WDRprint Februar 2019

27 26 Im Westen unterwegs Im Westen unterwegs Landeanflug auf das nächtliche Man- chester. Die Lichter des Flughafens leuch- ten, dazu leise Klavierklänge. Kurz sieht man IlkayGündogan, deutscher Fußballna- tionalspieler und seit 2016 unter Vertrag bei Manchester City. Es folgen Bilder ausMan- chester. Undman hört Gündogans Stimme, die von dem Tag erzählt, an dem er erfuhr, dass er seinen ersten Profivertrag beim 1. FCNürnberg unterschreibenwürde. „Ich glaube, an demTag war ich eines der glück- lichsten Kinder der Welt.“ Bei diesen Bildern bleibt man dran, findet Redakteur Adrian Lehnigk. „Die Stimmung zieht mich sofort in den Film. Die Kombination aus Bild, Ton und Musik schafft eine Atmosphäre, in die man sich gerne begibt.“ Sicher gebe es einige Porträts überGündogan inManchester, aber: „Indie- semFilmsiehtman ihn, wie er wirklich ist.“ „Ilkay Gündogan – Ein Weltstar“ ist am 3. Februar das erste Porträt des neuen Labels »Made in NRW«, ein zweites über denReggae-Sänger Patrice folgt (nochnicht terminiert). Mit Ilkay Gündogan und Pat- rice werden nicht nur zwei Weltstars por- trätiert. AuchNordrhein-Westfalen, wo sie geboren und aufgewachsen sind, spielt eine zentrale Rolle. Lehnigk: „Wir zeigen auch, inwiefern das Land ihre Karriere beför- derte und ein gutes Fundament für sie ist.“ Doku mit besonderer Ästhetik Regisseur der Porträts ist BarisAladag. Der 39-jährige gebürtige Stuttgartermachte sich mit Musikvideos (Alanis Morissette, Clueso und andere) sowiemitWerbefilmen einen Namen. Von ihm stammt auch der hochgelobte Dokumentarfilm „Alaaf you“ über den Kölner Karneval (27.2., 22.55 Uhr, WDR Fernsehen). »Made in NRW« ist für Regisseur Aladag der Versuch, der klassi- schen Dokumentation eine neue Note zu verleihen. Die Ästhetik seinerMusikvideos erkennt man in den »Made in NRW«-Fil- men wieder: „Ich habe einen visuelleren Ansatz. Ich verlasse öfter die O-Ton-Ebene, um die Dinge mit Bildern zu erzählen.“ Das Konzept zu »Made in NRW« entwickelte Aladag gemeinsam mit dem früherenWDR-Journalisten Blessen Lukas Kizhakkethottam. „Wir stellen in den Fil- men auch die Frage, wie ihr Umfeld die Protagonisten geprägt hat. War es ein guter Nährboden für Kreativität?“, erklärt Aladag. „Die Antwort ist beide Male: ,ja!‘.“ Fußballer Ilkay Gündogan wurde in Gelsenkirchen als Kind türkischer Ein- wanderer geboren. Bereits mit drei Jahren ist er Mitglied beim SV Gelsenkirchen- Hessler. Sein ehemaliger Trainer Michael Oenning erinnert sich, wie Gündogans komplette Familie den begabten Spröss- ling von klein auf zu seinen Fußballspie- len begleitete. Ein Freund aus Kindertagen im fußballbegeisterten Ruhrgebiet erzählt von Ratschlägen, Lob und auch Kritik, die es nach den Spielen von der Familie gab – und davon, wie sein Freund Ilkay schon als Kind zu ihm sagte, dass er Fußballer werden will. Der Reggae-Sänger und Songwriter Patrice stammt aus demKerpener Ortsteil Brüggen, wohin er immer wieder zurück- kehrt, um sich zu „resetten“, wie er verrät. Wie Köln und seine Reggae-Szene ihn geprägt haben, erzählen Patrice selbst, der Musiker Gentleman und Patrices Schwester. Und seine Mutter erinnert sich, wie ihr Sohn, gerade mal 15, ankün- digte, er werde in Köln auftre- ten, „unter der Brücke“: „Ichwar ein bisschen skeptisch“, so seine Mutter rückblickend. Bilder in Zeitlupe schaf- fen Gedankenpausen. Wenn beispielsweise Ilkay Gündo- gan erzählt, dass er in seiner Jugend auf Partys verzichtete, weil am nächsten Tag Training anstand, sieht man Aufnahmen in Zeitlupe von ihm als Erwach- sener, der zwischen feiernden Menschen unterwegs ist. „Die Zeitlupe ist eine Möglichkeit, die Dinge wirken zu lassen", so der Regisseur. Im Gündogan-Por t r ät kommen neben dem Fußballer selbst mit Leroy Sané, Jürgen Klopp und Michael Oenning Teamkollegen und ehemalige Trainer sowie Freunde und Ver- wandte zuWort. Gedreht wurde in Manchester und im Ruhrgebiet. Gündogan und das Erdogan-Foto Sehr offen erzählen die Protagonisten aus ihrem Leben, von ihrem Werdegang, von schwierigen Zeiten. Patrice berichtet von seinemVater undwie dieser ihn prägte, von dessen plötzlichem Tod und wie er selbst danach begann, seine Philosophie zu formulieren: „Dass jeder Tag gut ist, weil wir leben.“ Danach folgt einAusschnitt aus seinem Song „Everyday good“. Mit Ilkay Gündogan sprach der Regis- seur auch über das Foto, das ihn undMesut Özil mit dem türkischen Präsidenten zeigt und den beiden Fußballern viel Kritik ein- brachte. Gündogan erzählt, warum er und Özil sich mit Erdogan trafen und spricht auch darüber, wie es sich für ihn anfühlte, imStadion ausgepfiffen zuwerden. Aladag: „Das zeigt die Dimensionen dessen, was da passiert ist.“ Berührungsängste mit dem Thema habe Gündogan keine gehabt: „Er thematisierte das bereitwillig. Und fürmich war es ein großer Mehrwert zu erfahren, vorwelchemHintergrunddas Fotowirklich entstand. Ich weiß nicht, ob das überhaupt schon mal jemand so berichtet hat.“ Eine Gesprächsatmosphäre, in der ein Interviewpartner sich öffnet, gelingt nur mit gegenseitigem Respekt, sagt Baris Aladag, „undwennmein Interviewpartner merkt, dass ich ein reales Interesse an ihm habe.“ Katrin Pokahr WDR FERNSEHEN SO / 3. Februar / 22:45 »Made in NRW« Ilkay Gündogan – Ein Weltstar MADE INNRW Ilkay Gündogan hat es als Fußballspieler zu Weltruhm gebracht, Patrice als Musi- ker. Ihre Herkunft verbindet sie: Nordrhein-Westfalen. Regisseur Baris Aladag porträtiert die beiden jungen Weltstars. Die Ästhetik der Dokumentationen erinnert an seine Musikvideos. Ein Weltstar unter den Fußballern, auf den NRW stolz ist: Ilkay Gündogan stammt aus Gelsenkirchen. Fotos: WDR/Screenshots Für Ilkay war schon als kleines Kind klar: „Ich werde Fußballer!” Das Ruhrgebiet und sein Umfeld waren ein guter Nährboden für seine Kreativität, sagt Ilkay Gündogan.

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