WDRprint Juli/August 2018

Sommer im Westen 23 22 Sommer im Westen Karin Kube hieß 1988 noch Benning- haus und hatte Besuch von Rudi Car- rell. Für seine »Rudi-Carrell-Show« brachte er die begeisterte Rollschuh- läuferin in die Kulisse des „Starlight Express“. Mit dem Team von »Unser Land – Die 80er« besuchte sie 30 Jahre später nochmal das Musical-Theater in Bochum. Frau Kube, was machen Sie heute? Ichbin imVertrieb tätigundverkaufe Weinzubehör-Artikel an den Fachhandel, am Telefon. Privat sind mein Mann und ich engagiert im Tanzsport. Wir fahren viel Fahrrad, gehen wandern und Berg- steigen; wir sind sehr naturverbunden. Wie sah Ihr Leben 1988 aus? Da war ich gerade zwei Jahre verhei- ratet undDaniela kamzurWelt, die heute 30 Jahre alt ist. Ich war damals gerne auf Rollschuhen unterwegs und deshalb wahnsinnig interessiert an „Starlight- Express“. Das Musical kam 1988 nach Bochum. Ich dachte allerdings nicht, dass ich eineGelegenheit habenwerde, mir das anzugucken, weil Daniela damals gerade drei Monate alt war. Wer kam auf die Idee, Sie zu überraschen? Freunde von uns: Uli Koch vomVer- kehrsverein Hattingen und Sparkassen- VorstandWilli Hahn hatten Rudi Carrell angeschrieben. Sie wollten eigentlich Hattingen ins Fernsehen bringen. Rudi hat ganz klar zurückgeschrieben: „Ich überrasche keine Städte, ich überrasche Menschen. Lasst Euch was einfallen.“ Dann haben sie sich die Überraschung für mich ausgedacht. Und Sie waren wirklich nicht eingeweiht? Ich habe nichts mitbekommen, das war echt der Wahnsinn. Ich war eigent- lich mit meiner Nachbarin verabredet, wir wollten einkaufen. Sie sagte: „Mit dem Kinderwagen ist das alles so ein bisschen kompliziert, Willi kommt uns abholen.“ Dann kam das Auto vonWilli, und Rudi Carrell stieg aus. Das hat mich erst mal umgehauen. Ich habe gesagt: „Was wollen Sie denn hier, kann ich was für Sie tun?“ Da sagt er: „Nein, ich kann was für Sie tun.“ Ihr Wunsch war ja nicht einfach, das Musi- cal anzuschauen … Nein, als begeisterte Rollschuhfahre- rin hatte ich mir vorgestellt, wie irre das wäre, mal in dieser Kulisse zu fahren. Und das haben die umgesetzt. Dann bin ich lei- der in diesem Tunnel mit dem Fuß gegen die Bande gekommen und habe mir das Sprunggelenk gebrochen. Das war heftig. Da mussten die noch ein Double organisie- ren. Das größereDramawar aber eigentlich: Ichmusste auf Krücken einen Säugling ver- sorgen. Aber es hat alles geklappt. Ich denke trotzdem gerne an die Aktion zurück. Wie hat Rudi Carrell auf Sie gewirkt? Ich war mega angetan vom Rudi. Er ist der absolute Showmaker gewesen. Er hat geraucht wie ein Weltmeister. Und er wollte alles 200-prozentig im Kasten haben. Wenn ihm was nicht passte, war ihm egal, wen er vor sich hatte. Der saß auf einem Bierkasten und sagte: „Das müssen wir noch mal machen.“ Eigentlich war er total umgänglich, total nett, total normal. Der hatte es echt drauf. Was haben Sie bei den Dreharbeiten zu »Unser Land – Die 80er« erlebt? Das war ein tolles Team, völlig ent- spannt, und die haben mir interessante Fragen gestellt. Es hat einfach nur Spaß gemacht. Und ich habe den Masken- bildner von „Starlight Express“ wieder getroffen. Er ist der Einzige aus dem Team damals, der übrig geblieben ist. Der kannte mich auch noch. Das war ein schöner Austausch mit ihm. Wie würden Sie heute die 80er-Jahre beschreiben? Meine persönliche Meinung ist: In den 80ern war’s schön. Die Musik stimmte; „Starlight Express“ hat dazu