WDRprint März 2018

39 38 Auf Wiedervorlage Auf Wiedervorlage „Hoffentlichwerden die nicht geschlach- tet.“ „Ich habe sie lieber tiefgefroren.“ „Ich glaub’, ich bin enttäuscht von der Menschheit.“ Nur drei von Dutzenden Reaktionen in der Kölner Fußgängerzo- ne auf ein radikales Sozialexperiment der WDR-Wissensredaktion rund um die Sendung »Quarks«. Im Dezember hatte Landwirt Niko- las Weber in Köln zehn lebende Gänse zum Kauf angeboten. Eine Gans schlach- tete Weber vor den Augen der Kunden. Das Sozialexperiment in der Sendung »Quarks« sorgte für Wirbel. TV-Berichte in der ARD und im WDR Fernsehen, überregional berichteten Bild und Focus. „Fünf Millionen Facebook-User riefen das Gänse-Video online ab“, sagt Jonathan Focke, verantwortlicher Redakteur vom Campus Wissen. „Mehr als 4000 Mal wurde das Experiment auf Facebook kom- mentiert – und in gut 100 E-Mails.“ Reaktionen von allen Seiten Die Reaktionenwaren laut Focke „fast ausnahmslos positiv. Von Vegetariern und Tierschutzverbänden genauso wie von Fleischproduzenten und Fleischessern.“ Brisantes Thema zum Start der WDR- internen „Impuls“-Gespräche: Redak- teurinnen und Redakteure diskutierten mit Terrorismusforscher Peter Neu- mann über die Berichterstattung nach Anschlägen. Es gehört zum journalistischenAlltag, über Anschläge und Terror zu berichten. Trotzdem wirft der Umgang damit Fragen in der Praxis auf, gerade auch angesichts der immer schneller werdenden Onlinebericht- erstattung. Anfang Februar diskutierten deshalb in den Kölner WDR-Arkaden 30 RedakteurinnenundRedakteuremit Terro- rismusforscher PeterNeumannvomLondo- nerKing’sCollegeüber dasThema „Befeuern oder entschärfen – wie berichten über Ter- rorismus, Sicherheit und Radikalisierung?“ Eines seiner Statements: „Nicht über jedes Gerücht berichten. Aber wenn etwas die Diskussionen in sozialenNetzwerkendomi- niert, kannman es auchnicht verschweigen – sonst macht man sich unglaubwürdig.“ Mit der von »Monitor«-Chef Georg Restle moderierten Veranstaltung star- tete dieWDR-interne Reihe von „Impuls“- Gesprächen, die ein Forum für Selbstrefle- xion und Austausch bieten soll. „Reflexion ja, Vorgabennein“, fasst Ini- tiatorin IvaKrtalic das Ziel dieserGespräche zusammen.DerAuftakt sei vielversprechend gewesen. DieWDR-Integrationsbeauftragte sieht derzeit gerade die Themen rund um interkulturelles Leben im Mittelpunkt der politischenAuseinandersetzungen und der journalistischenDiskussion: politisches Fra- ming, Hass in den sozialenMedien oder die Frage, ob dieHerkunft vonTatverdächtigen genannt werden soll. Krtalic: „Die öffentli- che Diskussion darüber hat den Druck auf journalistische Arbeit deutlich verstärkt.“ Fragen aus dem Redaktionsalltag Alle sechs bis acht Wochen will die „Impuls“-Reihe in Gesprächen mit exter- nen Experten einen Raum für Austausch bieten. Ausdrücklich gewünscht ist laut der WDR-Journalistin, „dass konkrete Fragestellungen aus demRedaktionsalltag diskutiert werden“. Der Bedarf sei in den Redaktionen vorhanden. Denn eines sollte beispielsweise in der Terrorismus-Bericht- erstattung laut Neumann nicht passieren: Konflikte totzuschweigen. Der Experte: „Wenn das passiert, verlassen sich die Leute auf die sozialen Medien.“ Und das helfe letzten Endes nur den Terroristen. Die nächsten „Impuls“-Themen: „Die nichtverarbeitete DDR-Diktatur und der Aufstieg der AfD“ und „Auswirkungen von Hass und Verrohung auf die journalisti- sche Arbeit“. hei Fünf Millionen Facebook-Abrufe nach »Quarks«-Experiment Eine Gans tot, neun gerettet Das Sozialexperiment war Kern der »Quarks«-Sendung vom 30. Januar. Moderator Ralph Caspers themati- sierte Fragen rund um das Thema Fleisch: „Warum wir Tiere lieben und trotzdem essen?