WDRprint April 2018

13 12 Titelthema Radio kompakt Thomas Reinke (53), bisher Pro- grammchef bei COSMO, wechselte als Büroleiter in die Hörfunkdi- rektion. Direktorin Val erie Weber freut sich über den N euzugang: „Mit Thomas Reinke gewinnen wir einen erfahrenen Manager und Journalisten und stellen uns gut auf für die Herausf orderungen der kommenden Jahre. “ Thomas Reinke k ennt das Radiogeschäft sowohl am Mikrofon als auch am Schreibtisch, als Programmmacher und Stratege. Vor seine m Wechsel in die Hörfunkdirektion war er neun Jahre lang Programmchef bei COSMO. In dieser Zeit managte er die Umwandlung von Funkhaus Europa zum modernenGlobal-Pop-Radio. „Aus demdamaligen ‚Ausländer- radio‘ haben wir ein junges, dynamisches Programm mit der Vielfalt alsMarkenzeichen gemacht“, sagt Reinke. In den 90ern baute der gebürtige Solinger 1LIVE mit auf, wo er bis 2003 als stellvertretender Programmchef arbeitete. Nach einem kur- zen Studien-Stipendium an der Harvard University wechselte Reinke als Korrespondent ins ARD-Hörfunkstudio NewYork. Ab 2005 war er stellvertretender Programmchef bei WDR 3. Viele seiner Erfahrungen wird der Journalist im neuen Job gebrauchen können. Die Hörfunkdirektion hat vielfältige Aufgaben. Alle Veränderungen und Entwicklungen im Rund- funkbereich des WDR werden aus den Büros in den Kölner WDR-Arkaden gesteuert. Von der Umschichtung von Ressour- cen bis zur Entwicklung neuer Formate, Personal- und Etatfra- gen, ProduktionstechnikenundVerbreitungswegen. Das sechs- köpfige Team organisiert die Geschäftsführung der Direktion, bereitet große Entscheidungen für die Gremien vor, arbeitet der Direktorin aber auch im Alltagsgeschäft zu, bereitet beispiels- weise Sitzungen vor. „Wirmüssenüber alle relevantenVorgänge Bescheidwissen“, berichtet Reinke. Denn all dies geschieht für sechs Radioprogramme, nebst Auslands- und Landesstudios. ÜberArbeitsmangel kannsichder 53-Jährigenicht beklagen, derNeue ist schonmitten imGeschehen: „Wir begleitenzumBei- spielgeradeintensivdieReformdesWDR3-Sendeschemas,speziell der Formate am Sonntagvormittag.“ So waren seine ersten zwei Wochenmanchmal stressig („Wie jeder neue Job“) und turbulent („Es knubbelt sich gerade alles“). Mit großen Zukunftsvisionen hält Reinke sich noch zurück: „Ich verschaffe mir erst mal einen Überblick: Wo kann ich ambesten einbringen, was ich an Erfah- rungenundFähigkeitenhabe? IchmagdieLangstreckeundneige nichtdazu,michmitHurra-GeschreiineinenneuenJobzustürzen und zu sagen: Ab heutemachenwir hier alles anders.“ ChG Der Ma nager in der Hörfun kdirektion Hat COSMO zu den Themen rund um die Flucht und Migration einen speziellen Zugang? Wir sind vonAnfang an sehr differenziert und nicht so aufge- regt mit demThema umgegangen, weil wir eine Redaktion haben, die vielfältig zusammengesetzt ist. Die sich nicht schwertut, auch über Probleme von Integration zu sprechen. Die möglicherweise teilweise selber solche Erfahrungen gesammelt hat. Das hat uns geholfen, von Anfang an kritisch, aber auch sehr gelassen an die Themen ranzugehen. DieMedienlandschaft braucht Gelassenheit. Wie reagieren Sie als COSMO auf das Erstarken der Rechten und das Erstarken der Fremdenfeindlichkeit in Europa? Auch mit Gelassenheit. Und natürlich mit einer kritischen Haltung – beides schließt sich keineswegs aus. Es geht darum aufzuzeigen, was gerade passiert, wie die Zusammenhänge und Wechselwirkungen, was die Ursachen sind. Ichwarne davor, dass man reflexartig Themen stilisiert oder hervorhebt. Wichtig ist der Schritt zur Seite, die saubere Recherche und Einordnung. Meine Aufgabe ist es nicht, Politik zumachen, sondern Politik zu begleiten, begreifbar zu machen und zu kommentieren. COSMO betreibt auch das Internetportal „Türkei unzensiert“. Wie läuft es, wie sind die Reaktionen? Das Thema ist sehr emotional. Wir haben Can Dündar als Kolumnisten, im Radio und online auf Türkisch und Deutsch. Die Kommentare der User sind teilweisemenschenverachtend, da werden auch ganz klar Drohungen ausgesprochen. „Türkei unzen- siert“ ist ein sehr wichtiges Projekt, denn wir publizieren aus einer demokratischen, differenzierten Haltung heraus, in einer Zeit, wo solche Inhalte auf Türkisch kaum noch vorhanden sind. COSMO hat schon mehrere Häutungen hinter sich. Wie muss die Welle agieren, um auch in Zukunft relevant zu bleiben? Eine großeHerausforderung ist, dieMarke online gut aufzustel- lenund die Bekanntheit zu steigern. Das liegtmir besonders amHer- zen. Nicht, weil ich selber online sozialisiert bin und quasi Internet lebe, sondernweil ichglaube, dassnur dieMedienzukunftsfähig sind, denenes gelingt, imNetz relevant zusein. Dafür sindwirmit unserem einzigartigenProgrammund unserer Redaktion sehr gut aufgestellt. Es ist bemerkenswert, dass wir als Nischensender wahrgenommen werden, nur weil das Team international zusammengesetzt ist und sichdadurchvondenmeistenRedaktionenbundesweit unterscheidet. Wennman sich klarmacht, dass inNRWmindestens ein Viertel der Bevölkerung einen internationalenHintergrundhat,muss ich sagen, COSMO ist fürmich keineNischemehr, COSMO ist gelebteRealität. „Die Medienlandschaft braucht Gelassenheit.