WDRprint Dez. 18 + Jan. 19

Die Prinzenprokla- mation Anfang Januar im Festsaal Gürzenich ist das höchste gesellschaft- liche Ereignis in der Domstadt. Keine Frage also, dass sie auch ein Höhepunkt in der WDR- Karnevalsbericht- erstattung ist. WDR FERNSEHEN SO / 13. Januar / 20:15 Uhr Die Prinzenproklamation aus dem Kölner Gürzenich Am 11.11.1948 stellte Karl Berbuer sein berühmtes Karnevalslied „Wir sind die Ein- geborenen von Trizonesien“ vor. Die Idee für denMarsch-FoxhatteBerbuerbereits 1947. Er saß in der Nähe des Kölner Doms in einem Restaurant, als dort über die von Briten und Amerikanern besetzte so genannte Bi-Zone gesprochen wurde. Jemand aus der Runde erwähnte die Wortschöpfung „Bizonesien“. Berbuer vermutete, dass es wohl bald zu einem Zusammenschluss mit der französi- schenZone kommenwerde, undkreierte das Wort „Trizonesien“. Das Lied, das den Alltag im Nachkriegsrheinland beschreibt, wurde zumKarnevalshit. Kuckelkorn und Lavassas moderieren In diesem Sommer nahm sich die »Lokalzeit Köln« Berbuers Song vor – und textete neu. Tenor Dirk Schmitz, Mitglied des WDR Rundfunkchors, singt auf die Trizonesien-Melodie: „Wir sind die Einge- borenen von Cologne. Wir sind echte Plan- verächter und bauen noch viel schlechter.“ Der neue Song blickt augenzwinkernd auf das Baustellenchaos inKöln – undwurde in den sozialenNetzwerkenzahlreichgeklickt. DirkSchmitz, der es als „großeEhre“ empfin- det, singt das Berbuer-Remake, begleitet von einemQuartett desWDR Funkhausorches- ters bei der Prinzenproklamation. Und spä- ter dann noch eine Version des Ostermann- Klassikers „HeimwehnachKöln“, arrangiert für Streichquartette. Zu guter Letzt gibt es bei der diesjäh- rigen Pripro noch eine vierte Neuerung. Erstmals führen gleich zwei Größen des Karnevals durch die Veranstaltung: Neben dem Vorsitzenden des Festkomitees Kölner Karneval 1823, ChristophKuckelkorn,mode- riert imGürzenichKatjaLavassas, ur-kölsche Puppenspielerin beim traditionsreichen Hänneschen -Theater.Unddarüber freut sich ChristophKuckelkornganzbesonders, passt es dochgut zumdiesjährigenSessionsmotto: „Uns Sproch es Heimat“. Tobias Zihn WASWIEN DER OPERNBALL, ISTKÖLNDIE PRIPRO Das Dreigestirn und Christoph Kuckelkorn (2. v. l.) zu Gast bei Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki (2. v. r.) Foto: dpa/Galuschka WDR-Tenor Dirk Schmitz tritt mit seinem aktuellen Überraschungs-Hit „Wir sind die Eingeborenen von Cologne“ auf. Foto: WDR/Maurer Katja Lavassas, hier als Sitzungspräsidentin bei der Premiere der Immisitzung in Köln, führt erst- mals zusammen mit Christoph Kuckelkorn durch die Pripro. Foto: dpa/Kaiser fand erst 1956 wieder eine Pripro statt – und dawar dann auch das TVmit von der Partie, nachdemdasWDRFernsehenein Jahr zuvor die erste Karnevalssitzung gezeigt hatte. Drei Gestirne, drei Karnevalsgesellschaften In der diesjährigen Session gibt es zahlreiche Neuerungen – auch und gerade bezüglich der Prinzenproklamation. Kam das Dreigestirn in den vergangenen Jahren aus derHofburg „PulmanHotel“ indenGür- zenich, haben Prinz, Bauer und Jungfrau in diesem Jahr einen kürzeren Weg. Es gibt nämlicheineneueResidenz: BisAschermitt- wochhaltendieTollitäten imnahegelegenen Dorint Hotel Hof. Außerdemkehrt das Fest- komitee Kölner Karneval 1823 zu einer alten Tradition zurück. Erstmals seit 1955 kommt das Dreigestirn nicht aus einer, sondern aus drei Karnevalsgesellschaften: Prinz Marc I. (MarcMichelske) hat seine karnevalistische Heimat bei der KG Schlenderhaner Lumpe von 1963. Bauer (Markus Meyer) ist Präsi- dent der Großen Allgemeinen KG von 1900 Köln, während JungfrauCatharina (Michael Everwand)dieFarbenderLesegesellschaft zu Köln von 1872 vertritt. „Das stellt auch uns vor eine besondere Herausforderung“, sagtCarstenWiese.Nicht alle Vertreter der drei Gesellschaften finden imGürzenichPlatz. Die Lösung: „Wir haben kurzerhand entschieden, einenLive-Stream aus demGürzenich in dieHofburg zu schal- ten. So sind allemit dabei, wenn das Dreige- stirn inthronisiert wird.“ Wenn in Kölns guter Stube, dem Gür- zenich, alljährlich Anfang Januar die feierli- che Prinzenproklamation stattfindet, dann sucht man den Lappenclown, den Cowboy oder den Indianer vergebens. Denn bei der Pripro, wie die Kölner die Amtseinführung des Dreigestirns liebevoll nennen, bleiben die Kostüme im Schrank. Nur Prinz, Bauer und Jungfrau sind imOrnat. „Streng genom- men ist die PrinzenproklamationkeineKar- nevalsveranstaltung. Sie ist vielmehr das höchste gesellschaftliche Ereignis Kölns“, sagt WDR-Redakteur Carsten Wiese. „Das bedeutet natürlich: Herren kommen im Frackoder Smoking, Damen imGala-Abend- kleid. Was Wien der Opernball ist, ist Köln die Prinzenproklamation.“ Seit drei Jahren sorgt Carsten Wiese dafür, dass dieses „Hochamt“ auch gebüh- rend im WDR Fernsehen abgebildet wird. „Die Pripro ist einer der Höhepunkte der WDR-Berichterstattung während der Kar- nevalssession.“ 1936 fand inKöln die erste Prinzenpro- klamationstatt –unddas auf der „Schäl Sick“, nämlich inderDeutzerMesse. Schondamals war dasRadiomit dabei. Danach zogman in denGürzenich.NachdemZweitenWeltkrieg 29 28 Unterhaltung Unterhaltung

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