WDRprint Dez. 18 + Jan. 19

57 56 Hörspiel 1162 Seiten, ein riesiges Figuren-Tableau, 50 Jahre Geschichte – Ken Folletts Histo- rienroman „Das Fundament der Ewigkeit“ war eine Herausforderung für Dramaturg, Regisseur und Kom- ponist des gleich- namigen Hörspiels. Das Ergebnis ihrer Arbeit hören Sie Weihnachten. Maria Stuart beschreibt der Komponist mit zer- rissenen Klängen von Streichern und Oboe. Sie ist für ihn die Gehetzte. DAS FUNDAMENTDER EWIGKEIT Das Foto enstand bei der Buch- präsentation von „Das Fundament der Ewigkeit“ im „Infanta Isabel Theater“ in Madrid. Ken Follett (3. v. r.) verarbeitet in seinem Roman die Glaubenskämpfe im Europa des 16. Jahrhunderts. Foto: imago/ZUMA Press Rainer Quades Kompo- sition spielte das WDR Funkhausorchester ein. Foto: Fahri Sarimese Die Liebe vonNed undMargery klingt federleicht, sehnsüchtig, voller Verheißung. Doch auch Schmerz ist zu erahnen. Diese große Liebe ist eines der Hauptthemen des Hörspiels, und ebenso groß sollte auch die Musik klingen. Komponist Rainer Quade erinnert sich an einen schwierigen Ent- stehungsprozess, als es darum ging, die großen Gefühle der beiden in Noten zu übersetzen: „Da habe ich gekämpft!“ Er überlegte sich, wie Margery und Ned wohl ausgesehen haben könnten, und recherchierte entsprechende Bilder, um einen Zugang zu ihnen zu bekommen. „Wenn ich die Musik für die beiden komponiere, dann muss ich ebenso verliebt sein wie Ned“, sagt er. „Um ein Gefühl über die Musik weiter- zugeben, muss man auf sein emotionales Gedächtnis zurückgreifen können. Nur dann vermittelt es sich dem Hörer.“ Rainer Quade hat die Musik zum WDR-Hörspiel „Das Fundament der Ewig- keit“ nach dem gleichnamigen Roman von der bereits die Musik zum WDR-Hörspiel „Die Tore der Welt“ komponierte. „Da bleibt dann nicht so viel, heute hört man in herkömmlichen Soundtracks vor allem Klavier und E-Gitarre.“ Als rhythmusge- bende Instrumente wählte er Cembalo und Harfe aus. Außerdem kamen Laute, für höfische Klänge Blockflöte und Gambe, ein historisches Streichin- strument, zum Einsatz. Eingespielt hat seine Kompositionen das WDR Funkhausorchester unter der Lei- tung von Enrico Delamboye. Der erste Geheimdienst Das Hörspiel inszenierteWDR- Regisseur Thomas Werner, der auch dieBuchvorlage bearbeitete, die stolze 1162 Seitenumfasst. Umdaraus einHörspiel mit sechs Teilen à 53 Minuten zu produzie- ren, durften es jedoch nicht mehr als 200 Seiten Text sein. Eine Herausforderung für ThomasWerner undRedakteur undDrama- turg Thomas Leutzbach. „Follett beschreibt alles sehr detailgetreu, schildert beispiels- weise auf 10bis 15 Seitendie Bewaffnung der Schiffe in einer Seeschlacht“, erklärt Wer- ner. Nach Verzicht auf diese Ausführungen sei das Skript immer noch zu lang gewesen, daher habeman auch einzelne Handlungs- stränge kürzenund streichenmüssen. „Uns war es wichtig, die Geschichte der vier Hauptfiguren plus die Verquickung mit der Zeitgeschichte der Glaubenskämpfe zu erzählen“, sagt Thomas Leutzbach. Es geht umNedWillard, der seine große LiebeMar- gery nicht heiraten kann und seine Heimat Kingsbridge verlässt, umfürElisabethTudor zu arbeiten. Als sie Königin Elisabeth I. wird, baut sie mit Neds Hilfe den ersten Geheimdienst des Landes auf, auch um ihre Vision eines religiös toleranten Staates zu schützen. Neds gefährlichster Gegenspieler ist der Franzose Pierre Aumande, der die Sache der Katholikenunterstützt undMaria Stuart auf den englischen Thron bringen will. Vier Erzähler wurden eingebaut: Jür- genThormann undRegine Vergeen für den Teil der Geschichte, der in England spielt, Stefan Kaminski und Regina Lemnitz für Frankreich. „So kann man sich trotz der zahlreichen Wechsel zwischen England und Frankreich orientieren, woman gerade ist“, sagt Thomas Werner. 95 Sprecherrollen Trotz der Kürzungen gibt es immer noch zahlreiche Personen in der über 50 Jahre umfassenden Geschichte. 95 Sprechrollenmussten Ulrich Korn vom Besetzungsbüro des WDR und der Regis- seur besetzen. „Wir haben vor allem mar- kante und gut unterscheidbare Stimmen gesucht“, erklärt Werner. Die handelnden Personen vermitteln sich außerdem über die Musik. Kompo- nist Rainer Quade schuf für jeden Prota- gonisten ein Leitmotiv. Maria Stuart etwa beschreibt er mit bewegten, zerrissenen Klängen von Streichern und Oboe, denn: „Sie ist für mich die Gehetzte, die immer auf der Flucht ist, immer an den falschen Ken Follett komponiert, das in sechs Teilen täglich vom25. bis 30. Dezember inWDR 5 erzählt wird. Es beginnt im Jahr 1558 und nimmt dieHörerinnen undHörermit nach Kingsbridge, in die Zeit der Auseinander- setzungen zwischen Katholiken und Pro- testanten. Die Zeit, in der das Stück spielt, bestimmte auch das Instrumentarium, das demKomponisten für dieMusik zur Verfü- gung stand. „Ausgeschlossenwar, dass wir Klavier verwenden, da es nicht das Instru- ment der Renaissance ist“, betont Quade, Das Fundament der Ewigkeit WDR 5 DI – SO / 25. – 30. Dezember / 15:05 (WH 22:05, am 29.12. um 23:05) Download unter www.wdr5.de Mann gerät.“ Der dunkle Spiegel zu Ned Willard ist der Franzose Pierre Aumande. Für ihn stehen hohe Fagott-Töne, die leicht „gequetscht“ klingen: „Ein kleiner Empor- kömmling, der sich in teure Klamotten ‚presst‘, um in den Adelsstand vorzudrin- gen.“ Pierre ist skrupellos und gefährlich. Rainer Quade schrieb ihm daher noch ein Seitenmotiv: „Es soll eine bedrohliche, bei- nahe apokalyptische Stimmung erzeugen.“ Unter www.wdr5.de wird es ein Per- sonenregister geben, in dem Namen und Lebensläufe der wichtigsten Charaktere nachzulesen sind. Dort kann man das Hörspiel auch anhören und downloaden. Katrin Pokahr

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