“ COSMO MO – FR / 7:20 »Daily Good News« Thomas Reinke Foto: WDR/Sachs Außerdem online auf www.wdr.de/radio/cosmo/ 1LIVE-Redakteurin Natalie Szallies erzählt uns, warum„Summer of Hate“ von Jörg Buttgereit ihr Hörspiel des Monats April ist. Susan Atkins war glühende Anhänge- rin des Hippie-Gurus Charles Manson. Sie sagte: „Charliewar fürmich Jesus und Satan in einer Person. Ichwar einKindGottes, ein Kind Satans.“ Am9. August 1969 töteten die Manson-Jünger neun Menschen, darunter die hochschwangere Schauspielerin Sha- ron Tate, Ehefrau des Regisseurs Roman Polański. ImWoodstock-Jahr 1969wurde in Los Angeles aus dem „Summer of Love“ ein „SummerofHate“. Soheißt auchdasHörspiel von Jörg Buttgereit. „Wirwolltenindie- sem ungewöhnlichen Stück diesen Wahn- sinn spürbar machen“, schildert Redakteu- rin und Dramatur- gin Natalie Szallies die Intention, „deshalb ist ‚Summer of Hate‘ KiRaKa. Radio für Kinder SO / 22. April / 14:05 – 15:00 WDR 5 und www.kiraka.de KiRaKa-Entdeckertag Phänomenta Lüdenscheid SO / 22. April / 11:00 – 18:00 Für die Workshops, empfohlen ab sieben Jahren, ist eine telefo- nische Anmeldung unter 02351/21532 erforderlich. nichtnurMusikderZeitindasHörspieleinge- baut, sondernauchMusikstücke vonCharles Manson,was, sodieRedakteurin, demHörer ein vollständigeres Bild des Sektenführers vermittelt. Durch die Art, wie Buttgereit das Hörspielproduzierthat,werdemanregelrecht hineingezogen. Und Szallies betont: „Es geht nichtdarum,umVerständniszuwerben.Hier wird eine Seite gezeigt, die so in der Öffent- lichkeit bisher nicht imVordergrund stand.“ „Summer of Hate“ taucht ein in die Zeit Ende der 1960er-Jahre und fragt, wie Charles Manson damals einen Nährboden für die Manipulation seiner Anhänger fin- den konnte. Eine davon war Susan Atkins, die später vor Gericht beschrieb, wie sie die umGnadeflehende SharonTateniederstach. Von der Mordnacht erzählt auch das Hör- spiel. Natalie Szallies: „Hier wird deutlich, in was für einem Rausch sich die Täter befan- den. Man bekommt eine Vorstellung davon, was Menschen im Irrglauben tun können.“ Katrin Pokahr Susan Atkins heiratete zweimal im Gefängnis. 2009 starb sie 61-jährig an einem Hirntumor. Foto: AP Redakteurin Natalie Szallies Foto: WDR/Anneck Kinder erleben jedes Jahr spannende Experimente, wie hier mit der Rauch- kringel-Maschine. Foto: WDR/Brill Summer of Hate Summer of Hate 1LIVE DO / 26. April / 23:00 forschernund Sternenkundlern ebenfalls nicht fehlen. In sei- nemWorkshop experimentiert er mit dem vielseitigsten Stoff derWelt: Plastik. UndwieRadio gemachtwird, erfahrendieMäd- chen und Jungen von 13.45 bis 15.00 Uhr, wenn Ralph Erden- berger die KiRaKa-Sendung moderiert, die live in WDR 5 und im KiRaKa zu hören ist. Chr istoph ist schon gespannt auf den Entdeckertag, denner ist zumerstenMal dabei. OberdieMausunddenElefanten mitbringt? Dazu nur so viel: „Ich bringe sie nicht mit, aber vielleicht kommen sie ja trotzdem.“ kp/EB Kommt die Maus zum KiRaKa-Entdeckertag? mein persönlicher Hörspieltipp für April.“ DerHintergrund:DasHörspielnähertsichden Ereignissen aus einer Perspektive, aus der sie nochnichtbetrachtetwurden:ausderSichtvon Susan Atkins. Szallies: „Erst nach Jahren im GefängnishatsiesichvonMansondistanziert.“ Autor und Regisseur Jörg Buttgereit hat Am 22. April ist wieder KiRaKa-Entdeckertag in Lü- denscheid. Zum ersten Mal dabei: Christoph aus der »Sendung mit der Maus«. Der grüne Pullover ist sein Markenzeichen: Chris- toph kommt zum KiRaKa- Entdeckertag! In der »Sen- dung mit der Maus« ist er oft derjenige, dem Sachen erklärt werden. Im Lüden- s che ide r Mus eum Phä- nomenta wird Christoph Biemann selbst spannende Versuche präsentieren. „Es werden Experimente zur Kraft der Luft und des Wassers sein, zur Kraft des Gehirns und der Vorstellungskraft“, verrät er vorab. Und auch sein Lieblings- experiment bringt er mit: „Das ist das, bei dem ein Ei mit Hilfe des Luftdrucks in eine Flasche befördert wird, in die es eigentlich nicht reinpasst.“ KiRaKa-Hexenmeister und WDR-Wissenschaftsredakteur JoachimHecker darf beimEntdeckertagnebenErfindern, Vulkan-

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