WDRprint Juni 2018

35 34 Wissen Im Gespräch „Wir sind eine hintergründige Wis- senschaftsmarke. Wir ordnen ein, wir hinterfragen, wir bieten Lösungen“, erklärt Mustafa Benali, Leiter der Online-Redak- tion, das Image von »Quarks«. Und zwar imFernsehen, imNetz und auch imRadio. DerWDR führt das bisherige Fernseh- und Online-Angebot von »Quarks« und die WDR 5-Radiosendung »Leonardo« am 1. Juli zu einerMarke zusammen. EinName auf allen Kanälen, so wie es auch bei ande- ren Medien längst üblich ist. Mit Quarks.de bekommt dieMarke ab Herbst außerdem einen eigenen Online- Auftritt, der nicht unter dem Dach von WDR.de stattfindet – eine ungewöhnli- che Maßnahme. Hinter all diesen Verän- derungen steht der WDR Campus Wis- sen, die größte Wissenschaftsredaktion innerhalb der ARD. Maria Dickmeis, die gemeinsam mit Peter Ehmer den cross- medialen Campus leitet, sagt: „Wir haben einen gemeinsamen Markenkern und wir wollen für unsere wichtigen Inhalte maximale publizistische Strahlkraft – auf allen Ausspielwegen!“ Und Ehmer ergänzt: „Je stärker und umfassender die Marke, desto größer ist die Chance, im desperaten Angebotsmarkt als Qualitätsgarant wahr- genommen zuwerden:Was »Quarks« sagt, das stimmt“. Im Herbst geht Quarks.de online Für alle Online-Aktivitäten ist die neu geschaffene Redaktion von Mustafa Benali verantwortlich. Sie produziert Inhalte für Facebook und Instagram. „Einfach einen Fernsehbeitrag bei Facebook einzustellen, ist wenig Erfolg versprechend“, so der ehema- lige Fernsehredakteur, „schonweil dort mehr als 90 Prozent der Videos ohne Ton geguckt werden.“ Also produ- zieren die Social-Media-Experten kürzere, eigens für die Plattform konzipierte Videos. „Seitdem errei- chen wir mehr Leute, die Zahlen werden besser, die Videos länger geguckt.“ Zum 25-jährigen Jubiläum geht »Quarks« neue Wege: Das TV-Magazin, der Online-Auftritt und die WDR 5-Sendung »Leonardo« verschmelzen zu einer Marke. Das neue Angebot lebt vor allem vom Austausch mit den Usern. Auch Grafiken, die in einem Bild einen Sachverhalt vermitteln, sind in den sozialen Medien ein gefragtes Mittel, um Aufmerksamkeit zu generieren. Unter der Tafel mit der Statistik „Der Weltuntergang ist wahrscheinlicher, als dass dein Flugzeug abstürzt“ diskutieren die User lebhaft über diesen Vergleich. Eine eigene Community- Redaktion reagiert auf Kritik, beantwortet Fragen und schickt weitergehende Infos an Interessierte. Für den Weltuntergang wäre in dieser Rechnung übrigens allein der Yel- lowstone-Supervulkan zuständig. An den Inhalten arbeiten täglich vier freie Reporter, eine Grafikschicht, ein CvD und ein Planer. Ende Mai ist der YouTube- Kanal gestartet, demnächst mit exklusiv produzierten Filmen. Im September geht dann Quarks.de online. Ein Online-Auf- tritt, der mehr bietet, als lediglich einzelne Sendungen abzubilden. Maria Dickmeis weiß: „Diese Entwicklung ist alternativ- los. Diemediale Zukunft liegt imDigitalen, und das folgt eigenen, anderen Gesetzmä- ßigkeiten. Nur so sind wir mit unseren Wissensinhalten für Medien-Nutzer jeden Alters und Zuschnitts attraktiv.“ Christian Gottschalk Wissen überall Ein Name für alle Medien. Am 1. Juli wird »Leonardo« zu »Quarks«. Foto: WDR Foto: MedienDesign Seine Hände fliegen so schnell, dass das Auge kaum folgen kann. Selbst am ausladenden Marimbafon, ähnlich groß wie ein Tapeziertisch, findet sich Johannes Wippermann blind zurecht. Wenn es das Stück verlangt, spielt der Erste Schlag- zeuger des WDR Sinfonieorchesters mit vier Schlägeln, den bloßen Fingern – oder er schabtmit einemMilchaufschäumer über Pappe. Wir treffen den 31-Jährigen auf einen Iced Latte im Café Heilandt, mitten im Belgischen Viertel in Köln. Wenn man Sie spielen sieht, bleibt schon beim Zuschauen der Atem weg. Das sieht