beigetragen. Die Show von Rudi Carrell war in vielen Herzen: Ich hab’ die stän- dig geguckt, damach’ ich keinGeheimnis draus. An der heutigen Zeit stört mich: zu viele Handys, zu viel Technik. Mir fehlt ein bisschen die Menschlichkeit. Mit Karin Kube sprach ChristianGottschalk 1988: Mit Rudi Carrell zu „Starlight Express“ Karin Kube besuchte für die Doku »Unser Land – Die 80er« noch einmal den „Starlight Express“. Foto: WDR/Brill Barbara Pachl-Eberhart verlor bei einem Autounfall ihren Mann und ihre beiden Kinder. In ihrem früheren Leben arbei- tete sie als Krankenhausclown, half Kindern mit Lachen, ihre Krankheit zu vergessen. Ihre eigene Lebenskrisemeisterte siemit Schreiben. Heute hat sie eine neue Familie, verfasst Bücher und hält Vorträge darüber, „wie man Worte in Lebenskraft verwan- delt“. Ein neunminütiger Beitrag über Pachl-Eberhart mit dem Titel „Sei mutig! – Der Weg zurück ins Leben“ lief Ende 2017 bei »Frau tv«. Die Autorin des Films, Susanne Böhm, suchte für »Men- schen hautnah« ihre Protagonistin erneut auf. Auch in der langen Doku geht es um die Frage, wie man nach einem solchen Schicksalsschlag weiterleben kann. Darüber hinaus fragte Böhm bei Freunden, Angehörigen und dem neuen Lebenspartner Pachl-Eberharts nach, was esmit zwischenmensch- lichen Beziehungen macht, wenn Trauer ein ewiger Begleiter ist. Ähnliche Kooperationen zwischen den beiden Sendungen gab es schon vorher. Als die Doku-Reihe in diesem Jahr wieder die „Urlaubsvertretung“ für das Frauenmagazin übernehmen sollte, habe das Team sich deshalb überlegt, dass es doch schöner wäre, etwas Gemeinsames entstehen zu lassen. „Wir wollten die Erfah- rung der Kolleginnen nutzen, die diesen Platz normalerweise bespielen“, sagt »Menschen hautnah«-Redaktionsleiterin Britta Windhoff. „Inhaltlich habenwir eine große Schnittmenge, und es funktioniert auch auf der persönlichen Ebene sehr gut“, ergänzt »Frau tv«-Redaktionsleiterin Dagmar Kieselbach. Gemeinsam habe man geschaut, welche Geschichten aus »Frau tv« das Poten- zial haben, von »Menschen hautnah« weitererzählt zu werden. Weitere Beiträge – etwa über Polyamorie, weibliche Zwillings- paare oder eine 94-Jährige, die ihre Doktorarbeit in Philosophie schreibt – schon einmal für »Menschen hautnah« „angedacht“, erwiesen sich jetzt als passend zum Konzept der Sommerreihe. »Frau tv« macht imGrunde kleine »Menschen hautnahs«, findet Kieselbach, deshalb funktioniere die Kooperation so gut. Die Som- merdokus werden jeweils von Lisa Ortgies oder Sabine Heinrich im »Frau tv«-Studio anmoderiert. CSh WDR FERNSEHEN DO / 2. bis 30. August / 22:10 »Menschen hautnah« Wie ich das Glück wiederfand – Das zweite Leben der Barbara Pachl-Eberhart Rosemarie, 94 Jahre, Beruf: Studentin Zwillinge und die Liebe Mama, Papa und die anderen – In der Galaxie der Liebe Ich bin Sophia! – Leben als Transgender-Kid »Frau tv« macht eine Sommer- pause. Stattdessen sendet der WDR »Menschen hautnah« und rückt sendeplatzgerecht ungewöhnliche Frauen in den Fokus: Beide Redaktionen entwickeln gemeinsam fünf 30-minütige Dokumentationen. Starke Frauen, hautnah Irina und Marina Fabrizius sind eineiige Zwillinge. Ihre Unzertrennlichkeit ist Fluch und Segen zugleich. Foto: WDR Barbara Pachl-Eberhart verlor Mann und Kinder bei einem Unfall. Heute ist sie wieder glücklich mit ihrem Partner und ihrer Tochter, obwohl Trauer ihr Beglei- ter bleibt. Foto: WDR

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ3NzI=