WDRprint Mai/2018

45 Ausland 44 Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Der WDR gedenkt dieses Ereignisses, das die Nachkriegsgeschichte wie kaum ein zweites prägte, mit einem umfangreichen Programm. Den Auftakt bildet der Dokumentar- film „Israel – Geschichte einer Staatsgründung“ vonWilliam Karel und Blanche Finger. Der österreich-ungarische Schriftstel- ler, Publizist und Journalist Theodor Herzl war es, der 1896 mit dem Buch „Der Juden- staat“ und kurz darauf mit der Gründung der „Zionistischen Weltorganisation“ den Traum in die Welt setzte: Vor demHinter- grund des erstarkenden Antisemitismus in Europa forderte er einen Staat für das Volk Israel in Palästina, das damals noch zum Osmanischen Reich gehörte. David Ben-Gurion stand deshalb unter einem Porträt Herzls, als er 52 Jahre später im alten Museum von Tel Aviv die Unab- hängigkeitserklärung Israels verlas. Zwi- schen der Geburt des Traums und seiner Verwirklichung lagen zwei Weltkriege und der Massenmord an sechs Millionen europäischen Juden. Für die Gründerinnen und Gründer des Staates Israel bedeutete dies nichts weniger als das Ende einer fast 2000 Jahre dauernden Diaspora. Kriegserklärung inderGründungsnacht Seit 1922 hatte die Region unter briti- schem Mandat gestanden. 1947 beschloss die UN-Vollversammlung unter dem Eindruck des Holocausts die Teilung Palästinas: Den 1,3 Millionen arabisch- palästinensischen Bewohnern wurden 43 Prozent des Gebiets zugesprochen, den gut 600.000 Juden 53 Prozent. Jerusalem sollte für Juden, Muslime und Christen eine neutrale Enklave bleiben. Noch in der Gründungsnacht erklärten Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien dem jungen Staat den Krieg. Im Morgengrauen fielen die ersten Bom- ben auf Tel Aviv. In den darauf folgenden 15 Monaten verteidigte die schon vor Staats- gründung aufgebaute Armee nicht nur das Israel per UN-Beschluss zustehende Staats- gebiet, sondern erweiterte es um etwa 50 Prozent. Flucht und Vertreibung der ara- bischen Bevölkerung waren die Folge. Die Geburtsstunde Israels heißt auf arabisch Nakba, die Katastrophe. „Bis heute ist das frühere Palästina eine offene Wunde, ein umkämpftes Land zwischen zwei Völkern, eine Quelle unauflöslicher Spannungen in der Region und weit über den Nahen Osten hinaus“, sagt Beate Schlanstein, WDR-Redakteurin für Dokumentationen aus dem Bereich Geschichte und Zeitgeschichte. Die immer neuen aktuellenNachrichten vomKonflikt 70 Jahre Israel Israel – Geschichte einer Staatsgründung Israel – Geburt eines Staates Das Erste MO / 7. Mai / 23:30 – 0:15 »WestART« Themenschwerpunkt Israel Bethlehem – Wenn der Feind dein bester Freund ist »Tiefenblick« Juden und Judentum Vierteilige Reihe »WDR 3 Kulturfeature« Der Zionistische Traum – Das Ende einer Illusion Land zwischen allen Fronten – Der »WDR 5 Thementag«: 70 Jahren Israel »Dok 5 – Das Feature« DemHimmel so nah-ost – Ein akustischesHimmelfahrtskommando SO / 20. Mai / 11:05 – 12:00 WDR FERNSEHEN MO / 14. Mai / 23:20 – 1:00 WDR FERNSEHEN MO / 14. Mai / 22.40 – 23:20 WDR FERNSEHEN MI / 16. Mai / 22:55 – 0:25 WDR 3 SA / 12. Mai / 12:04 – 13:00 WDR 5 MO / 14. Mai WDR 5 SO / 6. bis 27. Mai / 8:05 – 8:35 im Nahen Osten hätten den Blick auf die Anfänge weitgehend verstellt. Der Film „Israel – Geschichte eines Staates“ erzählt von den frühen Weichenstellungen, die Israelis und Palästinenser in die Situation brachten, in der sie sich heute befinden. Unterschiedliche Perspektiven DieDokumentationmachtGeschichte auf der Basis umfangreichenArchivmateri- als aus unterschiedlichsten Quellen sowie der Erinnerungen und Einschätzungen israelischer und palästinensischer Zeitzeu- gen, Historiker und Publizisten lebendig. Der Filmwirft einen Blick auf die Situation der arabischen und jüdischen Bevölkerung in Palästina vor 1947 und fragt, wie die Kräfte und Interessen im britischen Man- datsgebiet verteilt waren. Die AutorenWil- liam Karel und Blanche Finger zeigen die Perspektive der Holocaust-Überlebenden, die nach langen Jahren des Leidens in Palästina eine Heimat finden wollten. Sie geben aber auch der Perspektive der arabi- schen Bevölkerung Raum, der nach und nach klar wurde, dass auf die Vertreibung von 1948 keine Rückkehr in ihre Heimat folgen würde. Karel, 1940 in Tunesien geboren, lebte von 1971 bis 1981 in einem israelischenKib- buz. Der heute in Frankreich lebende Foto- 70 Jahre Israel ERFÜLLTER TRAUM UNDOFFENEWUNDE graf, Autor und Regisseur wurde für seine Mockumentary „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Gemeinsam mit seiner Frau Blanche Finger realisierte er zum 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung die achtteilige Dokumentarserie „Die Wahr- heit über den Holocaust“, für den es einen Emmy-Award gab. DerWDR sendet „Israel –Geschichte eines Staates“ in der 90-Minu- ten-Version am 16. Mai. Eine 60-Minu- ten-Fassung strahlt Das Erste bereits am 7. Mai aus. Christine Schilha David Ben-Gurion verliest die Unabhängigkeits­ erklärung Israels, zu dessen erstem Minister­ präsidenten er 1949 gewählt werden wird. Foto: Robert Capa © ICP/Magnum Photos/Agentur Focus Am 14. Mai, dem Tag der Unabhängigkeit, feiern die Israelis ausgelassen und farbenfroh, wie hier am Strand von Tel Aviv. Foto: imago/Xinhua

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ3NzI=