WDRprint April 2018

39 38 Berufsbilder Einer von uns: STEPHAN REHBERG Versteht sich als Vermittler zwischen Machern und Publikum: Programmplaner Stephan Rehberg Foto: WDR/Dahmen Dieser Tag Mitte März beginnt für ihn nicht wie jeder andere: Auf demWeg zurArbeit erreicht Stephan Rehberg die Nachricht, dass Wissen- schaftsstar Stephen Hawking gestorben ist. „Ich war noch nicht ganz in meinem Büro, da fragten mich schon die ersten Kollegen, wie ihn der WDR würdigen sollte.“ Rehbergmuss in den folgenden Stunden eine Antwort auf die Frage finden. Sofort kontaktiert er die entsprechenden Redaktionen. Ansprechpartner Nr. 1: Cam- pusWissenschaft. Dort erfährt er, dass ein Aufsager mit Wis- senschaftsjournalist Ranga Yogeshwar für die »Aktuelle Stunde« und »WDR aktuell« produziert wird. Ein Portrait, das aktualisiert werden soll, kann die Redaktion ebenfalls zusagen. Rehberg steht zudemmit der ARD-Planung inKontakt. „Auch das ist meine Aufgabe: der Austauschmit der Programmdirektion des Ersten zu Planungen in unseremGemeinschaftsprogramm.“ Mehr Möglichkeiten für die Programmplaner Das Hawking-Portrait läuft zunächst nicht als Einzelsen- dung imRegelprogramm, sondern findet Einsatz in der Nachmit- tagsstrecke von »Hier und heute« im Rahmen eines Talks. Den Zuschauern vonARDundWDRwird es über dieMediatheken zur Verfügung gestellt. Also keine Programmänderung imTagespro- grammund zur Primetime. Sein Job scheint in Zeiten der digitalen Medien vielfältiger geworden zu sein. Rehberg: „Die Möglichkei- ten, unsere ‚Nutzer‘ zu erreichen, sind reicher geworden.“ Um 0.55 Uhr ist der Film dann imWDR Fernsehen zu sehen. Mit großemErfolg, so der Programmplaner: „Der Beitrag erzielte bei den jüngeren Zuschauern eineQuote vonmehr als sieben Prozent.“ Seine Arbeit ist von der Spannung zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit geprägt, sagt Rehberg. Üblicherweise kann seine Abteilung „Strategie und Channelmanagement“ allerdings in längeren Zeitabschnitten planen als an Tagenwie diesen. ImApril dieses Jahres finden die Etatgespräche für 2019 statt. „Wir werfen jetzt den erstenBlick auf das kommende Jahr“, erklärt Rehberg. Die Planungen orientieren sich am Programmschema, das von Fern- sehdirektion und Rundfunkrat beschlossen wurde und in seiner Grundformseit 2017 gilt. Auf dieser Basis werden die sogenannten „Mengengerüste“ besprochen. Rehberg erklärt das amBeispiel von »Markt«: „Wir schauen, wie vieleMittwochabende 2019 von Feier- tagen und Sonderprogrammen wie beispielsweise dem Sommer- sonderprogramm betroffen sind.“ Der gelernte Betriebswirt weiß auch um die Kosten für die verschiedenen Produktionen. „Ein Abgleich von Bedarf und Produktionsmöglichkeiten, Kapazitäten und Ressourcenmuss erfolgen. Ein gutes Maß an Erstsendungen und Wiederholungen ist für den Sendeplatz entscheidend“, erklärt er. Der WDR sendet 24 Stunden täglich, 365 Tage im Jahr, denn „Schwarzbild senden geht schließlich nicht.“ Programmplanung ist kein Hexenwerk. Die Erkenntnisse derMedienforscher, Erfahrung und der Austausch mit dem Publikum und den Redakti- onen gehören zu Rehbergs Handwerkszeug. Er versteht sich als Vermittler zwischen Machern und Zuschauern. „Ich habe nicht ausschließlich den einzelnenSendeplatz imFokus, sondern: Wie wird der Sender als Ganzes wahrgenommen, und wie fügen sich die ‚Teile‘ zusammen?“ Sein Auftrag: Zuschauerbindung. Sein Ziel: Das Publikum soll sich ernst und wahrgenommen, soll sich zu Hause fühlen, wenn es das WDR Fernsehen einschaltet. Das lineare Fernsehen, so Rehberg, lebt auch davon, dass es Rituale bedient. Der Montagabend beispielsweise ist seit lan- gem besonders regional geprägt, da zeigt der WDR gerne seine »Unterwegs imWesten«-Reportagen oder auch Serienmit NRW- Charakter. So denkt Rehberg nicht in Sendungen, sondern in Programmflächen: „Wir wollen eine bestimmte Programmfarbe an bestimmten Tagen auch zuverlässig anbieten“, sagt er. Wer es schafft, dass der Zuschauer über lange Strecken interessiert dranbleibt, hat den perfekten Audienceflow kreiert. Und das funktioniert am besten, wenn nicht überraschende Ereignisse dazwischenkommen ... Über zehn Jahre hat der 43-jährige Erfurter beimMDR KiKA geplant, seit vier Jahren arbeitet er beim WDR. Als Rehberg sein derzeitiges Büro bezog, fand er einEinstein-Zitat vor, das ihmseine Vorgängerin hinterlassen hatte: „Planung ersetzt den Zufall durch Irrtum!“ Das Kuriose: Genau diese Mahnung hatte Rehberg sich vor Jahren schon mal selbst ins Büro gehängt. Ute Riechert Mord und Totschlag auf allen Kanälen. Noch eine Arztserie? Und warum läuft diese Doku so spät? Beschwerden über das Programm sind so alt wie das Fernsehen selbst. Stephan Rehberg (43), Programmplaner beim WDR Fernsehen, weiß, welchen Notwendigkeiten seine Arbeit unterliegt. Wie werde ich Programmplaner beim WDR Fernsehen? Eine gute Programmplanerin oder ein guter Pro- grammplaner hat zwei Ziele: neue Zuschauer zu gewinnen und die Zuschauer, die schon eingeschal- tet haben, im Programm zu halten. Dafür müssen sie die Zuschauerinnen und Zuschauer kennen, verste- hen und wertschätzen. Sie müssen gut koordinieren können, um aus den vielen guten Angeboten der Redaktionen das beste Programm für unser Publi- kum zusammenzustellen und für einen optimalen Audienceflow zu sorgen. Hilfreich dafür sind ein Fach- oder medienwissenschaftliches Studium und eine journalistische Ausbildung. Ingmar Cario, Leiter Abteilung Strategie und Channelmanagement Foto:WDR/Meiers

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