WDRprint März 2018

41 Berufsbilder 40 Eine von uns: ANDREA STOLL „Unsere wichtigste Aufgabe ist das Kura- tieren. Nicht alles, was neu ist, kommt auf die Startseite.“ Andrea Stoll, stellvertretende Leiterin der Mediathek Foto: WDR/Dahmen Morgens um zehn Uhr treffen sich Andrea Stoll, Mediatheksleiter StefanWirtz sowie Redakteure und Produ- cer im CvD-Büro im achten Stock des Vierscheibenhau- ses. Alle zusammen werfen sie einen kritischen Blick auf die Startseite der Mediathek. „Wie sieht die Stage heute aus?“, fragt Stoll ihre Chefin vom Dienst. „Stage“ nennen dieMediathek- Macher den prominenten Platz ganz oben auf dieser Seite. Die Kollegin aus der Frühschicht hat dafür fünf Sendungen aus dem Programm von WDR Fernsehen ausgewählt. „Gute Mischung“, lobt Stoll. „Im Laufe des Tages könnten ja noch Videos von den Olympi- schen Spielen hinzukommen.“ Bild und Titel der Teaser sollen perfekt zusammenpassen, damit der Nutzer sofort versteht, um was es geht und das Video anklickt. Weil die Nutzung auf Handys rasant zunimmt, wird abschließend auch immer die mobile Ansicht der Seite geprüft. Journalistische Arbeit „Eigentlich stellen wir hier in der Mediathek ein eigenes Programm zusammen“, erklärt Stoll. Seit 1995 ist sie beimWDR, schon 1997 war sie bei der allerersten Interneteinheit dabei. Eine Online-Pionierin, die im digitalen Geschäft in verschiedensten Funktionen gearbeitet hat. Die gelernte Journalistin betont, dass es nicht genügt, auf der Startseite der WDR Mediathek nur die linear gelaufenen Sendungen chronologisch rückwärts anzubie- ten. „Unsere wichtigste Aufgabe ist das Kuratieren. Nicht alles, was wir für die Mediathek produzieren, kommt immer auch auf die Startseite. Es ist eine handverlesene journalistische Auswahl. Wir entscheiden, was wann wo und wie lange auf der Startseite platziert wird“, erklärt sie. NRW-Themen stehen natürlich im Mittelpunkt. Aus der Fülle des Gesendeten sucht die Redaktion gezielt auch nach den Sendungen, die die Eroberungszielgruppe besonders interessieren. Neben der journalistischen Qualifikation, so Stoll, sei in der Mediathek unbedingt Technik-Affinität nötig. Die Redakteure müssen nämlich die diversen Online-Tools, allen voran Zent- rale Mediendatenbank, Sophora, Whats on, OpenMedia und das eigene Planungssystem souverän und sicher bedienen können. Was die Herstellung der Online-Fassungen angeht, sind die Abläufe eingespielt: Die Redaktionen liefern auf einem Meta- datenformular alle benötigten Informationen elektronisch zu. „DasMaterial selbst wird aber zu 80 Prozent noch im ‚Turnschuh- Workflow‘ zu uns gebracht“, scherzt Stoll. Dann erst können die Producer darangehen, die Videos für dieMediathek herzustellen. Spätestensmit Beginn einer Sendung ist sie auch in derMediathek abrufbar. Immer mehr Redak- tionen unterstützen zudem das Bemühen der Mediathek, die Videos schon „online first“ anzubieten. Ganz vorbei ist die Arbeit aber auch dann noch nicht. Es kommt gar nicht so selten vor, dass nachträglich etwas geän- dert werden muss, weil z.B. Bildrechte geklärt oder ganze Beiträge depubliziert werden müssen. Damit dies mit der gebotenenSorgfalt erledigtwird, hat die Fernsehdirektion diese Aufgabe ausschließlich dem Mediathek-Teamübertragen. PermanenteModernisierung Seit 2016 ist Andrea Stoll für den WDR außerdemmit dem Technik-Experten und Chefpro- ducer Lukas Bartsch ander Entwicklungder neuenARDMediathek beteiligt, die voraussichtlich im Sommer an den Start gehen wird. Die WDR Mediathek wird in den „ARD Player“, wie die neu kon- zipierte Mediathek dann heißen wird, integriert. Die Redaktion in Köln bestückt weiter ihre WDR-Startseite. „Das wird die gesamte ARDweit nach vorne bringen“, davon ist Stoll felsenfest überzeugt. Denn heute erwarten die Nutzer die bestmögliche Videoqualität, geräteübergreifende Verwendungsmöglichkeiten und modernen Mehrwert. SowirdderneueARD-Playermit einer intelligentenEmp- fehlungslogik à laNetflix arbeiten, umangemeldetenNutzernpass- genaue Empfehlungengeben zukönnen–natürlichunterWahrung aller Datenschutzaspekte. Damit das funktionieren kann, arbeitet Stoll mit Teilen des Mediatheksteams derzeit intensiv an der not- wendigenVerbesserungderMetadaten. Denndaswirddafür sorgen, dass die vielen Sendungen desWDR in der neuenÄramöglichst oft zumAnschauen empfohlen werden. Ute Riechert Die Aktuelle Stunde verpasst? Kein Problem – die Sendung gibt es ja noch in der WDR Mediathek. Dorthin kommt sie allerdings nicht einfach per Knopfdruck. Andrea Stoll (58), stellvertretende Leiterin der Mediathek, weiß, wieviel Hand- arbeit nötig ist, bis ein Video online gehen kann. Wie werde ich WDR-Redakteur in der Mediathek? Die Arbeit als Redakteurin und Redakteur in der Mediathek ist komplex. Der Job erfordert unbedingt eine journalistische Ausbildung – und damit Sicher- heit bei der Gewichtung sowie Platzierung von The- men, ein gutes Gespür bei der Bild- und Textauswahl, ErfahrungenimCvD-Dienst–sowie aucheinegrößere Technik-Affinität. Heißt: Er/Sie sollte mit den zahlrei- chen Content-Management-Systemen und Online- Tools arbeiten können, sich mit den Features der Streaming- und Video on Demand-Anbieter ausken- nen und die neuesten Entwicklungen auf dem digitalen Markt im Blick haben. Und selbst- verständlich: die sehr gute Kenntnis des Fernsehprogramms von WDR und ARD. Spaß an der (Schicht)-Arbeit sollte ebenfalls vorhanden sein. StefanWirtz leitetdieRedaktion derWDR-Mediathek. Foto:WDR/Fußwinkel

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