WDRprint September 2018

Foto: WDR/Marketing/Franzen 40 Fast 28 Jahre liegt es zurück, das Atten- tat auf Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble. Während einer Wahlkampfver- anstaltung in einer Gaststätte in Oppenau hatte ein psychisch kranker Mann auf den CDU-Politiker geschossen und ihn dabei so schwer verletzt, dass Schäuble seitdem auf den Rollstuhl angewiesen ist. Ein schwe- rer Schicksalsschlag. Schicksal lautet auch das erste Thema der neuen Konzertreihe des WDR Sinfonieorchesters: »Musik im Dialog« steht für Themen aus der aktuel- len politischen oder gesellschaftlichenDis- kussion, die inDialogmit einemklassischen Konzertkanon treten. In Kooperation mit den Hörfunkwellen WDR 3 und WDR 5 führen Prominente als Gastredner in das jeweilige Thema des Abends in der Kölner Philharmonie ein. Den Auftakt macht am 29. September Dr. Wolfgang Schäuble mit seinemVortrag zumThema „Schicksal“, der den Bogen schlägt zu Beethovens „Schick- salssinfonie“ und derOuvertüre zuGoethes Freiheitsdrama „Egmont“. Das Sinfonieor- chester wird dirigiert vonMarek Janowski. Von Schirach und Blaubarts Burg „Der Täter inDir“ heißt die zweiteAus- gabe von »Musik imDialog« am13. Aprilmit Ferdinand von Schirach. „Dichtung und Wahrheit“ lautet das Vortragsthema des Strafverteidigers und Schriftstellers, der in seinen Büchern menschlichen Grund- konflikten nachspürt. Das Sinfonieorches- ter unter Leitung von Jukka-Pekka Saraste flankiert den Abend mit zwei großen Kri- minalfällen der Opernliteratur – beginnend mit der Leonoren-Ouvertüre vonBeethoven. Béla Bartóks Oper „Herzog Blaubarts Burg“ setzt denSchlusspunkt. AnbeidenAbenden führtWDR 5-Moderator Uwe Schulz durch das Programm. Mit dem ungewöhnlichen Format betritt das Sinfonieorchester Neuland. „Die Idee ist aus demWunschheraus entstanden, WDR 3 und WDR 5 SA / 29. September / 20:00 »Musik im Dialog« Live aus der Kölner Philharmonie MUSIK IMDIALOG Eine neue Konzert­ reihe setzt be­ rühmte Werke der Klassikmit Gedanken zeitgenössischer Persönlichkeiten in den Dialog. anspruchsvolle Musik mit anspruchsvol- lemWort zusammenzubringen, berühmte Werke der Klassik mit bekannten Per- sönlichkeiten“, sagt Orchestermanager Siegwald Bütow. „Bisher waren es unsere Zuhörer gewohnt, Musik absolut zu hören, also losgelöst von ihren Kontexten. Dabei gibt es auch aus Sicht großer Komponisten durchaus eine Verbindung.“ Bestes Beispiel sei dabei Beethovens 5. Sinfonie, die er in einer existentiellen Situation verfasste: in einer Zeit, in der er sein Gehör verlor. „Wir wollen mit unserer neuen Reihe ein spezielles Publikum ansprechen“, erklärt Siegwald Bütow, „ein Publikum, das sich auch für Literatur, für das Wort inte- ressiert. Dahingehend ist es ein innovati- ves, ein anspruchsvolles Format.“ Von dem auch Ulrich Horstmann als verantwortli- cher WDR 5-Redakteur überzeugt ist: „Die Hörer werden vielleicht zunächst irritiert sein, aber es wird eine positive Irritation sein. Denn Musik erscheint hier in einem anderen Licht.“ Und die Zuschauer sollten mit dem Gefühl nach Hause gehen, bei „etwas Besonderem“ dabei gewesen zu sein. »Musik im Dialog« soll in der Saison 2019/2020mit vierweiterenKonzertabenden fortgesetzt werden. Mögliche Themen: Spi- ritualität, Frauenbilder sowie Tradition und Moderne. Christian Schyma Dr. Wolfgang Schäuble nimmt als Erster den Dialog mit den WDR-Musikern auf. Foto: DPA

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