WDRprint Juli/August 2018

CIVIS-Preis 2018 Grimme Online Award für @maedelsabende Ende Juni hat der WDR-Instagram- Kanal @maedelsabende den Grimme Online Award 2018 in der Kategorie „Kultur undUnterhaltung“ gewonnen. Die undotierte Auszeichnung gilt als wichtigster deutscher Preis für hoch- wertige Online-Angebote. @maedelsabende ging als kleine Schwester von »Frau tv« im Oktober 2017 online, um feministische Themen und Gedanken für junge Frauen greif- bar zu machen. Auch die Grimme-Jury erkannte in dem Projekt ein Angebot, „das relevante Inhalte über das bild- dominierte Netzwerk transportiert und so einen Gegenpol zur Selbstdarstellung undOberflächlichkeit bildet“. (Siehe auch den WDR print Bericht unter print.wdr. de/2018-06/24-25/) Zum@maedelsabende-Teamgehören Clare Devlin, Naina Kümmel und Farah Schäfer. Für die Idee und Redaktion des Online-Projekts ist »Frau tv«-Redakteurin Verena Lammert verantwortlich, Recher- chen übernimmt Marie Hanrath. Die kurzen Videosequen- zen sind bei Instagram und über die Website von »Frau tv« abruf bar. @maedel sabende i st auch für den Smart Hero Award 2018 nominiert. InderKategorie„Wis- sen und Bildung“ konnte sichMai Thi Nguyen-Kim mit „maiLab“durchsetzen. Die junge Chemikerin und Wissenschaftsjour- nalistin moderiert seit wenigen Monaten die WDR-Wissenssendung »Quarks«. In ihrem funk- YouTube-Kanal „maiLab“ erklärt sie unterhaltsam wissenschaftli- che Zusammenhänge. Ihr Kanal konnte sich auch beim begehrten Publikumspreis durchsetzen. EB Farah Schäfer, Redakteurin Verena Lammert, Naina Kümmel, Clare Devlin und Marie Hanrath (v.r.) nahmen den Preis in der Kölner Flora entgegen. Foto: WDR Medienmenschen 59 58 Medienmenschen Der »Internationale Frühschoppen« und »Der 7. Sinn« sind für immermit seinem Namen verbunden: Egon Hoegen, von 1956 (zunächst beim NWDR) bis 2003 Nachrichtensprecher des WDR, starb 89-jährig am 1. Juni. Eine Momentauf- nahme vonUlrichHarbecke, Schriftstel- ler und langjähriger Leiter derWDR-Pro- grammgruppeReligionundPhilosophie. Theaterstudent in Köln. Man ver- diente sich gern ein paar Mark als Kabel- hilfe im Studio C, damals noch im Keller des Funkhauses, wo Werner Höfer den »Internationalen Frühschoppen« zele- brierte. Die Sendung möblierte den Sonn- tag der Bundesbürger, pünktlich nach dem Hochamt und vor dem Braten. Der duftete schon aus der Küche, denn auch Mutter bestand darauf, wenigstens durch die offene Tür zuzuhören. Für den Kabel- helfer glich das Studio allerdings eher einer verrauchten Kellerkneipe. Die Ansage sprach Egon Hoegen. Scheinbar nur eine „Dienstleistung“, aber manmerkte auf. Man spürte es deutlich: Da nen, klar und präzise, die Kopfhaltung jun- genhaft schräg und zugleich gezügelt, ohne einstudierteManier, ohne jedenHauch von Eitelkeit und nicht im Wettlauf mit dem Teleprompter: Ein Inhaber desWortes, ein Gentleman, fast ein Butler des öffentlich- rechtlichen Fernsehens. Dieser Eindruck blieb frisch. Er bestä- tigte sich in den folgenden Jahrzehntenmit jedem »7. Sinn« und mancher Begegnung im Synchronstudio, nun auch in eigenen Produktionen. Der Profi musste die spon- tane Wahrnehmung des Kabelhelfers in keinem Punkte korrigieren. Egon Hoegen war die „Stimme des WDR“. Die ist nun verstummt, aber er bleibt ein überzeugendes Argument: In diesem Sender und Programm gibt es mehr als Sachverhalte, Nachrichten, Kommentare, GeschichtenundUnterhaltung. Es gibt dort Menschenmit PrägnanzundKontur. Es gibt Stimmenmit Temperament undCharakter. Sie können zumakustischenFingerabdruck werden und sich tief ins Wohngefühl des Zuschauers einmischen. Das tut gut. Dank und Frieden! Ein Foto von Egon Hoegen aus dem Jahr 1986: Der gebürtige Düsseldorfer war vom großen Gustaf Gründgens als Büh- nenschauspieler ausgebildet wor- den, bevor er 1956 seine Laufbahn als Nachrichtenspre- cher begann. Foto:WDR Zwei WDR-Produktionen gewannen Anfang Juni in Berlin Europas bedeu- tendste Auszeichnung für Programmleis- tungen im Bereich Migration, Integration und kulturelle Vielfalt: den CIVIS-Medi- enpreis 2018. Die Gewinner der beiden Sonderpreise „Fußball und Integration“ standen schon vor der festlichenVergabe derCIVIS-Medienpreise Anfang Juni inBerlin fest. Einer von ihnen: Jean Boué, der für seine Dokumentarfilm-Produk- tion „Heimat Fußball –Refugee 11“ ausgezeich- net wurde. Die Koproduktion von DOCDAYS mit demWDR porträtiert die Erftstädter Fuß- ballmannschaft „Refugee 11“ und begleitet die Spieler über eine Saison. Die ausschließlich aus Geflüchteten bestehende Mannschaft kämpft in der untersten deutschen Amateurliga um Erfolg auf dem Platz. WDR-Redakteurin JuttaKrug: „Sie befinden sich imWartezustand, hoffen auf Wohnung und Arbeit, auf die Chance, ein neues Leben beginnen zu können. Bis es soweit ist, trainieren sie dreimal in der Woche und spielen immer sonntags, umwenigstens auf demPlatz zu den Siegern zu gehören.