WDRprint März 2018

29 28 Hörspiel Paul Plampers Hörspiel konfrontiert uns damit, wie „am deutschen Wesen die Welt genesen soll“ – eine zu Kolonialzeiten gern verwendete Aussage. Denn es erzählt von der Ausbeutung der dienstbaren Geis- ter aus Kamerun, die 2015 mit erstaunlich ähnlichen Argumenten gerechtfertigtwirdwie 1905. „Ein zeitloses Stück Zeitgeschehen“, schwärmt die Jury des Deutschen Hörbuchpreises. „Es ist nicht allein das herausragende, spielfreudige Ensemble, das dieses Hörspiel trägt. Es sind auch die subtilenDetails, die entlarvendeWortwahl in den punktgenauen Dialogen und die vielsagenden Auslassun- gen, durch die Geschichte und Gegenwart der Migration zwischen Deutschland und Afrika erlebbar werden.“ René Wagner sprachmit dem leidenschaftlichenHörspielmacher, der gar nicht daran denkt, einmal dasMetier dieser traditi- onsreichen Kunstform zu verlassen. Wennwir richtiggezählt haben, ist derDeutscheHörbuchpreis 2018 schonder 14. Preis für eineHörspielproduktion aus Ihrer Feder und Regie. Was machen Sie anders als andere Hörspielmacher? Die meisten Hörspiele werden ja „inhäusig“ produziert, haben feste Zeitfenster für Aufnahme und Schnitt. Ich haushalte selbst mit meiner Zeit, manche Stoffe brauchen in der Entwick- lung Jahre. Auch pflegen wir als Ensemble einen besonderen Stil „Das Tolle am öffentlich-rechtlichen Hörspiel ist, dass es noch Redaktionen gibt, die Autoren und Macher zum Experimentieren motivieren.“ Preisträger Paul Plamper Foto: WDR/Kierok der Improvisation, bei demsichdie Spieler stark einbringenkönnen. Außerdemnehmenwir oft anOriginalschauplätzen auf:Wenn die Figuren im Hörspiel etwa auf einer Brücke stehen, dann machen wir im Hörspiel keine Brücke nach, sondern stehen wirklich auf einer. Oft arbeiten wir wie ein kleines Filmteam, nur ohne Bilder. Sind Sie diesmal auch zu Originalschauplätzen gereist? Wir haben einen Riesenantrag gestellt, dass wir die Hälfte der Produktion in Kamerun machen können, doch das ist leider gescheitert. Auch diese Aufnahmen fanden dann in Berlin mit hier lebenden Kamerunern statt, das heißt auf besagter Brücke, aber auch in Autos, Wohnungen, in einem Park, in einem Spe- ditionsbüro bis hin zum Industriehinterhof. Die Kiesgrube, die wir akustisch als Wüste in Szene setzen wollten, fiel leider durch starkenHagel aus – da haben uns die Kolleginnen vomDLFKultur mit ihremschalltotenRaumausgeholfen. Und eine andereKollegin war sowieso gerade in Kamerun unterwegs und hat uns von dort einige O-Töne für die Hintergründe mitgebracht. Hörbuchpreise gewinnen meist die Produktionen, die wirklich außergewöhnlich sind. „Dienstbare Geister“ ist gleich in mehrerer Hinsicht bemerkenswert: Das Thema ist unbequem, das Ensemble unterschiedlich erfahren, und die Aufnahme geschah nur selten im Studio. War diese Kombination nicht ein Risiko? ➔ Große Ehre für den Autor, Theater- und Hörspielregisseur Paul Plamper: Am 6. März wird dem akustischen Erzähler schon zum zweiten Mal der Deutsche Hörbuchpreis überreicht. Seine Produktion „Dienstbare Geister“, die in Zusammenarbeit mit BR, MDR und DLF Kultur unter Federführung des WDR entstanden ist, gewinnt in der Kategorie „Bestes Hörspiel“. FILMEOHNE BILDER

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