WDRprint September 2018

46 Sport Im Schnitt über zwei Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von knapp 16 Prozent, am letzten Tag mit über fünf Millionen fast genauso viele wie zeitgleich bei „König Fußball“ im Supercup, dazu begeisterte Sportler: Die von der European Broadcasting Union (EBU) initiierten und von ARD, ZDF und BBC unter- stützten European Championships in Berlin und Glas- gow waren ein großer Erfolg für alle Beteiligten. Aus dem WDR-Team war Johannes Krause, verantwort- licher Redakteur für Leichtathletik, in Berlin dabei. Christian Schyma sprachmit ihm. Wie haben Sie die Stimmung empfunden? Die Begeisterung am Breitscheidplatz und rund um das Olympiastadion hatte durchaus olympische Qualität. Die Stimmung war fantastisch. Das Berliner Publikum hat große sportliche Sachkenntnis. Welche waren für Sie besondere Momente? Sehr anrührendwar fürmichder Sieg vonMateusz Przybylko im Hochsprung. Das war Gänsehaut pur. Dann natürlich das EM-Gold vonHindernisläuferin Gesa Krause am Schlusstag, das Silberrennen von 100-Meter-Läuferin Gina Lückenkemper und das überlegene Speerwurf-Team. Worin lagen die Schwierigkeiten, eine sportliche Großveranstal- tung an zwei Orten über die Bühne zu bringen? Das war sowohl zeitlich als auch inhaltlich eine Herausfor- derung, sich an die jeweiligen Abläufe vor Ort anzupassen. Wie entscheidet man, wo die Priorität gerade liegt? Ist eine Medaillenentscheidung beim Bahnradwichtiger als eineQua- lifikation in der Leichtathletik? Undnatürlich lässt sich imSport der zeitliche Ablauf nicht genau planen, damussmankurzfristig reagieren. Da helfen Erfahrung, gute Nerven und eine ruhige, respektvolle Kommunikation. Das ARD-Team ist olympiaerprobt. Inwieweit waren diese Erfah- rungen hilfreich? Wir haben im International Broadcast Center am Olympia- stadionmit demProduktions-Equipment für Großereignisse gear- beitet. Somit kannman die Produktionsbedingungen der Champi- onships durchaus mit Olympia vergleichen. Man muss ja genauso zwischen mehreren Sportarten hin und her schalten. Ohne die Erfahrung vieler Kollegen, die schon einigeOlympische Spiele hin- ter sich haben, wäre es vermutlich nicht so reibungslos verlaufen. Die Berichterstattung im Vorfeld war eher bescheiden, das Sommerwetter ein zusätzlicher Konkurrent. Warum haben die European Championships dennoch so viele Zuschauer vor den Fernseher gelockt? Viele Menschen sehen gerne Sport im Fernsehen und eben nicht nur Fußball. Wir haben den ganzen Tag über gesendet, da sind die Zuschauer irgendwann mal eingestiegen. Sie wurden angezogen von der Vielfalt des Sports, von jungen Sportlern, die authentisch und total für ihren Sport begeistert wirkten. Die außerdem bereit und in der Lage waren, sich differenziert zu äußern. Das spüren die Zuschauer. Wo gibt es dennoch Verbesserungspoten- ziale? Eindeutiges Ziel sollte sein, die Championships künftig nur in einer Stadt auszutragen. Und die Überlegun- gen der Veranstalter, Golf durch eine Mannschaftssportart zu ersetzen, und zusätzlich eine urbane Disziplin ins Programm zu nehmen – Parcours zum Beispiel –, erscheinen sinnvoll. ARD-Teamchef Carsten Flügel kann sich eine Neuauflage vorstel- len. Wie beurteilen Sie die Chancen dafür? Ich war ehrlich gesagt überrascht, dass die Championships in diesemMaße funktioniert haben. Am Ende sind sie zu einem tollenGesamtereignis geworden. Deshalb sollte man sie auf jeden Fall fortführen. „Tolles Gesamtereignis“ Das deutsche Gesicht der Leichtathletik: Gina Lückenkemper, hier nach ihrem Silber­ medaillengewinn im 100-Meter-Lauf Foto: imago/Laci Perenyi „Man sollte die European Championships auf jeden Fall fortführen.“ WDR-Sportredakteur Johannes Krause Foto: privat

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