“ Neun Stockwerke neues Deutschland Spannend wurde es am Abend des 7. Juni in Berlin für Reinhard Schneider, einen der 25 Nominierten, und Redakteur Thomas Nach- tigall. Schneiders »DOK 5 Feature« „Neun Stockwerke neues Deutschland“ gewann in der Kategorie „Lange Programme“. Ein Betonklotz aus den 1970er-Jahren, 350 Bewohner, die Hälfte Deutsche, die andere Migrantinnen und Migranten aus über zehn Nationen. Ein Mikrokosmos von Rentnern, Hartz 4-Empfängern, Leuten mit verunglück- ten Lebensentwürfen und immer mehr vor Krieg, Terror und Armut Geflüchteten. Bereits 2010machte Reinhard Schneider die Bewohner dieses Hochhauses inGladbeck zu Protagonis- ten eines Features: „Es ging mir um die Schil- derung einer Gemeinschaft, die nach allgemeinenMaßstäben am sozialen Rand lebt und die mich in ihremkomplexen Zusammen- leben faszinierte.“ Damals betrug der Ausländeranteil im Haus etwa 20 Prozent. Nachdem sich die Zusammensetzung durch Kriegsflüchtlinge und osteuropäische Zuwanderer verändert hatte, kehrte der Autor in das Haus zurück. „Ich hielt diese neue Situation für geeignet, der Aussage der Kanzlerin ‚Wir schaffen das‘ einmal am Beispiel des Hochhauses und seiner Bewohner nachzugehen“, so der Wahlberliner, der 1952 in Gelsenkirchen geboren wurde. Eine Postbotin steht vor 120 Briefkästen mit fremd klingen- den Namen und muss sich von Bewohnern und Hausmeister bei der Suche nach demRichtigen helfen lassen. „Ich verlerne Deutsch hier!“, regt sich Althippie Heinz auf. Ein andermal findet er aber: „Jede Art vonMenschen, ob Zigeuner, ob Eritreer, oder wo die alle herkommen – jeder hat irgendwas zu geben, wat mitzubringen, wat man nicht kennt.“ Zugleich sorgt er sich über den zu gerin- gen Austausch zwischen den Kulturen. Ex-Knacki Chris dagegen kommt mit allen im Haus klar: Er repariert die Fahrräder der Kinder und kifft ab und zu mal einenmit ihren Vätern. „Mir war wichtig, neben den ernstenAspekten demGanzen eine gewisse Leichtigkeit zu verleihen. Viele Situationen, die ich in dem Hochhaus erlebte, waren verdreht, absurd und zugleich oft witzig und geprägt von Zuwendung und Hilfsbereitschaft“, erklärt Schneider. „Vermeiden wollte ich auf jeden Fall ein sogenanntes Betroffenheits-Feature.“ „Neun Stockwerke neues Deutschland“ ist ein Kaleidoskop unterschiedlichster Impressi- onen, das negative Seiten nicht ausspart: Alko- hol, Drogen, Prostitution oder die sogenannte „rumänischeKündigung“: Familienmachen sich aus dem Staub und hinterlassen Mietschulden und eine verwüstete Wohnung. „Kurzweilig, sehr lebendig – immer auf Augenhöhe mit seinen Protagonis- ten“, urteilte die CIVIS-Jury und zeichnete das Feature mit dem Radiopreis in der Kategorie „Lange Programme“ aus. Christine Schilha WDR 5 »DOK 5 das Feature« Neun Stockwerke neues Deutschland In der Mediathek: wdr.de/k/dok5-neun-stockwerke Video zum Radiofeature: wdr.de/k/video-neun-stockwerke Reinhard Schneider freut sich über den Preis für sein DOK 5 Feature. Festliche Preisverleihung in Berlin (v. l.): Ralf Köttker (DFB), Friederike Behrends (Bolly Good), Sandra Maischberger, Cacau (DFB-Integrationsbeauftragter) und die Preisträger des Europäischen CIVIS Son- derpreises, Jean Boué (WDR), Clemens Stolzenberg und Antje Boehmert. Fotos: WDR/Kohr Egon Hoegen † Er war die Stimme des WDR war viel mehr. Die Themen und Diskutan- tenwechselten. Man beleuchtete Aktuelles von dieser oder jener Seite, fuhr sich in die Parade, fügte sich am Ende widerstrebend oder willig dem gedrechselten, manchmal geschwurbelten Schlusssatz des Gastge- bers. Aber das war noch nicht alles. Es kam noch die Absage. Diese Stimme und dieses Gesicht waren das Kontinuum, die Konstante, die dem Quiproquo der Journalisten voraus- ging und die es freundlich und bestimmt beendete. Diese Stimme, reich an Obertö-

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