anstrengend aus. Braucht man eine gute Kondition? Solokonzerte sind eine körperliche Herausforderung. Aber ichmache dafür kein Fitnessprogramm. BeimKonzert pusht einen das Adrenalin, man wächst über sich hinaus. Ein, zwei Tage später tut dann allerdings alles weh. Das Schlagzeug ist aber auch mental anstrengend, bei moderner Musik wie Olivier Messiaen oder Pierre Boulez zumBeispiel. Damussman sehrwach sein, darf dieKonzen- tration nicht verlieren und muss die Ruhe bewahren. Ist es ein Vorurteil, dass das Schlagzeug oft nicht so wahrgenommen wird? Als Sportreporterwürde ich sagen: Die Spielanteile sind nicht besonders hoch. Aber es ist dennochwichtig.Man wird belächelt, wenn man sagt, dass man gerne Triangel spielt. Aber der Klang der Triangel ist entscheidend.Wie die Kirsche auf der Torte. Ist es nicht einAlptraum,manchmal ewig auf denEinsatz zuwarten? In einer Sinfonie vonAntonBruckner kommt nur ein einziger Beckenschlag vor, in einer anderen zwei. Da steigt die Anspan- nung. Aberman gewöhnt sich daran. Bei einemKonzert mache ich nur einen Schlag, beim nächsten kann ich mich vor Noten nicht retten. Sir SimonRattle hat mal gesagt, es gibt kein Instrument, bei dem der Grat zwischen Über- und Unterforderung so schmal ist. Apropos Instrument –wievielespielenSieeigentlichalsSchlagzeuger? Es sind bestimmt 25, diewir imOrchester spielen, von Becken bis Xylophon – insgesamt kann ich aber um die 300 Instrumente bedienen. BeimodernerMusikkommt esübrigens auchvor, dasswir mit demSchneebesen oder Milchaufschäumer Geräusche machen. Einmal musste ich auch eine Pappschachtel über ein mit Kolopho- nium bestrichenes Holzbrett ziehen. Undwie kommtman beimMarimbafonmit zwei Schlägeln proHand klar? Ich habe ein Gefühl dafür, wo die Töne liegen, kenne die Abstände. Wenn der Proberaum anders aussieht als beim Konzert, Auf einen Iced Latte mit Johannes Wippermann irritiert das allerdings – weil man durch das Instrument auf den Fußboden schauen kann. Umso wichtiger, sich nicht am Äußeren zu orientieren, sondern an den Bewegungen, die man macht. Sie hatten schonmit sechs JahrenSchlagzeugunterricht.Wie kames? Mein Vater war Kirchenmusiker in Kaarst, ich war schon als Kindbei den Jugendmessendabei undwar vomDrummer fasziniert. Ichdurfte auch immermal einbisschenauf demSchlagzeug spielen. MeineElternwollteneigentlich, dass ichCello lerne…aber zuHause habe ich dann mit Kochtöpfen geübt und Löffel kaputt gehauen. Die meisten Jungs, die trommeln, wollen Schlagzeuger in einer Band werden. Warum Sie nicht? Bei uns zu Hause haben wir immer klassische Musik gehört. Für mich war schnell klar, dass ich indieRichtungwill. Meine Liebe dazu ist größer als die zur Populärmusik. Haben Sie Lieblingskomponisten? Bei Schostakowitsch gibt es immer viel zu spielen, da steht oft eine kleine Trommel im Vordergrund, die ich mag. Gustav Mahler berührt mich am meisten, da habe ich schon die eine oder andere Träne verdrückt auf der Bühne. Schon mit 24 Jahren kamen Sie ins WDR Sinfonieorchester. Gibt es etwas, wovon Sie noch träumen? Mein Traum wäre, mal für eine Woche mit den Berliner Phil- harmonikernzuspielen. Das ist einfachdasbesteOrchester derWelt. Siewussten früh, was Siewollten. HättenSie sichaucheinenanderen Beruf vorstellen können? Ja, Sportreporter! Als Kind habe ich schon Sportreportagen geschrieben. Das wäre auch ein Traum, für WDR 2 im Stadion zu moderieren. Mit Johannes Wippermann sprach Ina Sperl Johannes Wippermann: „Beim Konzert pusht das Adrenalin.“ Foto: WDR/Anneck „Solokonzerte sind eine körperliche Herausforderung.“ Percussion – Power Konzert mit Werken von Dmitri Schostakowitsch / Viktor Derevianko, Avner Dorman und Keiko Abe So / 10. Juni / 11:00 Funkhaus Köln, Wallrafplatz 1

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