WDRprint Juni 2018

Illustration: von Zubinski CHRISTIAN GOTTSCHALK 42 Glosse IHILLISSEQUI AUTEM UT EUM Hoppla, schon wieder Fußball-WM? Hatten die nicht die Ölscheichs gekauft, sollte die nicht in der Wüste stattfinden? Ach so, das ist die nächste. Jetzt erstmal Russland, in vier Jahren Katar. Beides Länder übrigens, die im Demokratie-Index der Zeitschrift „The Economist“ auf den hinteren Rängen zu finden sind. Was in Russland daran liegt, „dass es einfach zu groß ist für eine Demokratie“. So erklärte es mir zumindest neulich jemand auf einer Garten-Party. Und wie es so geht: Kurz darauf war der redselige Experte schon beimThema „Umvolkung“ gelandet, also jener „Theorie“, nach der das deutsche Volk ausgetauscht werden soll. Gegen Ausländer. Oder so ähnlich. Merkel sei schuld. Nun wäre ich ja gerne jemand, der in solchen Fällen eloquent dem Gegenüber argumentativ überlegen nachweist, dass er Unsinn erzählt. So einer bin ich aber leider nicht. Michmacht sowas eher wird der bald umgevolkt!“ und ging weg. Damit ich mir danach nicht wie ein Feigling vorkommenmusste, legte ichmir zurecht, dass ich im Grunde exakt nach Kants kategorischem Imperativ gehandelt hatte, der in meiner Übersetzung lautet: „Frage Dich immer was geschähe, wenn das jeder machen würde.“ Wenn das jeder machen würde, stünden diese Wirrköpfe ständig alleine irgendwo rum und könnten ihren Quatsch einem Parkschein- Automaten erzählen. Manchmal wünsche ich mir freilich auch, man könnte diese Menschen einfach zumMond schießen. Aber die bemannte Raumfahrt ist sehr teuer und kompliziert. Doch ist sie ist ein gutes Beispiel für funktionierende Völ - Christian Gottschalk quatemp orrovid qui nos excea dunt, sitam, quunt ipsa consequiant sed quatemp orrovid qui nos excea dunt, sitam, quunt ipsa consequiant. kerverständigung. Auf der ISS geht es ja ein bisschen zu wie in diesen schwierig zu erzählendenWitzen: „Ein Russe, ein Ameri - kaner und ein Deutscher fliegen ins All. Da sagt der Japaner zum Papst…“ Egal:Wennmanda so rumschwebt nebendemRussen, der Amerikanerin und dem Japaner und gemeinsamaus demFenster auf diesen Planeten guckt, denkt man dochwahrscheinlich: Guck an. Wie schön. Wozu sind Kriege da? Und sobaldmanwieder unten ist, regt man sichwahrschein - lich sofort über Leute auf, die in der Straßenbahn laut telefonieren, und die Kölner schimpfen wie eh und jeh über die Düsseldorfer und die Bayern über die Franken. So ist der Mensch. Machen wir uns nichts vor. Dennochempfehle ich, sichgelegentlichdesNachts auf eine Wiese zu legen, um den Sternenhimmel zu betrachten. Vielleicht sieht man sogar die ISS vorbeifliegen. Sie ist nämlich mit bloßem Auge zu erkennen. Dann wird einem klar, dass dir Erde weit und breit der einzige brauchbare Planet ist und dass alle Menschen frei und gleich an Würde und Rechten geboren, mit Vernunft und Gewissen begabt sind und einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen sollten. Man fühlt ihn, den Zauber dieser Einsicht. Bis ein Düsseldorfer, ein Kölner, ein Bayer und ein Franke betrunken vom Publik Viewing kommend durch den Park torkeln und „Deutschland, Deutschland“ brüllen. Illustration: von Zubinski ISTIAN GO TSCHALK * 20 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, max. 60 Cent pro Anruf aus dem deutschen Mobilfunketz + 49 (0) 221 567 89 111 + 49 (0) 221 567 89 110 1live@wdr.de + 49 (0) 221 567 89 222 + 49 (0) 221 567 89 220 wdr2@wdr.de + 49 (0) 221 567 89 333 + 49 (0) 221 567 89 330 wdr3@wdr.de + 49 (0) 221 567 89 444 + 49 (0) 221 567 89 440 wdr4@wdr.de + 49 (0) 221 567 89 555 + 49 (0) 221 567 89 550 wdr5@wdr.de 0800 220 5555 0800 5678 234 kiraka@wdr.de + 49 (0) 221 567 89 777 + 49 (0) 221 567 89 770 cosmo@wdr.de + 49 (0) 221 567 89 999 Hotline Faxline Hotline Faxline Hörertelefon Faxline Hörertelefon Faxline Hotline Faxline Aktionshotline Anrufbeantworter (24 Stunden) Hotline Faxline Hotline Service-Hotline Das Erste Zuschauerredaktion Verkehrsinfo (Sprachserver) Radioprogramminformation Besucherservice Maus & Co. 