WDRprint April 2018

37 36 Medienmenschen Medienmenschen Manfred Jenke, von 1974 bis 1993 Hörfunkdirektor des WDR, starb am 4. März im Alter von 86 Jahren in sei- nerWahlheimat Berlin. Intendant Tom Buhrowwürdigte den Journalisten als „weitsichtigen Programm-Manager und leidenschaftlichen Kämpfer für dasQualitätsradio“.WolfgangSchmitz, langjähriger Wegbegleiter Jenkes und selbst Hörfunkdirektor von 2007 bis 2014, erinnert in seinem Nachruf an einen Perfektionisten und klugen Stra- tegen. Manfred Jenke, wer war das noch mal, werden jüngere Kollegen und Leser vielleicht fragen. Verständlich, denn sein Abschied aus dem Amt des WDR-Hör- funkdirektors liegt fast ein Vierteljahr- hundert zurück. Und trotzdem, manmag es angesichts der rasanten Medienent- wicklung kaum glauben, sind die Spuren von Manfred Jenkes klugem und voraus- schauendem Wirken auch im heutigen WDR-Radio noch sichtbar. 20 Jahre lang war Manfred Jenke Hörfunkdirektor. Mit Radioerfahrungen beim NDR und einer Vergangenheit bei der Zeitung trat er 1974 sein Amt an. Es gab dreiWellen, Informationund Bildung waren die Schwerpunkte bei WDR 1, Aktuelles bei WDR 2 und die Kultur res- sortierte bei WDR 3. Jenkes Handschrift Dass Radio sich gegen die Über- macht des Fernsehens als Tagesbegleiter profilieren musste, dass es neben einer zuverlässigen Informationswelle ein musikalisches Angebot für ältere Hörer geben sollte, dass die Menschen in den verschiedenen Regionen von NRW sich im Programm wiederfinden müssten, dass eine Welle sich gezielt an Jüngere wenden sollte, dass, kurz gesagt, Radio sich stets bewegen und entwickeln muss, wenn es erfolgreich bleiben will, diese Erkenntnis hat Manfred Jenkes Arbeit in hohemMaße ausgezeichnet. Und dabei hat er sich nicht nur auf seinen eigenen brillan- ten Verstand verlassen: Er hat imWDR die Medienforschung hoffähig gemacht. Die Regionalisierung, WDR 4, die Entwicklung von WDR 1 zur jüngeren Welle, alles das trägt die Handschrift von Manfred Jenke. Im Übrigen war er Perfektionist, las alles, vergaß nichts. Kannte alle Sendungen mit ihren genauen Anfangszeiten und wusste im Zweifel aus dem Stand, welche Frequenzen das WDR- Als vielseitiger Charakterdarsteller machte sich Ludwig Haas nicht nur auf der Bühne einen Namen. Der gebürtige Eutiner blickt auf eine internationale Filmkarriere zurück. Im ganzen Land bekannt wurde er mit seiner Rolle des Dr. Ludwig Dressler aus der »Linden- straße«. Am16. April wirdHaas 85 Jahre alt. Ein Geburtstagsgruß von Hans W. Geißendörfer, Regisseur und Produzent der ersten deutschen Weekly. Wir standen kurz vorm ersten Dreh- tag 1985, das Ensemble war komplett, bis auf einen: Dr. Dressler. Trotz intensivem Casting im gesamten deutschsprachi- gen Raum habe ich den Schauspieler, der „mein“ Dr. Dressler werden könnte, nicht gefunden. Und dann stand Ludwig Haas etwas verloren im langen Korridor der »Lindenstraße«-Studios in Köln-Bockle- münd und suchte nach den Toiletten. Eine Aktentasche in der Rechten, mit der Lin- Kluger Kämpfer für das Qualitätsradio Ludwig Haas wird 85 „Glückwunsch, lieber Ludwig!