WDRprint April 2018

23 22 Unternehmen Unternehmen deutscher Medien deutlich gestiegen Das ist das Ergebnis einer repräsenta- tiven Studie, die infratest dimap imAuftrag desWDR durchgeführt hat. Die Befragung zur Glaubwürdigkeit der Medien erfolgte in dieser Form nach 2015 und 2016 bereits zum dritten Mal. Im Vergleich zur Studie von 2016 stieg die Glaubwürdigkeit der deutschenMedienumacht Prozentpunkte, imVergleich zur Studie von 2015 sogar um 13 Prozentpunkte. Die höchste Glaubwür- digkeit wirdmit 82 Prozent demöffentlich- rechtlichen Radio zugeschrieben, dicht gefolgt vom öffentlich-rechtlichen Fern- sehen mit 77 Prozent. Soziale Medien weniger glaubwürdig 83 Prozent der Befragten halten den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für nicht verzichtbar. Auch Tageszeitungen werden von 70 Prozent der Befragten als glaubwür- dig eingeschätzt. Deutlich weniger glaub- würdig sehen die Befragten das Privatradio (41 Prozent) und Privatfernsehen (27 Pro- zent). Das Internet halten 30 Prozent der Befragten im Allgemeinen für glaubwür- dig. Von 75 Prozent werden die sozialen Medien wie Facebook dabei als „weniger glaubwürdig“ eingestuft. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen bleibt mit 36 Prozent die Hauptinformati- onsquelle rund um das politische Gesche- hen, es folgen Tageszeitungen mit 22 Pro- zent und das Internet imAllgemeinen mit 17 Prozent. „Berechtigte Kritik“ „Wir befinden uns nicht wie häufig dargestellt in einemAbwärtstrend, in dem das Vertrauen für die Medien kontinuier- lich schwindet. Im Gegenteil, imMoment geht es für alle Medien wieder etwas auf- wärts“, kommentiert WDR-Fernsehdirek- Mit 83 Prozent hält eine große Mehr- heit der Bürger den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für unver- zichtbar. Insgesamt ist die Glaubwürdigkeit der deutschen Medien erneut gestiegen: um acht auf 65 Prozent. Hauptinformationsquellen für das politische Geschehen öffentlich- rechtliches Fernsehen Tageszeitungen Internet im Allgemeinen Andere 36% 22% 17% Politische Einflussnahme auf die Berichterstattung der Medien 53% 40% Nein, glaube ich nicht Ja, glaube ich Ist der öffentlich-rechtlichen Rundfunk verzichtbar? 15% 83% nicht verzichtbar verzichtbar tor Jörg Schönenborn die Ergebnisse. Sie seien ein deutliches Signal dafür, dass das WDR-Publikum „regelrecht Vertrauensan- ker und verlässliche Quellen sucht“. Die Studie entstand im zeit- lichen Umfeld der „No Billag“- Init iat ive zur Abscha f f ung der Rundfunkgebühren in der Schweiz, die Anfang März schei- terte. 71, 6 Prozent der Bürger, die sich an der Volksabstimmung beteiligt hatten, votierten für die Beibehaltung der SRG und somit des öffentlich-rechtlichen Rund- funks. Damit sind aber die Stim- men der Kritiker, auch in Deutschland, nicht verstummt. „Die Diskussion über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Schweiz hat auch uns umgetrieben. Da ging es nicht um ein bisschen mehr oder weniger, sondern um die Grundsatz- frage“, betont Jörg Schönenborn. „Gerade jetzt müssen wir selbstbewusst vertreten, was wir leisten: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichenZusammenhalt und zum Funktionieren unserer Demokratie. Wenn 83 Prozent ihn für unverzichtbar halten, ist das eine Ermunterung, unsere Position sehr deutlich vorzutragen.“ Trotz dieser positiven Zahlen glauben nach wie vor 40 Prozent der Bürger, dass dendeutschenMedien von Staat undRegie- rung vorgegeben wird, worüber sie berich- ten sollen. So stecke in der Studie auch ein Auftrag. „Es gibt weiterhin Misstrauen und auch berechtigte Kritik an unserer Arbeit. Die Vermutung vieler Menschen, die Inhalte der Medien würden gelenkt, sogar vom Staat vorgegeben, kann uns nicht kalt lassen“, sagt der Fernsehdirektor. „Demkönnenwir nur begegnen, wennwir glaubwürdig einemöglichst große Breite an inhaltlichen Perspektiven und Themen in unseren Angeboten darstellen.“ Zwei Studien, unterschiedliche Zahlen Etwa zur selben Zeit veröffentlichte die Funke Mediengruppe eine Civey- Umfrage, die zu anderen Zahlen kam: Demnach sprachen sich nur rund 55 Pro- zent der Teilnehmer für die Beibehaltung WDR-Studie: GLAUBWÜRDIGKEIT des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus. Rund 39 Prozent gaben an, ARD und ZDF sollten abgeschafft werden; nach infratest- dimap sagtennur 15 Prozent, ARDund ZDF seien verzichtbar, 83 Prozent hal- ten sie für unverzichtbar. Wie kommen die unter- schiedlichen Zahlen zustande? „Die Studien lassen sich nur schwer vergleichen. Das fängt allein bei der Fragestellung an: Verzichten oder abschaffen sind zwei verschiedene Dinge. Ich schaffe eher etwas ab, als dass ich auf etwas verzichte“, erklärt WDR-Medienforscher ThomasWindgasse. Im Gegensatz zur WDR-Studie weise die Civey-Studie aber eine mangelnde Reprä- sentativität auf. Die Civey-Studie ist laut Windgasse eine reine Online-Befragung, bei der die Befragten „frei im Netz einge- sammelt werden“. Sie erreiche im Gegen- satz zu Telefonbefragungen ausschließlich Menschen, die im Internet unterwegs sind, und in der Regel Menschen, die sich unbe- dingt zu einembestimmten Thema äußern möchten. Eine Zufallsauswahl wie die per Telefon sei damit nicht möglich. Der Medi- enforscher: „Auf diesem Befragungsweg lassen sich aber zum Beispiel nicht alle Bevölkerungsgruppen erreichen, was für Verzerrungen sorgt.“ EB/mal „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein wichtiger Beitrag zum Funktionieren unserer Demokratie.“ „Selbstbewusst vertreten, was wir leisten.“ Fernsehdirektor Jörg Schönenborn Foto: WDR/Sachs

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