WDRprint November 2018

21 20 Gesellschaft Gesellschaft Vor etlichen Häusern in Deutsch- land erinnern kleine Messingta- feln, eingelassen im Bürgersteig, an die Opfer des Nationalsozia- lismus: die „Stolpersteine“. Nach diesemVorbild produzierenWDR 5 und COSMO zusammen mit Schülern kurze Stücke fürs Radio. HÖR STOLPER STEINE Nele testet das Mikrofon. „Sag mal was!“, und Leonie redet drauf los. Nele soll nun Falco interviewen, aber das ist gar nicht so einfach: „Wie soll ich denn anfangen?“, überlegt sie. Die Schüler sitzen auf der Treppe vor dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Die Zeit drängt, also übernimmt Falco das erste Interview, und Nele macht das nächste. „Willkommen bei COSMO!“, sagt er ins Mikrofon, und dann erzählt Leonie von ihrem Besuch im Stadt- archiv und von der Frau, mit der sie sich dort näher beschäftigt hat: Elise Joschkowitz, die imKZ Theresienstadt ums Leben kam. Nach dem kurzen Interview senken sich drei Schülerköpfe über das Mikrofon. Wo war noch mal die „Stopp“-Taste? Später, beim gemeinsamen Abhören aller Interviews, ist für Dozentin Nele Posthausen wichtig, welche Informationen die Jugendlichen für die kurzen Interviews ausgewählt haben. Mit die- sen erstenMikrofonerfahrungenmöchte die Journalistin die 15- bis 17-Jährigen an dasMediumRadio heranführen und vermitteln, wie „Storytelling“ funktioniert:Wie entscheide ich, waswichtig ist?Und wie mache ich aus den Fakten eine spannende Radiogeschichte? Nele Posthausen arbeitet als freie Journalistin für dasWDR- Radioprogramm, und sie ist Medientrainerin. Mit neun Schülern aus BergischGladbach produziert sie „Hörstolpersteine“. Posthau- sen: „Das sind kurze Beiträge über die Biografien von Opfern des Nationalsozialismus, die die Schüler selbst sprechen.“ Sie werden unvermittelt imProgramm vonWDR 5 und COSMO auftauchen. „Durch die jugendlichen, nicht-professionellen Sprecherstim- men undMut zur Stille sollen die Beiträge sich vomRest des Pro- gramms abheben, dieHörer irritierenund somit aufhorchen lassen – als kurze Schlaglichter der Erinnerung, wie auf der Straße auch“, fügt sie hinzu. Die „Hörstolpersteine“ sind den Gedenktafeln von Gunter Demnig nachempfunden: Er hat sie mit Namen und Daten von Verfolgten der NS-Zeit versehen und in Bürgersteige eingelassen, jeweils vor dem letzten selbst gewählten Domizil der Opfer. Die Radio-Miniaturen werden am 9. November, dem 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, in WDR 5 und COSMO gesendet. ➔ „Sie haben ein Andenken verdient.“ Die AG zum Projekt Hörstolpersteine mit Catalina, Falco, Jonathan, Nele, Eda, Anni, Benedikt und Hanna (v.l.), Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Bergisch Gladbach Diese beiden Stolpersteine sind in Bergisch Gladbach vor dem Haus Bensberger Straße 188a in den Bürger- steig eingelassen. Fotos: WDR/Zanettini

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