WDRprint Juli/August 2018

37 36 Hörspiel Hörspiel Der gefürchtete Mann mit den sieben Messern ist wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen – allerdings ohne Messer, dafür mit Pfefferpistole. Da Wachtmeister Dimpflmoser … – pardon! – Oberwacht- meister Dimpflmoser beim Räuberfangen nicht der Begabteste ist, übernehmen Kas- perl und Seppel die Sache. Kasperl ersinnt eine List, wie der Hotzenplotz auch dieses Mal dingfest zu machen ist: Zum Mond soll er geschossen werden – oder wenigs- tens fast… So nimmt dasmittlerweile vierte WDR-Hörspiel über den beliebten Kinder- buchklassiker von Otfried Preußler sei- nen Lauf – und Großmutter brät Schwammerln dazu. Verfasst hat es die Dramaturgin und Leiterin desWDR-Kinderradioprogramms Ulla Illerhaus nach dem Buch „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“, das im Mai imStuttgarter Thiene- mann-Esslinger-Verlag erschienen ist. Am 20. Oktoberwird das neue Hörspiel imWDR-Kin- derradiokanal KiRaKa zu hören sein, dem Tag, an demOtfried Preußler 95 Jahre alt geworden wäre. Witz und Wortverdrehungen Nun mag ein kundiger Leser einwenden, der Hotzen- plotz habe im dritten und bis- lang letzten Buch doch dem Räuberleben entsagt! Stimmt. Aber: Das Mondraketen- Stück schrieb Preußler noch vor Band 3. Deshalb wiederholt KiRaKa am 22. und 29. September (jeweils um 19.05 Uhr) mit dem Hörspiel „Neues vom Räuber Hot- zenplotz“ (Band 2) die vorausgehende Geschichte; 2019 folgt dann „Hotzen- plotz 3“ mit Hotzenplotz‘ Läuterung. Neben den eingangs erwähnten Pro- tagonisten gibt es im Hörspiel „Der Räu- ber Hotzenplotz und die Mondrakete“ ein Wiederhören mit der Fee Amaryllis, der Witwe Schlotterbeck und dem bösen Zau- berer Petrosilius Zwackelmann, obwohl der am Ende von Band 1 mitsamt seinem Zauberschloss zu Staub zerfällt. Wer diese Figuren allerdings im Buch sucht, wird nicht fündig. „So wunderbar skur- rile Personen tauchen in der Buchvorlage selbst zum Buch ausgearbeitet. Das war vom Autor jedoch gar nicht vorgesehen, vermutet Ulla Illerhaus, da er es als Spiel- anleitung für Kinder zumKasperletheater verfasst habe. Wie Ulla Illerhaus waren auch viele Rezensenten enttäuscht. „Eine kleine, nicht besonders originelle oder aufregend erzählte Geschichte“, urteilte zumBeispiel Deutschlandfunk Kultur. Für ihre 50-minütige Hörspielfas- sung stellte Ulla Illerhaus die Geschichte in bester Preußler-Manier auf denKopf: Sie erfand Dialoge, die Dynamik und Wortwitz ins Stück brin- gen (Stichwort „Kloßpilze“!), sie dichtete Liedchen hinzu, die ins Kasperletheater pas- sen, lässt die Großmutter wir- kungsvoll in Ohnmacht fallen und den Zwackelmannwieder mit den Fingern schnackeln. Sie stellte die behäbige Hand- lung um und ließ mit einem dramaturgischen Kniff alte Bekannte wieder auftauchen. Aber wie das gelingt, wird nicht verraten. Ulla Illerhaus verspricht allen Fans ein lebendiges Hot- zenplotz-Hörspiel: „Uns ist es wichtig, daraus ein Hörspiel zu machen, das unseren Qua- litätsansprüchen genügt, das dem Geist von Otfried Preuß- ler treu bleibt und vor allem eines, das den Kindern gefällt.“ Regie führt Petra Feldhoff. Die Aufnahmenmit Max von der Groeben als Kasperl, Daniel Rothaug als Seppel und Waldemar Kobus als Räuber Hotzenplotz haben Mitte Juni begonnen. Und über die berichtet WDR print zur Ausstrahlung im Oktober. Katrin Pokahr nicht auf“, bedauert Ulla Illerhaus. Auch Witz, Spannung, Magie und die vielen Wortverdrehungen, die typisch für die Hotzenplotz-Geschichten sind, fehlten ihr. Warum entschied sie sich dennoch, ein Hörspiel daraus zu machen? „Das ist die Katze im Sack.“ Das Angebot, eine neu entdeckte Hotzenplotz-Geschichte als Hörspiel zu produzieren, kam vor über einem Jahr, berichtet Ulla Illerhaus. „Allerdings wollte der Thienemann-Verlag den Inhalt geheim halten, solange es keine Produktionszusage gibt.“ Ihr war klar: „Das ist die Katze im Sack.“ Aber: Der Name Otfried Preußler garantierewie kaumein anderer großartige Geschichten. Und: Der WDR hat bereits vor zwölf Jahren die ersten drei Hotzen- plotz-Bände als großeHörspiele produziert. „Wenn es nun einen vierten Band gibt, so gehört der natürlich ebenfalls in diese Reihe.“ Vom Kasperltheater zum Hörspiel Ulla Illerhaus sagte zu und bekamdas recht kurze Manuskript von „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“. Die Tochter des Autors, Susanne Preußler- Bitsch, hatte die ursprünglich als Pup- pentheaterstück gedachte Geschichte im Nachlass ihres Vaters gefunden und Ein vergessenes Hotzenplotz- Stück aus dem Nachlass Otfried Preußlers elektrisiert Leser und Medien- welt. Mitte Juni wurde die von Ulla Illerhaus, Leiterin des WDR-Kinderradioprogramms, zum Hörspiel ausgearbeitete Episode „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ in den WDR-Studios in Szene gesetzt. Mit einem dramaturgischen Kniff lässt das Hörspiel alte Bekannte aus dem Preußler- Universumwie- der auftauchen. NEUESVOMRÄUBER HOTZENPLOTZ Ulla Illerhaus schrieb nach der Buchvorlage ein spannendes Hotzenplotz-Hörspiel. Foto: WDR/Borm Illustration: Thienemann-Verlag/dpa

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