WDRprint Dez. 18 + Jan. 19

63 62 Nachruf Medienmenschen Der WDR trauert um Bernd Müller, ein Urgestein des Senders. Der Journalist prägte über Jahrzehnte das Programm des WDR Fernsehens. Ein Nachruf von Ulrich Deppendorf, früherer WDR- Fernsehdirektor und bis 2015 ARD- Chefredakteur und Leiter des ARD- Hauptstadtstudios. BerndMüllerwardas landespolitische Gesicht desWDRFernsehens. Einerstklas- siger politischer WDR-Korrespondent im Studio Düsseldorf in den 70er-Jahren, Chef der Landespressekonferenz, geachtet von Kollegen, Politikern und vor allen Dingen von den Zuschauern. Immer bestens infor- miert, bestens vernetzt, seinen Gesprächs- partnern zugewandt, kritischnachfragend; erachteteseinGegenüber,auchwenndessen Positionen ihmnicht gefielen. Meister der Gesprächsführung Mit seiner Art der Gesprächs- führung holte er oft mehr aus seinen Interview-Gästen an Überraschendem, an Neuigkeiten und Interessantem her- aus als viele Talkmaster der heutigen Zeit. Und so war es kein Wunder, dass Bernd Müller nach seiner Zeit als politi- scher Korrespondent einer der ganz frü- hen Talkmaster des Fernsehens wurde: »Wochenend in Düsseldorf«, »mittwochs Live« und »Müller live« . Er wurde dabei auch zum Entdecker von Talenten wie Harald Schmidt, Konrad Beikircher und Thomas Freitag und vielen anderen – in seinen Sendungen hatten sie ihre ersten TV-Auftritte. Bernd Müller war ein Mann der Aktualität, ein Reporter durch und durch. Er leitete den Klassiker der regio- nalen Information: »Hier und heute«. Viel bedeutete ihm »Hier und heute unter- wegs« –mit dieser Sendungwollte er dem Publikumdas LandNordrhein-Westfalen näherbringen. Bernd Müller wurde mit diesen Sendungen immer mehr zu einem WDR-Markenzeichen. Sein größter Erfolg aber war »Wun- derschönes NRW«. Seine Oldtimer-Fahr- ten im roten Bugatti durch das Binde- strichland zeigten: Dieser Mann liebte das Land, er liebte dieMenschen. Die Sendung wurde eine Fernsehlegende. BerndMüller war mutig. Nicht nur bei seinem Fallschirmsprung für »Hier und heute unterwegs«. Er war mutig, wenn es hieß, mal schnell eine neue Nachrichten- sendung imDrittenProgrammaufzubauen. »Journal 3«, jeden Abend 15 Minuten – drei Redakteure, ein Jungredeakteur, zwei Sekre- tärinnen – Müller schaffte das. Er schaffte das auch, weil er seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertraute – auch uns Jün- geren. Er ließ uns machen, er gab Tipps, er kritisierte, er förderte uns –mit Geduld und Verständnis, wenn wir Jungsporne Fehler fabrizierten. Ohne ihn hätten viele von uns nicht die Karriere machen können, die sie später gemacht haben. Das gilt auch für mich. In einem roten Bugatti erkundete er für die Zuschauer das Land. Bernd Müller starb Ende September. Er wurde 78 Jahre alt. Foto: WDR/Michel BerndMüllerwarbescheiden.Dengro- ßenAuftritt als Fernsehstar wollte er nicht, erbrauchteihnauchnicht:Erwareseinfach. VonderTV-Hektikbenötigte er immerwie- der eine Auszeit – er suchte dann die Stille und Ruhe in einemKloster imSauerland. Ein Neusser durch und durch Bernd Müller war Neusser, durch und durch, obwohl in Düsseldorf gebo- ren. Er und Neuss – das wurde eine große Liebe. Die Neusser mochten ihn, diesen fröhlichen, denMenschen zugewandten, bescheidenden Fernsehmann. Er genoss den Besuch beim Italiener in der Stadt, er ruderte gerne auf dem Rhein, und er freute sich jedes Jahr auf das Treffen mit geistig behinderten Kindern. Er war ein feiner Kerl! „Er war das landespolitische Gesicht des WDR“ Der Rundfunkrat ist dem Vorschlag von Intendant Tom Buhrow gefolgt und hat die beiden WDR-Programmdirektoren Valerie Weber und Jörg Schönenborn im Amt bestätigt. Deren große Aufgabe in den kommenden Monaten und Jahren: die konsequente Zusammenarbeit von Fernsehen, Hörfunk und Internet zu stärken und die digitalen Programman- gebote des WDR auszubauen. Der Rundfunkrat des WDR hat Hör- funkdirektorin Valerie Weber (52) und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn (54) für jeweils fünf weitere Jahre wiederge- wählt. „Die Wahlergebnisse zeigen den großen Rückhalt der