WDRprint Oktober/2017

50 Mit »auf den Punkt« hat »Monitor« jüngst ein neues Format ins Leben gerufen, das in den Sozialen Medien hunderttausende Zu- schauer erreicht. Längst tritt die Redaktion mit ihrem Publikum nicht nur über Fernsehen und Internet in Kontakt, sondern auch über Facebook und Twitter. Bald soll Youtube dazukommen. Wa- rum ist das wichtig? Darüber sprach Ina Sperl mit Redaktionslei- ter Georg Restle bei einemMilchkaffee im Café Goldmund. Zum Inventar dort gehören Regale voller Bücher. Gerade wegen dieser „analogen“ Lektüre weiß der digital-affine Journalist, der alles so knapp auf den Punkt zu bringen versteht, den Ort zu schätzen. Warum ist der Auftritt in den Sozialen Netzwerken für »Monitor« so wichtig? Alle Versuche, das Format linear, also über das Fernsehen, zu verjüngen, sind meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt. 2012 haben wir daher einen Neustart gemacht mit Facebook und Twitter. Jetzt erreichenwirmit einzelnenBeiträgenschonregelmäßig weitüber zweiMillionenZuschauer–zusätzlichzudendreiMillionen imFernsehen. Vor allem in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen! Politik in SozialenMedien, geht das? Anfangs hieß es: „Das geht gar nicht, die Leute wollen Katzen- videos!“ Wir haben es gegen alle Ratschläge gemacht, und es funk- tioniert. Unsere Marke eignet sich, weil wir couragiert auftreten, Kante zeigen, meinungsstark sind. Und die Inhalte – Flüchtlingspolitik, Erdoğan – interessieren auch Jün- gere. Ein Interviewmit der Holocaust-ÜberlebendenÁgnes Heller hat über eine Million User erreicht. Eine 90-Jährige, die vor der AfD warnt, wird von jungen Leuten gesehen. Sie erhaltenmehrere Tausend Kommentare pro Sendung –wer liest die alle? Grundsätzlich lesen wir alles, mit Hilfe von freienMitarbei- tern. Das ganze Teammuss mitziehen, wir sind sechs Redakteure, dazu Freie und ein Onliner. Es ist zusätzliche Arbeit, wir haben keine Aufstockung unseres Etats bekommen und müssen trotz- dem recherchieren und Inhalte produzieren. Ich selbst mache auch viel persönlich. Wenn ichmal abends um acht was twittere, muss ich auch antworten, da kann ich mich nicht wegdrücken. Wasversprichtsich»Monitor«vondemAustauschmitdenZuschauern? Wir wollen so viel wiemöglichmit Leuten diskutieren. Denn wir verstehen uns nicht nur als investigatives Magazin, sondern auch als eines, das gesellschaftliche Debatten anstoßen will. So war es schon immer, nur dass es heute verstärkt in den Netzwer- ken stattfindet. Auf einen Milchkaffee mit Georg Restle „Das neue Format ,auf den Punkt‘ ist ein zuge- spitzter, visualisierter Kommentar. Reduziert und frei von Mätzchen.“ Lassen Sie sich inhaltlich von Wünschen und Kritik beeinflussen? Natürlich ist uns Kritik wichtig. Aber unsere Kriterien sind rein journalistisch. Und da geht es vor allem um Relevanz. Wir entscheiden also nicht primär danach, was die Zuschauer wol- len, wir sind schließlich keine Wünsch-Dir-was-Sendung. Eine Anbiederungwürde uns vermutlich auch übel genommenwerden. WasistdasneueFormat»aufdenPunkt«? Ein zugespitzter, visualisierter Kommentar. Reduziert und frei von Mätzchen. Früher habe ich schriftlich kommentiert, das wurde auch gelesen. Aber der Algorithmus bevorzugt das Video, nicht den Text. Daher probie- ren wir das aus. Das letzte Video zum Wahlkampf hatte eine Reichweite von 550 000 Zuschauern. Gibt es weitere Pläne? Unser Erfolg steht dafür, wie eine über 50 Jahre alteMarke es schafft, sich zu verjüngen. Das heißt aber auch: Wir müssen uns immer wieder neu erfinden – ohne Abstriche an Seriosität und Rechercheintensivität zu machen. Das sind Prozesse, die aus der Redaktion, von unten, entstehen. Und das ist entscheidend. Wer meint, die digitale Revolution sei von obenmachbar, täuscht sich. Bei den Inhalten brauchen Redaktionen größtmögliche Freiheit. Und Sie planen einen Youtube-Auftritt? Das bietet sich für uns als Fernsehformat an. Vor allem aber können wir auch dort die Jüngeren erreichen. Mit dem Video- Blogger Tilo Jung von „Jung und naiv“ habenwir schonmehrmals zusammengearbeitet. Da sind wir durchaus eine Referenz. Man sieht: Die alte Marke »Monitor« treibt überall Knospen, die zu blühen beginnen. Mit Georg Restle sprach Ina Sperl www.monitor.de Facebook: www.wdr.de/k/fb-monitor Twitter: @georgrestle „Anfangs hieß es: ,Das geht gar nicht, die Leute wollen Katzenvideos.‘“ »Monitor«-Chef Georg Restle Foto: WDR/Anneck

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