WDRprint September 2018

20 Unsere moderne Demokratie nahm 1789 ihren Anfang. Skrupelloser Populismus, unversöhnliche politische Fronten und erbitterte Machtkämpfe drohten ihr damals wie heute. Das opulente WDR 3-Hörspiel „Brüder“ nach dem Roman von Hilary Mantel erzählt die Geschichte der franzö- sischen Revolution entlang der Biografien Dantons, Robespierres und Desmoulins‘. Roman „Brüder“ wie auch die Hörspiel- Adaption des WDR erzählen davon sehr nah an ihren ebenso gegensätzlichen Protagonisten. Walter Adler inszeniert „Die Charaktere der drei Revolutions- helden werden dabei äußerst plastisch und nie schwarz-weiß gezeichnet“, sagt Redak- teurin Isabel Platthaus. Dem Regisseur und Autor Walter Adler sei eine „packende Hör- spielserie“ gelungen, die vielmit unserer Zeit zu tun habe: „Auch heute leben wir in einer Zeit der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche.“ Die wachsende Kluft zwischen Arm undReich, da seiensichvieleExperteneinig, stelledas größteProblemderGegenwart und Zukunft dar, erklärt Adler. Im Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts lebte der Adel in einem Paralleluniversum, bezahlte keine Steuern und ließ das Volk für seinen Lebensstandardbluten. Zwar lebenwir nicht mehr imFeudalismus, doch heute bezahlen Großkonzerne keine Steuern auf ihre Milli- ardenprofite,währendNormalverdiener sich BRÜDER Enthauptungen wie am Fließband, aufgespießte Köpfe, herausgerissene Her- zen – die Abschaffung des feudal-abso- lutistischen Ständestaats war begleitet von unvorstellbarer Grausamkeit. Am 26. August 1789 verkündete die franzö- sische Nationalversammlung die Erklä- rung der Menschen- und Bürgerrechte und läutete damit ein neues, ein aufge- klärtes Zeitalter ein. Einigen Menschen jedoch wurden diese Rechte nicht zuge- standen: Juden nicht, Protestanten nicht, Schauspielern nicht und Frauen sowieso nicht. Die Geschichte der französischen Revolution ist eine Geschichte der Wider- sprüche und Gegensätze. Hilary Mantels

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