Programmverant- wortlichen imWDR-Rundfunkrat“, sagte der Vorsitzende Andreas Meyer-Lauber nach der Wahl am 30. Oktober. Valerie Weber und Jörg Schönenborn sind beide seit Mai 2014 im Amt. Als Hörfunkdirek- torin verantwortet Valerie Weber acht analoge und digitale Radioprogramme sowie die beiden WDR-Orchester, die Big Band und den Chor. In Jörg Schönenborns Verantwortungsbereich liegen das WDR Fernsehen, der Sender ONE und zahlrei- che ARD-Sendungen. „Mehr Publikum erreicht“ Mit der Wahl von Valerie Weber und Jörg Schönenborn folgte der Rundfunkrat den Personalvorschlägen vonWDR-Inten- dant Tom Buhrow: „Ich freue mich, dass Valerie Weber und Jörg Schönenborn ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen können.“ Beide hätten in den vergangenen Jahren ihre Programme strategisch neu ausge- richtet und so mehr Publikum und neue Zielgruppen erreicht. „Diesen Kurs werden sie ausbauen“, so Tom Buhrow. Neue Organisationsstruktur Wichtiger Schritt auf diesem Weg: die konsequente Zusammenarbeit von Fernsehen, Hörfunk und Internet. So soll mehr Raum für neue lineare und digitale Programmideen entstehen, um mehr Menschen auf mehr Wegen zu erreichen. Dabei soll eine neue Orga- nisationsstruktur für die beiden Pro- grammdirektionen helfen, die der WDR als wichtigen Schritt auf dem Weg des digitalen Wandels sieht. In Zukunft soll es vielfach keine klassischen Fernseh- und Hörfunkredaktionen mehr geben, sondern crossmediale Ressorts, die alle Verbreitungswege mit Inhalten bedie- nen. Damit ordnen sich auch die Zustän- digkeitsbereiche der wiedergewählten Direktoren neu. Wichtige Etappen auf dem bisheri- gen Weg des Umbaus des WDR waren die Einrichtung des „Sterns“ in Düsseldorf, der Start der crossmedialen Pilotprojekte „Sport“, „Wirtschaft und Verbraucher“ und „Wissenschaft“ sowie die Entscheidung, die aktuelle Berichterstattung im neuen crossmedialenMedienhaus inKöln zu bün- deln und für die Zeit bis zur Fertigstellung einen Interims-Newsroom einzurichten. Die neuen Verträge von ValerieWeber und Jörg Schönenborn gelten – vorbehalt- lich der Zustimmung des Verwaltungsrats – bis 30. April 2024. svs Personalien Frank Schneider (56), Abteilungsleiter Produktion Musik, ist vom Präsidium des Deutschen Musikrats in den Projektbeirat Jazz berufen worden, einem Gremium, des- sen Aufgabe vornehmlich die Unter- stützung des Bundesjazzorchesters ist. Dabei berät der frühere Manager des Leipziger Gewandhausorchesters den renommierten Klangkörper sowohl bei der Programmgestaltung und Solisten- auswahl als auch bei der Akquise von Konzerten und Tourneen. Der neue Bei- rat hat sich Mitte November zu seiner ersten Sitzung getroffen. Schneider, der viele Jahre als recor- ding producer mit der RIAS Big Band und derWDR Big Band arbeitete, kennt das „BuJazzO“ schon lange. Im vergan- genen Juni unterstützte er das Bundes- jazzorchester beim Konzert zu seinem 30-jährigen Bestehen in der Kölner Philharmonie, an dem auch der US- amerikanische Jazz-Trompeter Randy Brecker teilnahm. Mit Jiggs Whigham, einem der langjährigen Dirigenten des Ensembles, stand er mehrfach gemein- sam auf der Bühne. Mathias Hoheisel (56), Leiter der Pro- grammgruppe Produk- tionWort, ist seit April neuer Geschäftsführer des Vereins Deutscher Hörbuchpreis. Seine Au fgabe in d ieser Funktion sieht er vor allem darin, den Hörbuchpreis attraktiv zu halten und populärer zumachen. Nachdem sich die WDR mediagroup nicht mehr an dem Preis beteiligt, will er ihn finanziell auf eine andere Basis stellen und einembrei- teren Publikum bei der Preisverleihung öffnen. Aus etwa 250 Hörbüchern wählt eine unabhängige Jury jedes Jahr die Siegertitel in sechs Kategorien aus. Die Preisverleihung findet am 19. März 2019 imKölner Funkhaus statt und wird von WDR 5 und in der ARD gesendet. EB WDR-Programmdirektoren für weitere fünf Jahre wiedergewählt Mehr Raum für Innovationen Hörfunkdirektorin Valerie Weber, Intendant Tom Buhrow und Fernsehdirektor Jörg Schönenborn (v. l.) Foto: WDR/Borm Foto: WDR/Fußwinkel Foto: WDR/Fehlauer

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