibanonund inParishatte er schongear- beitet, bevor er 2007 für mehr als fünf Jahre Fernsehkorrespondent im Studio Moskau wurde. Was reizt ihn nun an dem Job in Polen? Bock: „Es ist ein faszinierendes Land imKontext der Europäischen Union. UndPolen ist derwichtigsteosteuropäischePartnerDeutsch- lands.“DerWDR-Journalist ist gespannt auf seinneuesBerichtsgebiet undweißdoch zugleichumdie Sensibilität dieser bilateralen Bezie- hungen. „Die journalistische Herausforderung besteht darin, mit umfassender undkritischer Berichterstattungdas lange gewachsene VertrauenderMenschenbeider Länder zueinander auch inpolitisch schwierigen Zeiten wie diesen zu stärken.“ DieArbeit für Journalistenwerde indieser angespanntenAtmo- sphärenicht einfacher,weißBock.DerZugangzuGesprächspartnern auf Regierungsseite sei schwieriger als früher. Dortwürdendeutsche Medienkritischbeäugt. InderBevölkerungaberhabeerbislangkeine negativenErfahrungengemacht, berichtet derKorrespondent. „Mein Sohn geht hier in die zweite Klasse, und ich habe nur freundliche und zugewandte Menschen kennengelernt.“ Traditionsreiches ARD-Studio in Polens Hauptstadt In diesemZusammenhang ist ihm aufgefallen, wie viele Polen inzwischen Fremdsprachen beherrschen. Anders als in Russland trifft er dort auch außerhalb der Hauptstadt auf Menschen, die gut englischoder deutsch sprechen. DieVerbesserung seiner polnischen Sprachkenntnisse liegt Bock aber auch sehr am Herzen. Denn die Sprache ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis einer anderen Kultur,meintOlafBock. Seit seinerZeit inMoskauspricht er fließend russisch. Jetzt heißt eswieder: neues Land, neue Sprache. InKrakau hat er vorDienstantritt einen Intensivkurs inPolnisch absolviert. In Warschau nimmt er regelmäßig Unterricht und ist entschlossen, das Gelernte jeden Tag anzuwenden. „Ich bin zuversichtlich, dass DELIKATER JOB Olaf Bock leitet seit dem 1. September das ARD-Fernseh- studio Warschau. Turnusgemäß löste der WDR-Journalist die rbb-Kollegin Griet von Petersdorff ab. Der erfahrene Korrespondent übernimmt das Studio in poli- tisch angespannten Zeiten.

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