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Und wie es so geht: K rz daraufwar der redseligeExperte schonbeimThem „Umvolkung“ gelandet, also jen r „Theorie“, nach der das deutsche Volk ausgetauscht werden soll. GegenAusländer. Oder so ähn ich. M rkel ei schul . Nun wäre ich ja gerne jemand, der in solchenFälleneloqu nt demGege über argument tiv überlegen achweist, dass erUnsinn erzählt. So ein r bin ich aber l ide nicht. Mich macht sowas eher rat- und prachlos. Also dachte ich heimlich bei mir: „Hoffe tlich w rd der bald umgevolkt!“ – und gingweg. Damit ichmir danachnicht wie einFeigling vorkommen musst , legte ich mir zurecht, ass ich im Grunde exakt nach Kants kategor schem Imperativ gehandelt hatte, der in meiner Übersetzung l utet: „FrageDich immerwas geschähe,wenndas jed rmach nwürde.“ Wen as jedermachenwürde, stündendieseWirrköpfe ständig alleine rgendwo rumundkönnt ihrenQuatschein mParkscheinautomaten rzählen. Ma chmal wünsch ichmir fre lich auch, man könnte diese M scheneinfach zumMond schi ßen. Aber di b annteRaumfahrt ist sehr t uer und kompliziert. Doch sie i t ein gut s Beispiel für funktionierende Völker- verständigung. A f der ISS geht es ja in bisschen zu wie in diesen schwierig zu erzählendenWitz n: „Ein Russe, e n Am rikaner und hristian Gottschalk möchte den mutigen Braum ister, der in Köln regelmäßig Al bier b aut, für de Fri densnobelpreis vorschlagen. ein Deutscher fliegen ins All. Da sagt der Japaner zum Papst …“ Egal: Wen man da so rumsc webt eben dem Russen, der A rikane- ri und m Japaner und geme am aus dem Fenster auf diesen laneten uckt, denkt m n doch wahrsch inlich: G ck an. Wie schön. Wozu si Kriege da? Und sobald man wie r unten ist, regt man sich wahrs hein- lich sofort über Le te auf, d in er Straßenbahn laut telefonieren, und die Kölner schimpf n wie eh und je über die Düsseldorfer und die Bayern über di Frank . So ist der Mensch. Mache wir uns nichts vor. Dennoch empfehl ich, sic gelegentlich des Nachts auf e ne Wiese zu leg n, um den Sternenhimmel zu b trachten. Vielleicht sieht man sogar die ISS vorbeifliegen. Sie ist nämlich mit bloßemAuge zu erken en. Dan wird i e klar, dass die Erd weit und brei d r einzige brauchbare Planet ist – und dass alle Menschen frei und gleich an Wü d und Rechten geboren, mit Vernunft und Gewissen begabt sind und einander im Geist d r Brüderlichkeit begegnen sollten. Man fühlt ihn, den Zauber di ser Einsicht. Bis ein Düss ldorfer, ein Kölner, ein Bayer und ei Fra ke, b trunk n vom Public Viewing komme d, durch den Park torkeln und „Deutsch- land, Deutschland“ brüllen. Herausgegeben von der Abteilung Presse und Information des Westdeutschen Rundfunks Köln, Leiterin Ingrid Schmitz. WDR print erscheint monatlich und kann kostenlos bezogen werden. Redaktion: Maja Lendzian (Leitung), Svenja Siegert Redaktionsassistenz: Marita Berens, Susanne Enders Haus Forum, Raum 102 Appellhofplatz 1 50600 Köln. 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