WDRprint Mai/2018

War der WDR zu gnädig? Diese Frage stellte der Stern im April 2018. Es war der Auftakt einer Reihe von Veröffentlichun- gen über den Sender – und seinen Umgang mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung im eigenen Haus. Konkret ging es um einen Mitar- beiter, gegen den 2016 substanzielle Vor- würfe bekannt wurden. Diesen ist die Chefredakteurin konsequent nachgegan- gen. Im Ergebnis wurde dem betreffenden Mitarbeiter etwa schriftlich die Kündi- gung angedroht für den Fall, dass doch noch weitere Umstände zutage treten, die die Vorwürfe erhärten, oder erneute vergleichbare Vorwürfe bekannt werden. Nach einemMedienbericht wurde derMit- arbeiter freigestellt. Auch allen weiteren Hinweisen geht der Sender unter anderem mit Unterstüt- zung einer externen Anwaltskanzlei nach. WDR-Intendant TomBuhrow: „Unser kla- res Signal ist: Wir dulden sexuelle Beläs- tigung nicht, sondern gehen respektvoll miteinander um.“ Betroffene wollen anonym bleiben Gleichzeitig hat der Sender Vorwürfe zurückgewiesen, derWDR habe Hinweise nicht ausreichend ernst genommen. „Die bisherige Berichterstattung über denWDR zum Thema sexuelle Belästigung ergibt kein vollständiges Bild der Abläufe und Hintergründe“, heißt es in einem offiziel- len Statement. Vielmehr wollten Betroffene häufig ausdrücklich anonymbleiben, etwa- ige Anschuldigungen ließen sich daher weder entkräften noch belegen und nicht abschließend aufklären. Das Thema beschäftigt auch die Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter im Sender. DieDebatte imHaus knüpft an die #metoo- Bewegung von Herbst 2017 an. Auf meh- reren Dialogveranstaltungen diskutierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit WDR-Verantwortlichen über Strukturen und Anlaufstellen – und über die Frage, wie sich sexuelle Belästigungen künftig möglichst verhindern lassen. Außerdem berichteten unter anderemdieWDR-eige- nen Sendungen »Aktuelle Stunde«, »Frau tv« und »Töne, Texte, Bilder«. Sofortmaßnahmen verabschiedet Mitte April hat die Geschäftsleitung ein erstes Paket vonSofortmaßnahmen zur besseren Prävention sexueller Belästigung imWDR verabschiedet. Die Senderspitze will damit nicht nur ein klares Zeichen setzen, sondern auch handeln und erste Verbesserungen schnell umsetzen. „Unser Interesse ist es jetzt, aufzuklären und ein Klima zu schaffen, in dem jeder Einzelne weiß: Übergriffe und Machtmissbrauch „Wir dulden das nicht!“ sind imWDR tabu!“, sagt Tom Buhrow. DasMaßnahmenpaket sieht zumBei- spiel vor, dass es zum Themenfeld „Sexu- elle Belästigung und den Umgang damit“ Pflichtfortbildungen für Führungskräfte gibt. Das Thema wird auch Gegenstand weiterer Dialogveranstaltungen im Haus sein – sowohl unter Führungskräften, aber auchmit freienMitarbeiterinnen undMit- arbeitern. Darüber hinaus wird die Information derMitarbeiterinnen undMitarbeiter zum Thema ausgeweitet. Allen aktiven und künftigen Beschäftigten wird schriftlich mitgeteilt, dass der Sender sexuelle Beläs- tigung nicht duldet und welche konkreten Beschwerdestellen es gibt. Dies gilt insbe- sondere auch für Freie, Auszubildende und Aushilfen. Der WDR beabsichtigt außerdem, dauerhaft eine externe Ombudsstelle ein- zurichten, an die sich Betroffene wenden können. Das konkrete Vorgehen wird der- zeit mit dem Personalrat abgestimmt. WDR Presse & Information, Stand: 23. April 2018 Der Stern und das Recherchebüro Correctiv haben im April über Fälle sexueller Belästigung imWDR berichtet. Einige Tage später verabschiedete die Geschäftsleitung ein Paket von Sofort- maßnahmen. WDR-Intendant Tom Buhrow: „Unser Interesse ist es jetzt, auf- zuklären und ein Klima zu schaffen, in dem jeder Einzelne weiß: Übergriffe und Machtmissbrauch sind imWDR tabu!“ Tom Buhrow: „Unser klares Signal ist: Wir gehen respektvoll miteinander um.“ Foto: WDR / Fußwinkel/ Sachs „Prüfung durch Wulf-Mathies“ Aktuelle Informationen zur Aufarbeitung der Belästigungsvorwürfe unter: www.wdr.de/k/wdr-aufarbeitung-vorwuerfe 51 50 Unternehmen Unternehmen

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