WDRprint Mai/2018

47 46 Neue Medien Medienmenschen Zweimal täglich Nachrichten via App aufs Handy? DerWhatsApp-Service der »Lokalzeit Ruhr« und »Lokalzeit Bergi- sches Land« macht‘s möglich. Warnstreiks im öffentlichen Dienst, schwerer Verkehrsunfall auf der A44, Auf- nahmestopp bei der Essener Tafel oder Geschichten vom Eisbärbaby im Gelsenkir- chenerZoo–dieNachrichtendichte imRuhr- gebiet ist riesig.DiemeistenMenschen inder Regionwollenwissen,was tagtäglichinihrer Heimat passiert. Und viele wollen die neues- tenInformationenan jedemOrt, zu jederZeit mobil auf dem Smartphone erhalten. Genau diesenNerv scheint dasWDR-Landesstudio Essengetroffenzuhaben.Knapp6500Nutzer habensichbei derneuenWhatsApp-Gruppe der »Lokalzeit Ruhr« angemeldet – in nicht einmal sechsWochen. Dabei hatte das Team um den stellvertretenden Studioleiter Ralf Becker eher vorsichtig die Marke von rund 2000NutzernfürdiedreimonatigePilotphase anvisiert. „Aber schon amzweitenTag hatten wir dieseZahl erreicht“, berichtetRalf Becker. „Dieser Service macht echt Spaß“ Unter FederführungderWDR-Arbeits- gemeinschaft WhatsApp mit Käthe Day, Leiterin der Programmgruppe Landesstu- dios an der Spitze, startete Anfang März das Pilotprojekt indenLandesstudiosWup- pertal und Essen, zwei völlig unterschiedli- chen Berichtsgebieten. Das lässt sich auch an Zahlen festmachen: Im weniger dicht besiedeltenEinzugsgebiet des StudiosWup- pertal hattennachderHälfte der Pilotphase rund 3000 Nutzer den WhatsApp-Service abonniert, wobei dieRedaktioneinenetwas anderen Ansatz verfolgte. „Wir wollen mit den Usern kommunizieren, in regelmäßi- gem Austausch bleiben“, sagt Redakteur MartinMeuthen. „Unddas funktioniert bis- lang sehr gut.“ Auch in Essen steht Whats- App derzeit ganz oben auf der Agenda. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wiewir uns künftig medienübergreifend noch besser aufstellen können“, sagt Ralf Becker. Zwei bis drei Mitteilungen pro Tag werden versendet, wenn sie aktuell und relevant sind. Eine bis kurz vor 10Uhr, eine bis spätestens 18Uhr, kleineHäppchen von den Best of-Themen des Tages. Dazu gehört die wichtigste Nachricht, die schönste Geschichte oder das interessanteste Video. Eine optimale Mischung, was auch die auf- munternden Kommentare belegen: „Sehr informativ, was die Anzahl und Auswahl der Nachrichten betrifft.“ Und: „Dieser Service macht echt Spaß! Tolle Idee. Finde es super, dass die Nachrichten nicht jede Stunde kommen. So nervt es nicht.“ DergroßeVorteilderWhatsApp-Gruppe für die »Lokalzeit«-Teams: Die Redaktionen sind nah dran an denMenschen und überall da, wo auch die Nutzer sind. „Die große Ver- breitung macht den großen Unterschied zu den anderen Medien aus“, weiß Ralf Becker. „Fast alle haben heute WhatsApp – die Oma wie ihr Enkel.“ „Wir bekommen manchmal auch Tipps für Recherchethemen“, berichtet Lokale News via WhatsApp Redakteurin Pia Bierschbach. Die Pilotphase läuft noch bis Anfang Juni. Im Landesstudio Essen suchen die Onliner die persönliche und direkte Ansprache, duzen den User, begegnen ihm auf Augenhöhe. In einem zweiten Schritt könnte nach erfolgreicher Pilotphase der Dialogmit demNutzer ermöglicht werden – wie ineiner „normalen“WhatsApp-Gruppe. Beispielsweise inklusive demAufruf: Schi- cken Sie uns Fotos und Videos zumWarn- streik im öffentlichen Dienst ... Christian Schyma Redakteurin Pia Bierschbach hat die Homepage der »Lokalzeit Ruhr« angeklickt. Hier kann man sich mit seiner Handynummer registrieren. Fotos: WDR/Zanettini Das WhatsApp-Team der »Lokal- zeit Ruhr«: Sebastian Wehner, Claudia Sawitzki, Pia Biersch- bach, Wolfram Zbikowski und Bileam Bader. Hier können Sie sich anmelden: www.wdr.de/k/lokalzeit-ruhr www.wdr.de/k/lokalzeit-bergischesland Weltbürger Carl Weiss, in den 1980er-Jahren Stu- dioleiter der ARD in Brüssel, hat als Korrespondent über Jahrzehnte die Auslandsberichterstattung von ARD und ZDF geprägt. Am 3. April starb der Journalist 