WDRprint Mai/2018

33 32 Hörspiel TYLL „Das Jahr der Revolutionen“ – Das WDR- Hörspiel erinnert 2018 an große historische Umwälzungen: die Bauernkriege im 16. Jahrhundert, die Französische Revoluti- on, die 68er-Bewegung. Mit der Adaption von Daniel Kehlmanns Roman „Tyll“ und einem beeindruckenden Cast versetzen die Hörspielmacher das Publikum in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Bei denVerhandlungen zumWestfäli- schenFrieden trifft die alte ElisabethStuart, ehemals Königin von Böhmen, ihren frü- herenHofnarr Tyll Ulenspiegel wieder und macht ihmeinAngebot. Die Schauspielerin Bettina Engelhardt leiht ihr ihre Stimme: „Willst du mitkommen? Ich gebe dir ein warmes Zimmer, undHunger sollst du auch nicht leiden. Auch wenn du einmal nicht mehr auftreten kannst.“ Auch Tyll ist alt geworden, seine Stimme ist die des Schau- spielers Lars Rudolph. Er überlegt: „Willst mir Gnadenbrot geben, kleine Liz? Eine tägliche Suppe und eine dicke Decke und warme Pantoffeln, bis ich friedlich sterbe?“ Er hatte eigentlich beschlossen, nicht zu sterben –Tyll Ulenspiegel, der rätselhafte Gaukler und Geschichtenerzähler. Er zieht während desDreißigjährigenKrieges durch das Land und begegnet vielen kleinen Leu- ten und auch einigen sogenannten Gro- ßen. Ihre Schicksale und Geschichten sind verbunden durch die Figur Tyll im gleich- namigen Roman des Erfolgsautors Daniel Kehlmann, aus dem derWDR einmehrtei- liges Hörspiel produziert. Sendetermin: ab 21. Mai. Zum Start am Pfingstmontag läuft die Doppelfolge „Herr der Luft“ mit dem zwölfjährigen Tyll. Der Zweite Prager Fens- tersturz undder BeginndesDreißigjährigen Krieges vor 400 Jahren werden in Folge 4 thematisiert. „Das war ein Kampf, keine Frage!“ Regisseur ist Alexander Schuhmacher, erfahrener und preisgekrönter Hörspielma- cher. Er hat das rund 500 Seitenumfassende Kehlmann-Buch in eine Hörspielfassung gebracht und stellt rückblickend schmun- zelnd fest: „Daswar einKampf, keineFrage!“ „Kehlmann hat unglaublich geschickt viele dünne Fäden durch sein Buch gesponnen“, sagt der Redakteur des Hörspiels Thomas Leutzbach, „unddieses Filigranewolltenwir in jedem Fall im Hörspiel erhalten.“ Eine Herausforderung! Der Regisseur: „Es gibt so viele Geschichten und handelnde Perso- nen imBuch, die an verschiedenenPunkten immer wieder vorkommen.“ Da ist zum Beispiel der Weltgelehrte Athanasius Kircher, der im Verlauf des Buches wiederholt auftaucht: bei der Hin- richtung von Tylls Vater, in einer Erinne- rung von Tyll, als er in einerMine verschüt- tet ist, und bei der Jagd nach dem letzten Drachen Holsteins. „Hätte man zwei die- ser Knotenpunkte gestrichen, würde die Struktur nichtmehr funktionieren“, erklärt Schuhmacher. Gemeinsam mit Tyll begegnen die Hörerinnen und Hörer dem Dichternach- fahren Martin von Wolkenstein, der so gerne den Krieg kennenlernen möchte, dem dichtenden Arzt Fleming sowie dem Winterkönig Friedrich von Böhmen und seiner Frau Elisabeth Stuart, einst Auslöser des scheinbar endlosen Krieges, und vielen anderen. Viele bekannte Schauspieler Für Alexander Schuhmacher ist es nicht das erste Mal, dass er aus einem Kehlmann-Buch ein Hörspiel macht. Er bearbeitete unter anderem Kehlmanns großen Erfolg „Die Vermessung der Welt“ – und beeindruckte mit der Umsetzung auch den Autor selbst. Durch die Arbeit an diesen epischen Werken sammele er vor allemErfahrung und Fachkenntnis für seinHandwerk, das Hörspielmachen, sagt Schuhmacher: „Man lernt, mit den kom- plexen Strukturen und der Größe solcher Werke umzugehen – und man lernt, dabei nicht zu verzweifeln.“ Über 50 Schauspieler und Sprecher wirken imHörspiel mit, darunter bekannte Stimmen wie jene von Lars Rudolph (Tyll), Gustav Peter Wöhler (Graf von Wolken- stein), Sylvester Groth (Schwedenkönig Gustav Adolf) und JensWawrczeck (Atha- nasius Kircher). „Von den Darstellern ver- langt so ein Stück große Flexibilität“, so der Regisseur. Denn jene, die immer wieder vorkommen, müssen entsprechend des jeweiligen Alters ihrer Rolle sprechen. Und das wechselt ständig hin und her, da das Buch nicht chronologisch vorgeht und einen sehr langen Zeitraum umfasst. DerTodisteinwiederkehrendesThema, nicht nur aufgrund des Elends der Zeit, son- dern auch wegen Tyll, der entschlossen ist, nicht zu sterben. „Ein spannender Kniff im Roman“, sagt Redakteur Leutzbach, „denn Kehlmann versetzt die eigentlich mittelal- terliche Figur des Tyll Ulenspiegel ja in die frühe Neuzeit – und spielt so auch mit der Frage, ob Tyll weiterlebt.“ Der alte Gaukler und der Tod Und so sagt imHörspiel Tyll zur alten Elisabeth Stuart: „Aberweißt du, was besser ist? Noch besser als friedlich sterben?“ „Sag esmir!“, fordert die ehemaligeKönigin. Und der alte Gaukler antwortet: „Nicht sterben, kleine Liz. Das ist viel besser!“ Und dazu klingeln die Glöckchen an seiner Kappe. Katrin Pokahr Lars Rudolph (l.) spielt den Gaukler Tyll Ulenspiegel – in jedem Lebensalter. Sylvester Groth (Mitte.) spricht den Schwedenkönig Gustav Adolf, eine der wichtigsten Figuren des Dreißigjährigen Krieges. Jakob Diehl (r.) verleiht König Friedrich Stimme, der am Vorabend des Krieges die böhmische Krone annimmt und sich somit gegen den Kaiser stellt. Fotos: Schuhmann Regisseur Alexander Schuhmacher Tyll Teil 1 und 2 Teil 3 Di / 22. Mai / 19:04 – 19:35 Teil 4 Mi / 23. Mai / 19:04 – 19:35 Teil 5 Do / 24. Mai / 19:04 – 19:35 Teil 6 Mo / 28. Mai / 19:04 – 19:35 Teil 7 DI / 29. Mai / 19:04 – 19:35 Teil 8 MI / 30. Mai / 19:04 – 19:35 Nach der Sendung kostenloser Down- load unter www.hoerspiel.wdr.de WDR 3 MO / 21. Mai / 19:04 – 20:00

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