WDRprint April 2018

Unternehmen 21 20 Unternehmen Herr Buhrow, „Ich bringe die Liebe mit“, haben Sie 2013 bei Ihrer erstenWahl zum Intendanten gesagt. Welches Thema nehmen Sie mit in Ihre zweite Amtszeit? Es gilt weiter: DerWDR liegt mir amHerzen. Ich trete immer noch genauso leidenschaftlich für meinen Sender und unseren freien gemeinsamen Rundfunk in Deutschland ein wie 2013. Die Herausforderungen sind in den fünf Jahren seit meinerWahl aber noch größer geworden. Jetzt geht es umden öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Ganzes. Was heißt das konkret? Der WDR und die ARD stehen in der Öffentlichkeit unter einemLegitimationsdruck, der mit demAufkommen neuer Player amMedienmarkt wieNetflix, Amazon oder Dazn stärker wird. Bei all den – oft auch unsachlichen – Diskussionen, finde ich es aber richtig, dass wir uns immer wieder rechtfertigenmüssen. Schließ- lich finanziert uns die Gesellschaft nicht nur, sondern wir sind auch Teil dieser Gesellschaft. Hat der WDR an Akzeptanz verloren? Was unser Programman- geht: sicher nicht. Die große Mehrheit derMenschen schal- tet den WDR, das Erste und unsere Hörfunkwellen Tag für Tag ein und hält uns für unverzichtbar. Da steckt für mich ganz viel Wertschätzung drin. Eine Herausforderung ist, gerade jungen Menschen immer wieder klarzumachen, wofür ARD und ZDF stehen. Können Sie in drei Sätzen sagen, wofür der WDR steht? Der WDR steht für unabhängigen, verlässlichen Journalis- mus – aus NRW, aus Deutschland, aus der Welt. Der WDR gibt Kultur, Wissenschaft und Brauchtum eine Stimme. Der WDR bringt Menschen und Meinungen zusammen, er unterhält auch auf verschiedensteWeise. Wir sind nah amPublikumund bilden auch die ungeheure Vielfalt ab, die im Land steckt. Sie sind viel in Nordrhein-Westfalen unterwegs und sprechen mit den Menschen im Land. Wie ist Ihr Eindruck vom Rückhalt, den der WDR hat? Kann man da von Fans sprechen? Nehmen Sie die Konzerte unseres Sinfonieorchesters, die in der Regel ausverkauft sind. Oder den Literaturmarathon imKölner Funkhaus, den wir seit Jahren zur Lit.Cologne veranstalten. Im April sind wir mit 1LIVE eine Nacht in Mönchengladbach, und imHerbst werden wieder Zehntausende Kinder beim Türöffner- Tag der »Sendung mit der Maus« unterwegs sein. Wenn ich zu den zahlreichen Veranstaltungen desWDR rausgehe, dann kann man schon von Fans sprechen. Wie steht es um jüngere Fans des WDR Fernsehens? Das Durchschnittsalter liegt weiterhin bei 63 Jahren. Aber viel entscheidender ist doch: Erreicht das WDR Fernsehen mehr jüngere Menschen? Und ja, das tun wir – sofern man jüngere „Hinter allen Anstrengungen steht unsere Mission: Wir wol- len jeden Tag jedem Einzelnen etwas Wertvolles geben.“ Seine Wiederwahl fällt in schwierige Zeiten: Legitimations- druck, Sparzwang, Stellenabbau gehören zu den Herausforde- rungen, die der Intendant der größten ARD-Anstalt auch in seiner zweiten Amtszeit anpackt. Tom Buhrow im WDR print-Interview über seine Pläne, innovative Ideen und die Leidenschaft, mit der er nach wie vor für seinen Sender eintritt. Menschen nochmit linearem Fernsehen erreichen kann. Gerade unter den 35- bis 55-Jährigen haben wir 2017 Zuschauerinnen und Zuschauer gewonnen. Wie erreichen Sie noch ein jüngeres Publikum? Wir verbreiten zum Beispiel unsere Dokus seit Herbst auch über einen eigenen YouTube-Kanal – durchaus mit Erfolg. Einige Videos kommen inzwischen auf mehr als eine Million Abrufe. Oder nehmen Sie unsere Reihe »docupy«: Unsere »story«-Redak- tion hat das Thema Ungleichland fürs Fernsehen und fürs Netz aufbereitet. Das Video über Männer im Bundestag und deren Einstellung zu Sexismus erreichte vor allem junge Menschen im Social Web. Das sind nur kleine Beispiele, aber sie zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind. Gehören auch 360-Grad-Produktionen wie „Dom 360“, „Berlin. Paris. Terror.“ und „Inside Auschwitz“ dazu? Ja, die Innovationen im Bereich Virtual Reality gehö- ren in jedem Fall dazu. In diesem Jahr wird es zum Bei- spiel einen Schwerpunkt zum Thema „Bergwerk 360“ geben, denn das Ende des Bergbaus beschäftigt viele imLand.Wir werden dem Thema und den Menschen nicht nur imWDR Fernsehen und im Radio näherkommen – wir wollen dieses durchaus emotionale Thema erlebbar machen. Vor diesem Hintergrund: Was haben Sie sich für die kommenden fünf Jahre vorgenommen? Wir befinden uns mitten imUmbau zu einemcrossmedialen Medienhaus. Wir stellen Arbeitsprozesse auf den Kopf. Redakti- onen im Haus arbeiten viel stärker zusammen. Nächster Schritt auf diesemWeg ist der Newsroom, der 2019 starten wird. All das wird auch Innovation bringen und dieMarkeWDR stärken. Dazu müssen wir finanziell stabil sein. Hinter allen Anstrengungen steht unsereMission:Wir wollen jedenTag jedemEinzelnen etwas Wertvolles geben. Die Fragen stellte Svenja Siegert Die großeHerausforderung: Es geht umden öffentlich- rechtlichen Rundfunk als Ganzes. Tom Buhrow: „Eine Herausforderung ist, gerade den jungen Menschen immer wieder klarzumachen, wofür ARD und ZDF stehen.“ Foto: WDR/Sachs

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