WDRprint November 2017

19 DONNERSTAG Jürgen Prochnow – plaudert offen und entspannt über seine Jugend in Düsseldorf, seine Jahre als Schauspieler in Hollywood und was US- Präsident Trump damit zu tun hat, dass er sich jetzt, zurück in seiner Heimat- stadt Berlin, „einfach wohl“ fühlt. Beispiel Leonard Bernstein. Weil er so aufgeregt war, hat er sich vorher 500 Fragen aufgeschrieben. Ich habe das mal nachgemacht und mir so 80 bis 100 aufgeschrieben. Ich war zwar total genervt und dachte:Was soll mir jetzt noch einfallen? Aber amEnde haben Sie das Destillat davon, das ist wirklich toll. Man kann sich Ori- ginalität auch abpressen. Mussmannichtmanchmal auch langweilige Fragen stellen, einfach weil sie besprochen werden müssen? Man hat kein Recht, den Zuhörer zu langweilen. Auch den Gesprächspartner sollte man nicht langweilen. Man wird süchtig nachdemMoment, indemmandieNähe spürt, oder dieBewegtheit bei demanderen. DiesenMoment kannmanherstellen. Es geht aber auch andersherum: Mitunter sind selbst Leute, die sehr berühmt sind, sehr aufgeregt. Um den Gästen klar das Gefühl zu geben, ihr Verbündeter zu sein, kannman Fragen stellen, von denenman weiß, dass sie in jedem Fall schon oft darauf geantwortet haben. Sie bezeichnen sich im Gespräch schon mal selber zwischendurch als Döspaddel. Ist es diese schonungslose Selbstkritik, dieVertrauen schafft? In Deutschland gibt es sehr viele Situationen, in denenMen- schen anspannen. ZumBeispiel aus Angst vor Fehlern.Wennman vonAnfang anklarmacht, dassman zwar nicht gerne Fehlermacht, sich aber ganz sicher ist, dassmanwelchemachenwird, dann ist es nicht mehr so schlimm, dann wird es schon menschlicher. Und das ist so einGespräch letztendlich: einemenschliche Begegnung. Für denWDR ist Ihre Sendung „das überraschende Talk Radio, das aus dem Rahmen fällt“. Was meint der Sender damit? Dass es solche Gespräche gibt wie das mit Else Buschheuer. Wir haben über alles Mögliche gesprochen, nur nicht über das, worüber wir eigentlich reden sollten. ➔ Jörg Thadeusz, Jahrgang 1968, ging 1991 zum Radio und gehörte zum Grün- dungsteam der WDR- Jugendwelle 1LIVE. Thadeusz hat seitdem in vielen Bereichen gezeigt, dass er zu den besten deutschen Moderatoren und Journalis- ten gehört: mit seinen eigenen Sendungen im rbb Fernsehen, als Reporter der WDR-Kultsendung »Zimmer frei«, als Kolum- nist für große Tageszeitun- gen und als Moderator der Satiresendung »extra 3«. Dafür wurde er unter anderem als „Radiojour- nalist des Jahres“ und mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Fotos: WDR/Boxberg

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