WDRprint Oktober/2017

46 Mit fünf Jahren zog der kleine Michel mit seiner Familie von Teheran nach Ham- burg-Eidelstedt. „Dort hatte jeder einen Hund, die meisten tatsächlich einen Schä- ferhund“, erzählt Abdollahi, „ich kam aus einem Land, in dem Hunde als Haustier nicht bekannt sind, und hatte panische Angst vor ihnen.“ Eine Erinnerung, die er mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus der COSMO-Redaktion teilt. Der Schäfer- hund wurde für die Abdollahis zum Sinn- bild des Deutschen. „Wenn ich heute noch in Hamburg-Eidelstedt leben würde, hätte ich vielleicht auch einen Schäferhund und würde zugezogene Menschen ermahnen, nur bei Grünüber dieAmpel zu gehen“, sagt Abdollahi. Der Titel der COSMO-Kolumne spie- gelt „diese persönliche Verwandlung vom Rechtsradikalen bewohnten Ort in Nord- westmecklenburg. Dafür und für seine Straßenaktionen im »NDR Kulturjournal« wurde der 36-Jährige 2016 mit dem Deut- schen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Persönliche Leistung“ ausgezeichnet. Eigentlich hat er „was Anständiges“ gelernt, und zunächst zog ihn nichts auf die Bühne oder zu den Medien. Abdollahi stu- dierte Jura und absolvierte sein juristisches Praktikuminder Senatskanzlei inHamburg. „Ichdachte, ichwerdeDiplomat oder gehe in die Politik“, sagt er. Dann entdeckte er die Hamburger Poetry-Slam-Szene, tratmit eige- nen Texten auf und begann Veranstaltun- gen zu moderieren. „Neben dem doch sehr dogmatischen Studium konnte ich mich da austoben“, erzählt er. „Menschen kommen auf dieBühneund tragen ihreGedankenvor. Mittwochs knurrt in »COSMO« DER DEUTSCHE Jungen aus demIran, dermittlerweile ziem- lich der Junge aus Hamburg geworden ist“. Bei der Themenwahl für seine Kolumne, die auch online als Video zu sehen ist, ist der Hamburger völlig frei: „Ich schau‘, was mir am Herzen liegt oder was mich gerade aufgeregt hat, und das versuche ich dann zu beschreiben.“ In den ersten drei Sendungen befasste er sich mit Polizeiskandalen, Jens Spahn und der AfD. Seine Meinung will er dabei niemandem aufdrängen: „Am Ende bleibt es immer leicht offen.“ Poetry-Slam-Workshops in Namibia Aufmerksamkeit erregteAbdollahimit seiner NDR-Reportage „Im Nazidorf“, für die er vier Wochen lang in einer Holzhütte in Jamel wohnte, einem vorwiegend von Der neue COSMO-Kolumnist Michel Abdollahi schaut für seine Jobs weit über den eige- nen Tellerrand. Foto: WDR/Brandes

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