WDRprint Februar 2018

46 Nachruf Der Erfolg der »Aktuellen Stunde« und der elf »Lokalzeit«-Ausgabenbleibtmit seinem Namen verbunden: Harald Brand, langjähriger Chefredakteur der WDR-Landesprogramme, ist am 14. Januar im Alter von 76 Jahren in Köln gestorben. „Harald Brand war eine starke Per- sönlichkeit und hat als Chefredakteur die Landesprogramme desWDR Fernsehens mit viel Enthusiasmus und unermüdli- cher Energie zum Erfolg geführt.“ Mit diesenWortenwürdigteWDR-Intendant Tom Buhrow den langjährigen WDR- Journalisten, mit dem ihn eine intensive Zusammenarbeit verband: „Ich persön- lich nehme bewegt Abschied von einem guten Kollegen und Chef, der mich vor allem in meiner Zeit bei der ‚Aktuellen Stunde‘ intensiv begleitet hat.“ Über 41 Jahre seines Berufslebens widmeteHarald Brand demWDR. Repor- ter und Leiter der Kölner »Tagesschau«- Redaktion, ARD-Korrespondent inMos- kau, Redakteur im ARD-Studio Bonn waren von 1966 bis 1988 seine Stationen, bevor er sich für die regionalen Pro- gramme engagierte: Brand wechselte als stellvertretender Studioleiter ins Funk- haus Düsseldorf, wo er unter anderem die Sendung »Aktuelle Stunde« leitete. 1998 übernahm er den Job des Chefre- dakteurs der Landesprogramme, den er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2006 innehatte. Zusammen mit Fritz Pleitgen rief er 1996 das Projekt „Die Kinder von Perm“ ins Leben. Über seine Arbeit als Journalist hinaus hat Harald Brand damit den Bau einer Kinderkrebsklinik in der russischen Stadt amUral ermöglicht und dauerhaft gefördert. Harald Brands Nachfolgerin Gabi Ludwig erinnert im folgenden Nachruf an „ihren alten Chef“: „Die Nachricht, dass Harald Brand verstorben sei, hat mich kalt erwischt. Ja, er war nicht mehr ganz gesund, aber der Tod kam überraschend. Seitdem denke ich über unseren alten Chef nach und über das, was „Harald Brand führ Ohne sein Know-how wären die Berichte einer Generation brillan- ter Fernsehjournalisten ohne Bilder geblieben: Jossi Kaufmannwarmit sei- ner Kamera stets dort, wo Geschichte geschrieben wurde. Am 4. Dezember ist der WDR-Kameramann und Foto- graf 81-jährig in Köln gestorben. Ein Nachruf von Sonia Seymour Mikich, WDR-Chefredakteurin Fernsehen. EinAuge für dieWelt – und fürWelt- geschichte. ObVietnamkrieg, Khomeinis historischer Rückflug aus dem Pariser Exil, Bürgerkrieg in Guatemala, ob „Pari- ser Journal“ oder Kulturdokus, Spielfilme oder Magazinbeiträge: Jossi Kaufmann drehte für eine Generation von Repor- tern, die man heute gern Legenden oder „old school“ nennt. Peter Scholl-Latour etwa, Helmut Grosse, Georg Stefan Troller, Claus Richter, Ulrich Wickert. Grimme-Preise, internationale Auszeich- nungen – dennoch hob der „Chefkamera- mann“ nicht ab. Und alle habenneben der Professionalität Jossis auch seine Welt- läufigkeit und seinen Humor gemocht. Die Fotografie war seine stille Geliebte, und er brachte – gerade aus autoritären Regimen – viele Bilder am Zensor vorbei zurück nach Deutschland. Die Leica war eben feiner und kleiner als die damals Jossi Kaufmann: Ein Auge für die Welt und die Weltgeschichte noch tonnenschweren U-Matic-Kameras oder gar Arris. Jossi war an Politik genauso interes- siert wie an Kultur, auch Alltagskultur. Rein ins Land, in die Krise, in die Künste, in die Kneipe – alles war hochinteressant und ihmvieleGesprächewert. Es half, dass ermindestens fünf Sprachen beherrschte, auch wenn er gern Grammatik und Aus- sprache strapazierte. Ich lernte ihn imStu- dioNewYork kennen. Er scheuchte seinen Assistenten auf Iwrit, kauderwelschte auf Englisch und Deutsch mit den Korres- pondenten und brachte Pariser Flair ins Team. Auch mal ein Glas Champagner oder zwei. Bei einemDreh inFlorida sorgte er für ein seltsames Deutschlandbild, als er sich gegen Mitternacht bei einem Poli- zisten nach einem Café erkundigte, wo man vielleicht noch Häppchen bekäme. Wir waren nämlich sehr müde und sehr, sehr hungrig. Aus Snacks machte er ein kehliges „snakes“, der Polizist fand uns unheimlich: „Sir, we don’t eat snakes in Florida, what is wrong with you?“ Jossi hatte keineAngst davor, aufMen- schen zuzugehen, um mit verschiedenen Reportern außergewöhnliche Zeitzeug- nisse zu verwirklichen. Oder einfach nur aus Spaß am Menschlichen. Immer bereit zu staunen, immer bereit die Welt zu ver- stehen und ihr das Schlimme zu verzeihen. Jossi Kaufmann im Sommer 2017 Foto: WDR/Albers

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