“ Radio am Teutoburger Wald nutzte. Und er war ein geschickter Stratege: Zu seinen Meisterleistungen gehörte die Sicherung der von der privaten Konkurrenz heiß begehrten Frequenzkette zugunsten von WDR 5, auf der dann zunächst die regio- nalen Magazine und die Fremdsprachen- sendungen beheimatet wurden. Heute profitiert das Wortprogramm WDR 5 von diesem frequenzpolitischen Coup. Eine Entscheidung, die ihn umtrieb Ich habe Manfred Jenke als junger Kollege kennengelernt, weil ich als Mitar- beiter der »Radiothek« meinen Arbeits- platz gleich in Rufweite des Direktoren- Büros oben im Funkhaus hatte. Die Sendung war von Anfang an umstritten, und der Direktor tauchte sehr regelmäßig in der Redaktion auf. Nicht, das war ihm wichtig, um sich mit Ge- oder Verboten einzumischen. Er stellte Fragen, wollte sicher gehen, dass wir in unseren kriti- schen Beiträgen auf festemEis unterwegs waren. Ich habe damals viel von ihmüber journalistische Sorgfalt gelernt. Undmich dann Jahre später sehr geärgert, als das erfolgreichste junge Magazin dem poli- tischen Druck geopfert wurde. Ich weiß, dass diese Entscheidung Jenke noch Jahre nach seinem Ausscheiden umgetrieben hat. Respekt! Das entscheidende Kriterium Respekt auch dafür, dass Manfred Jenke bei allem, was er fürs Radio getan hat, um es auf der Erfolgsspur zu halten, stets imAuge hatte, dass öffentlich-recht- licher Rundfunk bei aller kommerziel- len Konkurrenz in seinen Programmen unterscheidbar bleiben muss und unab- hängig, dass es ohne umfassende, seriöse Informationsangebote, ohne einen rele- vanten Beitrag zu Kultur und Bildung seine Legitimation verliert. Das hat mich geprägt und viele andere, diemitManfred Jenke arbeiten durften. Ludwig Haas gehört zum »Lindenstraßen«-Ensemble der ersten Stunde: Er spielt die Rolle des querschnittsgelähmten Dr. Ludwig Dressler. Foto: WDR/Mahner Das Bild zeigt Manfred Jenke 1993 vor dem Kölner WDR- Funkhaus am Wallrafplatz. Foto: WDR/ Bockemühl ken den geöffnetenMantel zuhaltend ging er grußlos an mir vorbei. Ich wartete auf seine Rückkehr und sprach ihn an. „Dr. Dressler“? Er guckte etwas irritiert und meinte, Ludwig Haas wäre sein Name. „Aber Sie sind Schauspieler?“ Er nickte. „Dann sind Sie mein Dr. Dressler!“ Ludwig war in Köln in anderer Sache und konnte sein Glück nicht glauben, dass aus dem einmaligen Köln-Besuch vielleicht ein Daueraufenthalt wird. Dass Herr Haas den gleichen Vornamen „Ludwig“ hatte, hat zwar die Entscheidung nicht beein- flusst, aber irgendwie bestätigt. Den Rest kenn Sie, lieber Leser. Noch heute ist Ludwig unser Dr. Dressler, ohne Wenn und Aber, immer voller Wahrheit, weise, erfahren und immer auch ein biss- chen der Strippenzieher im Hintergrund. Wir können ihm nur danken für seine Treue und wünschen, dass er noch lange Dr. Ludwig Dressler bleiben wird. Herzli- chen Glückwunsch, lieber Ludwig! Wolfgang Schmitz begann seine WDR-Karriere als Autor beim Fernsehen. Als Radiomann wurde er vor allem bekannt durch die Mode- ration legendärer WDR 2-Sendungen wie der »Radiothek«, »Daheim und Unterwegs« und gelegentlich auch »Hallo Ü-Wagen«. 1997 übernahm der gebürtige Solinger die Leitung von WDR 5 sowie die Programm- verantwortung für WDR Funkhaus Eu­ ropa. 2007 wählte der Rundfunkrat ihn zum Hörfunkdirektor. Das Amt hatte er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2014 inne. Foto: WDR/Görgen

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