WDRprint Februar 2019

Hörspieltipp Februar 29 28 Panorama Hörspiel Der WDR auf der Berlinale 2019 Weltpremiere: „Brecht“ #lichtbeidernacht Der Austausch geht weiter Zum69. Mal finden die Internationalen Filmfestspiele in Berlin statt. Die Ber- linale gilt als eines der größten Publi- kumsfilmfestivals der Welt. Der WDR beweist vom 7. bis zum 17. Februar 2019 mit verschiedenenKoproduktionen ein- mal mehr, dass er zu Recht als Heimat für außergewöhnliche Filme gilt. „Besonders stolz sindwir, dassdieBerli- nale mit unsererWDR/ARTE-Koproduktion ‚The Kindness of Strangers‘ eröffnet wird“, sagt WDR-Intendant Tom Buhrow. Der dänisch-kanadische Film von Regisseurin Lone Scherfig feiert in Berlin am 7. Februar Weltpremiere und wird am internationalen Wettbewerb teilnehmen. Die fünf Protago- nisten in diesem zeitgenössischen Drama haben eines gemeinsam: Sie versuchen, den hartenNewYorkerWinter zuüberleben, und ihre Schicksale kreuzen sich dabei in einem russischen Traditionslokal. Das bewegte Leben Bertolt Brechts Mit Spannungwird dieWelturauffüh- rung des Zweiteilers „Brecht“ von Hein- rich Breloer erwartet. Die Koproduktion der Bavaria Fiction mit dem WDR, BR, SWR, NDR und ARTE wird am 9. Februar als Berlinale Special im Haus der Berliner Festspiele präsentiert. Das Dokudrama erzählt über eine Zeitspanne von 40 Jahren vom bewegten Leben des berühmten Dra- matikers. Breloer trug acht Jahre Material für den Zweiteiler zusammen und führte unter anderem viele Gespräche mit Zeit- zeugen und Wegbegleitern Brechts. In die Rolle des jungen Bertolt Brechts schlüpft Tom Schilling, Burghart Klaußner spielt Brecht in den Nachkriegsjahren. Weitere prominente Schauspieler wie Adele Neu- hauser und Trine Dyrholmsind auch dabei. ImMärz 2019 werden ARTE und Das Erste die Dokufiktion ausstrahlen, plus einer anschließenden Dokumentation. Weitere WDR-Highlights: die Eröff- nung der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ mit „easy love“ sowie die Premieren von „All my loving“ (Panorama) und des Dokumentarfilms „Ringside“ (Wettbewerb Generation 14plus). Darüber hinaus ist der WDR mit „Atlas“, „Das schönste Paar“, „Roads“, „Styx“ sowie dem Dokumentar- film„Draußen“ in der Reihe Lola@Berlinale vertreten. „Synonymes“ (WDR/ARTE) von Nadav Lapidwird ebenfalls imWettbewerb laufen. lcz Mit einem WhatsApp-Countdown und der Aktion #lichtbeidernacht stieß das Studio Essen zumAbschied vom Steinkohlenbergbau auf „über- wältigende“ Resonanz. Nun wurde eine Facebook-Gruppe gegründet. „Der Erfolg der crossmedialen Aktion #lichtbeidernacht war überwäl- tigend“, berichtet Sebastian Wehner, Redakteur imStudioEssen. ImHinblick auf diesespositiveFeedbackgründetedie »WDR Lokalzeit Ruhr« die #lichtbeider- nacht Facebook-Gruppe, die weiterhin zumAustausch einlädt. DieAktionhatte ihrenUrsprung in der WhatsApp-Nachricht einer Abon- nentin. Der WDR stellte daraufhin eine Fensterschablone in Form eines Förder- turms zumDownload bereit, die 34.000 Mal von der Homepage des Essener Stu- dios heruntergeladenwurde. Bei Twitter fandensich 12.852Tweetsmit demHash- tag #lichtbeidernacht, zwischenzeitlich stand die Aktion auf Platz 1 der Twitter- Trend-Charts.DenWDRhabenhunderte Nachrichten von Nutzern mit persönli- chenGeschichten rund umdenBergbau erreicht, aus einigen wurden sogar neue Themen für Hörfunk und Fernsehen. WhatsApp-Nachrichten bleiben DieWhatsApp-Nachrichten, die im Rahmen des Projekts „Tschüss Kumpel! Die letzten 100 Tage Bergbau“ veröffent- lichtwurden, sindweiterhinauf