WDRprint Februar 2019

Produkion & Technik 37 36 Produkion & Technik 18 Kilometer Flugdistanz, 31 Minuten Flugzeit, bei einer maxi- malen Geschwindigkeit von 72 Stundenkilometern und einem Gewicht von etwas über 900 Gramm. Das kleine mit Hightech gespickte „Fliegengewicht“, dieDJIMavic 2Pro-Kameradrohne, lässt sich höher, schneller und weiter steuern und macht dabei Bilder in beeindruckender UHD-Qualität. Beispielsweise fliegt sie zum 27. Stock des Studentenwohnheims der Kölner Sporthochschule oder inderMorgendämmerungdurchdenKalksteinbruchbeiWülf­ rath. Ob neben dem Radrennfahrer eine rasante Anfahrt hinunter oder über den Drachenfels hinweg ins Rheintal – immer wieder ist es ein atemberaubender Blickwinkel, mit dem eine Kameradrohne den Betrachter ins Staunen versetzt. Die Welt von oben ist für den Fernsehzuschauer noch immer eine andere, eine ungewohnteWelt. „Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren rasant ent- wickelt“, bestätigt Walter Demonte, Abteilungsleiter Kamera und Ton beim WDR. „Und damit ist auch die Erwartungshal- tung der Zuschauer gestiegen.“ Vor gut fünf Jahren hatte der Produktionsbetrieb des WDR erstmals spezialisierte Dienst- leister beauftragt, mit Kameras ausgerüstete Drohnen einzuset- zen, vor zwei Jahren wurden die ersten beiden eigenen Drohnen in Betrieb genommen und im vergangenen Jahr zwei Droh- nen der neuesten Generation angeschafft: „Klein, leicht zu fliegen, mit einer guten Kamera bestückt.“Walter Demonte gerät fast ein wenig ins Schwärmen, wenn er über das gerade mal handf lächengroße Flugobjekt spricht. Das arbeitet übrigens ziemlich autark: Die Maschine denkt, der Mensch lenkt. Autonomes Fliegen ist analog zum Autoverkehr einThema, aber trotzdemnochweitgehend verboten. Bei 100 Metern ist Schluss Deshalb braucht es qualifiziertes Personal: Jeweils sechs WDR-Kameramänner in Düsseldorf und Köln wurden bei einer Firma inHannover speziell an der Kameradrohne ausgebildet und regelmäßig geschult. Denn die gesetzlichen Auflagen in Deutsch- land sind streng, wie Kameramann Frank Hlawitschka bestätigt. „Man darf an vielen Stellen nicht fliegen, etwa über Bundesstra- ßen, Bahnanlagen, Wohngrundstücke, Industrieanlagen oder Naturschutzgebiete. AuchNachtflüge sind nur mit einer Ausnah- megenehmigung möglich. Und bei 100MeternHöhe ist Schluss.“ Doch die technische Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Die Drohnen werden immer kleiner, immer perfekter. So fliegt die DJI Mavic 2 Pro anders als ihre Vorgänger problemlos durch denWald, findet spielend leicht denWeg an den Bäumen vorbei. „Früher war es eingigantischer Aufwand, vergleichbareAufnahmen imWald zu drehen“, sagtWalter Demonte. DieDrohne schließt heute die Lücke zwischen demKamerakran amBoden und demHubschrauber, der 300 Meter nicht unterfliegen darf. „Perspektivisch gesehen ist das Ziel, weitere Teams beim WDR mit Kameradrohnen auszurüsten“, betont Dirk Stabenow, Gruppenleiter Produktion im Studio Düsseldorf. „Im aktuellen Geschäft wie in der Aktuellen Stunde und der Lokalzeit, auch bei Live-Schalten wurden die neuen Drohnen schon eingesetzt.“ Das Innenleben der DJI Mavic 2 Pro In der Drohne ist eine hochauflösende 4k-Kamera an einem Drei-Achsen-Gimbal zur Stabilisierung verbaut. Daneben gibt es vier weitere Kameras zum Scannen der Umgebung in der Rundum-Erkennung – sie sollen Zusammenstöße verhindern und die Flughöhe automatisch anpassen, falls das Gelände ansteigt. GPS-Systeme sichern zudem eine korrekte Position in der Luft. „Selbst wenn die Drohne leicht wackelt, liefert die Kamera sehr stabile Bilder“, lobt Walter Demonte. Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille. Das Fa zit der WDR- Experten hinsichtlich der Minuspunkte: Trotz der Technik bleibt es eine große Herausforderung, unverwechselbare und gestalterisch starke Bilder zu liefern. Die Kamera- leute brauchen viel Erfah- rung. Und auchdieDrohne neuester Technik arbeitet nicht geräuschlos und kann so den herkömmli- chen Kamerakran an vie- len Stellen nicht ersetzen. Doch die Pluspunkte überzeugen. „Die Drohne schafft neue Perspektiven für die Kamera, und sie hat viele innovative elektronische Helfer“, argumentiert Dirk Stabenow. So können die Kameraleute ein Objekt in der Programmierung markieren, dem die Drohne dann begleitend hinterherfliegt. Außerdem ist es möglich, gewünschte Flugbewegungen zu programmieren. Stabenow: „Von oben ist der Informationswert der Bilder oft größer.“ Die Drohne wird zu zweit geflogen: Ein Pilot, der das Flug- gerät steuert, und ein Kameramann, der die Kamera schwenkt, arbeiten als Team. Vielleicht werde es durch die rasante techni- sche Entwicklung in Zukunft möglich sein, auf den Piloten zu verzichten und die Drohne komplett vom Kameramann sicher bedienen zu lassen. Bleibt zum Schluss die Frage, ob die immer häufigere Ver- wendung der Kameradrohne inDokumentationen, Fernsehfilmen oder Nachrichten zu einer Sättigung beimZuschauer geführt hat? „Die Bilder bleiben nach wie vor attraktiv, das Interesse daran ist nicht abgeebbt“, glaubt Dirk Stabenow. „Luftaufnahmen fas- zinieren einen immer wieder aufs Neue. Sie sind ein Stilmittel, das sich weiter etablieren wird.“ Das Gros der Fernsehzuschauer habe sich längst an die Bilder aus der Vogelperspektive gewöhnt, „und erwartet die vielleicht auch“. In der »Aktuellen Stunde«, der »Lokalzeit« und bei Liveschalten wurden die neuen Ka- meradroh- nen schon eingesetzt. DAS NEUE MODELL Der aktuelle Star unter den Kameras ist die Drohne. Christian Schyma sprach mit WDR-Fachleuten über Vor- und Nachteile des mit Hightech gespickten Fluggeräts neuester Ge- neration: die DJI Mavic 2 Pro. Die neue Kameradrohne DJI Mavic 2 Pro im Einsatz. Fotos: WDR/Görgen KameramannKrzysztof Hampel testet die neue Drohne.

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ3NzI=