92-jährig in München. Ein Nachruf von Wolfgang Klein, sei- nem Nachfolger in Brüssel. Mein Gott, konnte der Kerl formu- lieren: In seiner ganz eigenen, knappen, kühnen und überraschenden Charlie- Weiss-Art. Hätte ein Anderer seine Texte zu sprechen versucht, wäre das als Desaster empfundenworden. Es brauchte seine Stimme und seinen Auftritt: maß- geschneidert dieAnzüge, extravagant die Hemden, Krawatten und Einstecktüch- lein. Es brauchte seine warmherzigen und neugierigenAugen, den spöttischen Mund. Und die Aura des Weltbürgers. Wer wie er in den 1960er-Jahren aus Ostasienundüber denVietnamkrieg berichtete, aus Washington und London, alles für das damals neue ZDF, hatte diese Au r a s chne l l . Aber kaumeinem war sie so auf Leib und Seele maßgeschneidert wie ihm. 1978 wechselte er zum WDR, wurde ARD-Koordinator Politik, fünf Jahre später Leiter des ARD-Studios in Brüssel. Da war er mein Vorgänger. Es machte ungewöhnlich viel Spaß, mit ihm zu arbeiten, weil er immer Spaß hatte – an den Menschen, den Themen und den Möglichkeiten, die das Leben so bot. Er hat sie alle genutzt. Von Brüs- sel ging er 1988 in den Ruhestand, nach München. Und hat weitere 30 Jahre lang das Leben lieben dürfen. Als die Beine nicht mehr funktionierten, ließ er sich gern im Rollstuhl in seine Lieblings- restaurants schieben, geistig fit bis zum letzten Tag, demOstermontag 2018. Carl Emmerich „Charlie“ Weiss ist 92 Jahre alt geworden. Sie spricht nie, und doch steht sie für eine „interessante, verständliche und spannende Vermittlung selbst komple- xer Sachverhalte“. Deshalb wurde die WDR-Maus und mit ihr das gesamte Team der »Sendung mit der Maus« Anfang April in Wiesba- den mit demMedienpreis für Sprachkul- tur der Gesellschaft für deutsche Sprache ausgezeichnet. Zudem diene die Kinder- Der Stifter des Grimme-Preises, der Deut- sche Volkshochschulverband, hat im Ap- ril in Marl die Besondere Ehrung gleich an drei Persönlichkeiten vergeben, die den Fernsehjournalismus in „herausragender Wei- se geprägt haben“: Inge von Bönninghausen, von 1974 bis 1999 Redakteurin beim WDR, Kultur- und Wissenschaftsjournalist Gert Scobel (3sat) und den österreichischen Journa- listen ArminWolf (ORF). Mit den Preisträgern und ihrem journalistischen Wirken seien drei zentrale Leitmotive verbunden: Jour- nalismus im Dienste gesellschaftlicher Emanzipation, Journalismus imDienste der Aufklärung und Journalismus im Dienste der Unbestechlichkeit und Stärkung der Urteilskraft. Freuen sich über die Auszeichnung (v.l.): Evi Seibert, Ralph Caspers, Christoph Biemann, die Maus, Joachim Lachmuth und Armin Maiwald Foto: WDR/Knabe Sprachkultur: Maus ausgezeichnet Grimme-Preis: Besondere Ehrung sendung als „wöchentliche Erkenntnis- quelle, auch für Erwachsene“, lobte die Jury. Die Maus gibt es seit Januar auch als sogenannten Hörfilm (Audiodeskription) für Blinde und Menschen mit Sehbehin- derungen. Schon lange zeigen das Erste, KiKA und der WDR die »Sendung mit der Maus« in einer Versionmit Untertiteln und in einer Version mit Gebärdensprachdol- metscher für Gehörlose. EB Als eine Pionierin in der deutschen Fernsehlandschaft, die das Arbeiten, Wirken und den Einfluss in den Medien thematisiert, eingefordert und gelebt hat, würdigten die Stifter Inge von Bönninghausen. Die Mitbegründerin des Jour- nalistinnenbundes und frühere Vorsitzende des Deutschen Frauenrates (2000 bis 2004) konzi- pierte und moderierte die WDR-Sendereihe »Frauen- Fragen«, die 1997 zu »Frau tv« wurde – das älteste und mittlerweile einzige Frauenmagazin im deutschen Fernsehen. Die Stifter: „Sie hat für die Gleichberech- tigung der Frauen gestritten, als das Fern- sehen durch und durch männlich war, vor wie hinter der Kamera und erst recht in den Entscheidungs- und Verantwortungs- ebenen.“ EB Carl Weiss Foto: WDR/Kratzer Inge von Bönninghausenwährend der PreisverleihunginMarl Foto: Getty Images

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