bergbau. wdr.de zu sehen. „Die Seitewird auch als Archiv der Aktion erhalten bleiben“, so SebastianWehner. Für dasProjekt hatten sich fast 11.000 Nutzer angemeldet, die vor allem von den persönlichen Berich- ten begeistert waren: Der junge Berg- mann Mathias Erdmann gab Einblicke in seinen Arbeits- und Lebensalltag. Als Highlight machte er seiner Freundin einen Heiratsantrag unter Tage und ließ die Nutzer in einer emotionalen Audio- nachricht teilhaben. CS Die Dokufiktion „Brecht“ von Heinrich Breloer wird mit Spannung erwartet. Burghart Klaußner (Foto) und Tom Schilling spielen den berühmten Dramatiker. Foto: WDR/Konietzny So könnte es gewesen sein: Zwei der größten deutschsprachigen Denker des 20. Jahrhunderts, Bertolt Brecht und Wal- ter Benjamin, sitzen gemeinsam am Tisch bei einer Partie Schach. Dabei sinnieren die begeisterten Krimileser über eine Kri- mihandlung: Es geht um Herrn Seifert, der Unternehmen erpresst, wenn sie ihre Geschäftsberichte nicht fristgerecht offen- legen. Hinzu kommen eine eifersüchtige Ehefrau und verschiedene Geliebte, was zu einem Verwirrspiel führt, das Seifert schließlich zum Verhängnis wird. 1934 tra- fen sich Brecht und Benjamin tatsächlich in Brecht und Benjamin schreiben zusammen einen Krimi! Reine Fiktion? Das erfahren Sie in unserem Hör- spieltipp des Monats. Benjamins über den Krimi zitiert. Und auch Brechts wichtigstes Stilmittel, der „Verfrem- dungseffekt“, spielt im Hörspiel eine Rolle: „Aus einer Rede Brechts haben die Macher einzelne Wörter und Fragmente wie ‚und‘ oder das Präfix ‚un-‘ herausgeschnitten und damit den Text von Albert Ostermaier, der die Brecht-Passagen spricht, an den entspre- chenden Stellen ersetzt.“ Ein interessanter (V-)Effekt entstand, so Christina Hänsel: „Man denkt beimHören viel nach: über die ZusammensetzungvonWörtern, dieSprache und darüber, wer spricht.“ Und was macht „Tatsachenreihe“ zum Hörspiel des Monats? Hänsel: „Die unerwartete Mischung: Zwei großartige Schriftsteller, die gemeinsam einen Krimi konturieren, und drei großartige Hörspiel- macher, die sich auf ihreWeise mit diesem Text auseinandersetzen.“ kp Dänemark im Exil. Ihr Krimi blieb jedoch ein Entwurf. DieAutorenAndreasAmmer, Andreas Gerth und Martin Gretschmann haben für WDR 3 das wenig bekannte Textfragment alsHörspiel realisiert: „Tatsachenreihe.Wie Brecht undBenjamineinenKrimi schreiben wollen“, zu hören am 14. Februar. Dafür rei- cherten sie dieHandlungsskizzemit theore- tischenExkursenund einemeigenenSound aus elektronischerMusikan. „Der Spaßbeim Hörenentsteht hier nicht über dieklassische Krimifrage ‚Wer ermordete wen?‘. Vielmehr entsteht er dadurch, zwei großen Denkern bei ihremAusflug in das Genre Krimi zuzu- hören und in der Konstruktion eines eher konventionellen Plots immer wieder nach Spuren der beiden Autoren zu suchen“, sagt Christina Hänsel, Dramaturgin und Redak- teurin des Stücks. Eine unerwartete Mischung Das Hörspiel nimmt immer wieder BezugaufDenkenundWerkderbeiden, etwa wenn Peter Wawerzinek, der den Part Wal- ter Benjamins spricht, aus einerAbhandlung KRIMI MIT V-EFFEKT Man weiß nicht, wer gewann: Brecht mit Zigarre und Benjamin beim Schachspiel 1934 im dänischen Exil. Foto: Akademie der Künste/Brecht-Archiv Die unerwar- tete Mischung macht‘s! Redakteurin Christina Hänsel Foto: WDR/Sachs WDR 3 DO / 14. Februar / 19:04 Tatsachenreihe. Wie Brecht und Ben- jamin einen Krimi schreiben wollten. Kostenloser Download: hoerspiel.wdr.de

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