WDRprint Mai/2018

lich was auf den Sack. Und auch Laien ver- stehen, wie das funktioniert. Erster Preis. Danach gärt in ihr die Idee, einen You- tube-Kanal zu betreiben, aber sie fürchtet, es könnte peinlich sein, „am nächsten Tag wieder zumeinenWissenschaftler-Kollegen ins Labor zu gehen“. 2015 in Harvard, weit weg von ihren deutschsprachigen Kolle- gen, dreht sie die ersten Videos für ihren Kanal „The Secret Life of Scientists“ („Das geheime Leben derWissenschaftler“). Und beweist, dass man auch komplexe Zusam- menhänge verständlich erklären kann. Ihr Trick: „Anstatt dieMaterie zu vereinfachen, versuche ich, dasGanze durchWitze aufzu- lockern. Man kann den Leuten schon was zutrauen.“ Außerdemnutzt sie dasMedium, ummit Vorurteilen über ihren Berufsstand aufzuräumen: „Was sind das eigentlich für Menschen? Haben die Hobbys? Haben die Freunde? Die Antwort lautet: ja!“ Trockener Humor, eine Portion Selbstironie und eine ansteckende Begeisterung für die Wissen- schaft: darauf dürfen sich die »Quarks«- Zuschauer freuen. Nguyen-Kim sieht sich als Teil einer neuen Generation von Wissenschaftlern, ausgestattet mit einem Sozialleben, bereit, sich einzumischen und Lösungen anzubie- tenbei gesellschaftlichenFragen. IhrMotto: „Es ist uns egal, woher du kommst, wie du aussiehst undwen du liebst. Es sind die glei- chen chemischenReaktionen in den Zellen unseres Körpers und die gleichen Gesetze der Schwerkraft, die für uns alle gelten.“ Heute hat »maiLab« auf Youtube über 65.000Abonnentenund ist für denGrimme OnlineAward2018nominiert.Die 30-Jährige arbeitet neben ihremneuen Job als Fernseh- moderatorinalsDozentinfürWissenschafts- kommunikation, gibt Medientrainings, organisiert Debatten über gesellschaftlich relevante aktuelle Forschungsthemen und schreibt – ganz old school – ein Sachbuch. Mais »Quarks«-Premiere Mais erste »Quarks«-Sendung ist gleich eine XL-Ausgabeundheißt (AchtungWortspiel!): „Endlich Mai! – Das verrückte Frühlings- wetter im Westen“. Dafür war sie mit Wet- termann Sven Plöger im Land unterwegs, hat Landwirte und Weinbauern getroffen, erklärt das Phänomen der Frühjahrsmüdig- keit, der Frühjahrsgefühle (die sindübrigens auch chemisch bedingt) und der erhöhten Suizidrate ausgerechnet im Wonnemonat. In ihrer ersten regulären »Quarks«-Ausgabe Ende des Monats erklärt der bekennende Nerd die „Volkskrankheit Arthrose“. Letztlich besteht ihr Job immer darin, alsVermittlerinzwischenWissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern zu fungieren. AlsModeratorin bei »Quarks« genausowie als Wissenschaftskommunikatorin. „Die politischen Entscheidungen beispielsweise über das autonome Fahren“, sagt sie „wer- den janicht vonWissenschaftlerngetroffen, sondern von Juristen und Politikern. Wer übersetzt da?“ Es muss also Leute geben, die Kompliziertes gut erklären können. Und denen man gerne zuhört. Leuten wie Mai Thi Nguyen-Kim. Christian Gottschalk „MeineMedien-Kollegen fragenoft: du warst doch in der Krebsforschung, du hast was Gescheites gemacht, womit man die Welt wirklich ändern könnte. Wieso hörst du damit auf?“ Mai Thi Nguyen-Kim aber weiß: In der Forschung braucht es viele ein- same Stunden imLabor und einen sehr lan- genAtem, umkleineFortschritte zuerzielen. Dievielseitig interessierteWissenschaftlerin meint: „GuteWissenschaftbraucht guteWis- senschaftskommunikation. Und hier kann ich als einzelne Person mit meiner Leiden- schaft mehr bewirken als in der Forschung. Das macht mich glücklich.“ Ihr Plan war zunächst ein anderer. Eigentlich wollte sich Dr.rer.nat. Nguyen- Kim, sowie diemeistenChemiker, einen Job in der Industrie suchen. Sie erhält nach der Doktorarbeit auch direkt ein Angebot. Doch dannsucht „funk“, das junge Internetangebot von ARD und ZDF, eine neue Fachkraft für seine Formate und fragt bei ihr an. Die junge Wissenschaftlerin beschließt, nach dem „durchgepowerten“ Studium die Forschung für ein Sabbatjahr an den Nagel zu hängen, und erklärt fortan der Zielgruppe in der Rub- rik »schönschlau« (die sie später aus schön schlauenGründen in »maiLab« umbenennt) die Welt. Der geplante Zeitraum wird sich wohl erheblich verlängern, denn nach dem Einstieg bei „funk“ ergeben sich „ganz viele tolle Sachen“. ZumBeispiel lädt »Quarks« die 30-Jährige zumCasting ein. Aus 30Kandida- tinnenundKandidaten fällt dieWahl auf die wortgewandteChemikerin.RedakteurLorenz Beckhardt: „Sie ist alsWissenschaftlerinsehr kompetent,siesprichteinjungesPublikuman und ist für die Sendung ein belebendes und gleichzeitig aufklärendes Element.“ „Absurder“ Start einer Medienkarriere IhreMedienkarriere beginnt 2013 eher zufällig. „Völlig absurd, das muss ich unbe- dingtmachen,“ denktMai ThiNguyen-Kim, als sie dieAusschreibung „Forscher tanzen– dancing science“ entdeckt. DieAufgabe: die eigene Forschung imTanz darzustellen. Die sportliche Doktorandin ist Hiphop-Tanz- Trainerin an der Aachener Uni, dreht mit ihrer „Campus Dance Crew“mit geliehener Kamera undohne einenHauchvonAhnung denTanzfilm„DancingDrugDelivery“. Der Inhalt: Die bösen Krebszellen bekommen dank des Einsatzes von physikalischen Hydrogelen auf Polyurethan-Basis ordent- »Quarks XL« Endlich Mai! – Das verrückte Frühlingswetter imWesten »Quarks« Volkskrankheit Arthrose WDR FERNSEHEN DI /1. Mai / 20:15 Die Präsentation von »Quarks« erhält eine weibliche Note: Neben Physiker Ranga Yogeshwar und Fernsehpreis-Sammler Ralph Caspers moderiert künftig die Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim das WDR-Wissensmagazin. EINE FRAU MACHT »QUARKS« Sieht sich als Vermittlerin zwischen Wissenschaftlern und Nicht-Wissen- schaftlern: die neue »Quarks«-Moderatorin Mai Thi Nguyen-Kim. Foto: WDR/Meiers Die Kollegen von Mai Thi Nguyen-Kim: Ranga Yogesh- war, der am 8. Mai die »Quarks«-Sendung „Erziehung 2.0 – Wie Eltern alles richtig machen“ moderiert … Foto: WDR/Görgen … und Ralph Caspers, der am 19. Mai um 11:30 Uhr durch die Sendung »Quarks im Ersten« führt, die sich zum Thema „Superkühe“ mit der Frage „Was ist gut für Mensch und Tier?“ beschäftigt. Foto: WDR/Fürst-Fastré/dpa/mauritius 49 48 Medienmenschen Medienmenschen WDR FERNSEHEN DI / 29. Mai / 21:00

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