WDR print Dezember 2017/Januar 2018

34 Unterhaltung haben wir nebenbei auch immer schon gemacht. Später fanden wir diese Studioform ein bisschen veraltet und sendeten jetzt jeden Samstag einen Live-Mitschnitt. IVEN: Als die Sendung zu WDR 5 gewechselt ist, war uns klar, dass wir mit unserem Programm durch NRW ziehen wol- len. Wir sind mit unseren Shows im ganzen Sendegebiet unter- wegs. Daswar damals dasNeue. Was immer geblieben ist, sind gute Gags und kluge Unterhal- tung. Auch Kalauer, die »UaW« bedient die ganze Bandbreite. Es soll einfach Spaß machen, ich muss da keine Kabarett- Mission durchziehen. Wie Jür- gen Becker sagt: „Man muss auch mal einen Witz machen dürfen.“ Und: Dass Gedankenfreiheit gegeben wird, das ist uns wichtig, das ist die DNA des Radios. JACOBSHAGEN:Wir laden bewusst Leutemit unterschied- lichenMeinungen ein. DieGrenzen finden da statt, wo dieGesetze sind: Jugendschutzgesetz und Persönlichkeitsrecht beispielsweise. IVEN: Ich möchte, dass die Künstlerinnen und Künstler sich präsentieren und das, was sie für kabarettwürdig halten. Es gibt keine Tabuthemen. WendelinHaverkampwünscht sichdie Live-Studio-Produktion zurück. Warum war die »Unterhaltung am Wochenende« 1967, ich zitiere ihren Chef Florian Quecke, „eine Revolution im Radio“? ANJA IVEN: Es gabmeinesWissens zu demZeitpunkt keine Unterhaltungssendung mit Kabarett. Das Erste, was im Radio gelaufen ist, warenMusik und Sport. Dann hatten die damaligen WDR-Kollegen die Idee, dass sie Kabarett – Comedy gab es ja auch noch nicht – ins Radio bringen. HANS JACOBSHAGEN: Das war damals ein kulturelles Bil- dungsprogramm! Imöffentlich-rechtlichen Radio waren Schlager schon grenzwertig! Auch Kabarett ist erst später in der bürgerli- chen Gesellschaft angekommen. Als Jugendlicher war ich mal in Köln bei den „Machtwächtern“: Dahinzugehen, war ganz verrucht. IVEN:AuchandereSenderwieder SWRhabeneine langeKaba- rett-Tradition. Aber die Sendereihe, die sich immerwieder neuerfun- denhat unddochdasOriginal geblieben ist, ist die »Unterhaltung am Wochenende«. Wir haben als Redaktion und Programmgruppe die Sendung immer weiterentwickelt. Die gute alte »Unterhaltung am Wochenende« ist heutekomplett digital aufgestellt.Wir sindmittler- weilemit Video-Units unterwegs, mit denenwir unserewichtigsten Veranstaltungen filmen. Es gibt Ausschnitte imNetz, die sich viral unglaublich verbreiten. Vor Jah- renwar esnochso, dassdieLeute gesagt haben: „Ich habe keinen Bock auf Fußball, samstags um vier höre ich die Unterhaltung am Wochenende und mache die Bügelwäsche.“ Jetzt können dieLeute zeitunabhängigunsere Sendung hören. Was hat sich geändert, was ist immer gleichgeblieben? JACOBSHAGEN: Die »Unterhaltung amWochenende« war früher, auch noch als ich ̕93 anfing, eine reine Studiosendung. Samstagsnachmittags kamen die Künstler mit frischen Manu- skripten ins Studio, und einer hat denModerator gegeben. Hanns Dieter Hüsch, der Ur-Moderator ... IVEN: Jürgen von der Lippe, Georg Danzer, Harald Schmidt. ImPrinzip alle, die heute etwas älter sind und einenNamen haben. JACOBSHAGEN: Die haben sich gegenseitig ihre Sachen vorgespielt, es war kein Publikum dabei. Es gab auch Live Bands, oft so irische Kapellen. Live-Mitschnitte von Veranstaltungen Die »Unterhaltung am Wochenende« hat sich immer wieder neu erfunden und ist doch das Original geblieben. Es begann als eine„Revolution imRadio“

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