WDRprint Mai/2018

19 18 DIGITALE MÜLL ABFUHR Eine internationale WDR-Koproduk­ tion sorgt zurzeit auf Festivals welt- weit für Furore. Am 17. Mai kommt der investigative Dokumentarfilm nach seiner Deutschlandpremiere in München in die deutschen Kinos: „The Cleaners“. Jede Minute werden 500 Stunden Video auf Youtube hochgeladen, 450.000 Tweets abgesetzt, 2,5 Millionen Beiträge auf Facebook gepostet. Aber wer sorgt dafür, dass das Netz dabei nicht mit Kin- derpornografie, Foltervideos oder ande- ren Scheußlichkeiten geflutet wird? Der vom WDR koproduzierte Dokumentar- film „The Cleaners“ führt in die Schat- tenwelt von Billiglohn-ArbeiterInnen auf den Philippinen, die sichten und löschen, was wir nicht sehen wollen oder sollen. „Delete, delete, ignore, delete, ignore ...“ – in ein bis zwei Sekunden ent- scheiden die Content Moderators philippi- nischer Dienstleistungsunternehmen, ob ein Bild von einer Social-Media-Plattform gelöscht wird. Ihre Vorgabe: 25.000 Bil- der pro Tag nach einem verinnerlichten Kriterienkatalog der Auftraggeber zu che- cken. „Ich habe Hunderte von Enthaup- tungen gesehen“, erzählt ein Mitarbeiter, der Bilder und Videos sichtet, die von terroristischen Organisationen gepostet wurden. Für die Betreiber der sozialen Netzwerke ist das Problem gelöst, sobald diese gelöscht sind. Aber viele der meist noch jungen „Cleaners“ werden die Bilder nicht mehr los, sie leiden unter posttrau- matischen Belastungsstörungen. Es ist ihnen jedoch vertraglich verboten, über ihre Arbeit zu sprechen. Eine junge Frau geht über eine Müll- halde in den Slums von Manila, wo Men- schen nach verwertbaren Zivilisationsres- tenwühlen.Wenn sie nicht fleißig lerne, so habe ihreMutter sie immer gewarnt, dann werde sie genau so enden. Sie hat fleißig gelernt. Heute wühlt sie täglich im digi- talen Müll, muss sich Videos ansehen, in denen Kinder vergewaltigt werden. Was sie dabei verdient, reicht gerade so zum Überleben. „The Cleaners“ ist ein investigativer Dokumentarfilm, er dringt in eine Welt vor, die bis dahinweitestgehend unbekannt war. Er lässt die Menschen zu Wort kom- men, die für uns die Drecksarbeit machen und fragt, was das mit ihnen macht. „Er stellt aber auch die Frage: Wo hört Schutz auf und fängt Zensur an? ➔

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