“ Foto: WDR/Fußwinkel/dpa Hinter dem „1LIVE-Informant“ stecken kluge Köpfe (v.l.): Susanne Schwarzbach, Jens Becker und Jessica Häusler. Foto: WDR/Anneck Start der „Impuls“-Gespräche /Wie berichten wir über Terrorismus? „Reflexion ja, Vorgaben nein“ Der „1LIVE Informant“ versorgt ab Anfang März alle, die ihn abon- nieren, mit Nachrichten für junge Menschen in NRW. Er bietet zwei Mal am Tag kompakt Nach- richten im Chat-Format. „Der ‚1LIVE Informant‘ ist ein interaktiver Mes- senger-Dienst, den man im Internet über 1live.de oder direkt bei Facebook abonnieren kann“, erklärt Jens Becker, Channel-Manager in der 1LIVE Digital- redaktion. Der Content für den Informanten kommt aus dem Team der 1LIVE Infos. „Mit dem ̦1LIVE Informant̒ richten wir uns an die User zwischen 18 und 25 Jah- ren. Wir geben unserer Usern das Ver- sprechen, mit dem Informanten über die wichtigen Themen Bescheid zu wissen, mitreden zu können und auch Spaß zu haben“, sagen JessicaHäusler undSusanne Schwarzbach, die das Infos-Team leiten. Wahlweise ein- oder zweimal am Tag schickt der Messenger-Dienst seinen Abonnenten die wichtigsten Neuigkei- ten, die per Smartphone, Tablet oder am Computer abgerufen werden. Darüber Tenor: Schlachtprozesse müssten viel häu- figer von A bis Z öffentlich gemacht wer- den. Focke: „Nur so lassen sich Fleisches- ser anscheinend sensibilisieren, mehr über ihr Essverhalten und die Konsequenzen für die Tiere nachzudenken.“ Fleischproduzent schaltet Internetseite Die Internetseite www.toenniestier- schutz.de „will den Schlachtprozess offen und ehrlich zeigen“, sagt Tönnies-Spre- cher Dr. André Vielstädte, Sprecher von Deutschlands größtem Schweinefleisch- produzenten. Die Seite wurde nach dem WDR-Experiment eigens eingerichtet. „Allerdings sind auch hier nicht alle unangenehmen Details zu sehen – etwa die Betäubung der Schweine durch Koh- lendioxid“, so Jonathan Focke. Ums Betäuben und Schlachten herum kamen übrigens die neun Gänse, die neben der getötetenArtgenossin in der Kölner Fußgängerzone angeboten worden waren. Via Instagram und Facebook hat- ten Tierschützer 600 Euro gesammelt, um Landwirt Weber die Tiere abzukaufen. Focke: „Alle neun Gänse leben jetzt auf Gnadenhöfen in Nordrhein-Westfalen.“ hei hinaus kann der Messenger-Dienst aus einer eigens dafür angelegten Datenbank Informationen heraussuchen, nach denen die User ihn fragen – eine Funktion, die bereits beim 1LIVE Messenger-Dienst „Wahltraud“ zur Bundestagswahl rege genutzt wurde. „Für uns ist das auch ein Feed- backkanal“, sagt Jens Becker, „denn wir sehen anhand der Fragen: Welche The- men interessieren unsere User?“ Für die Macher auch deshalb reizvoll, denn die 1LIVE Infos, die 1LIVE Digitalredaktion und Entwickler arbeiten für den „1LIVE Informant“ zusammen. kp Ein Schild auf demWDR-Sportcampus sensibilisiert Besucher: Hier wird täglich live gesendet. Foto: WDR/Sachs Seit Anfang Februar schaltet »WDR aktuell« vonmontags bis freitags in seiner 12.45-Uhr-Ausgabe für zwei Minuten auf den Sportcampus in Köln. Dort präsen- tieren imWechsel Sabine Hartelt, Frank Meyer und Steffen Simon alles, was im Sport aktuell und relevant ist. Produziert wird mit neuester, smarter Technik. Die Moderatoren starten die Beiträge mit Hilfe des imWDR entwickeltenWebplay von einem Touchscreen selbst. Der tägliche Sportblock ersetzt die Sendung »Sport im Westen« am späten Sonntagabend und bildet die Vielfalt des Sports ab. EB Sport in »WDR aktuell« Neu: Der „1LIV E Informant“ „Keinen Konflikt totschweigen!“ Terrorismusforscher Peter Neumann Foto: WDR/Fußwinkel

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