WDRprint Februar 2019

Besondere journalistische Leistungen Als herausragend stuften die Juroren die »Monitor«-Reportagen von den zentralen Schauplätzen der Migration in Nord- und Westafrika ein. Stellvertretend für das Team wurden Shafagh Laghai und Nikolaus Steiner nominiert. Auch das Team des »Weltspiegel Extra« Unruhen in Paris – schafftMacron dieWende? überzeugte: Marco Rösseler, Friederike Hofmann, Carolin Imlau, JudithMüllender, MathiasWerth und Jan Meisters hätten trotz hohem Produktions-Zeitdruck das Gelbwesten-Phänomen vielschichtig dargestellt. WDR-Redakteurin Isabel Schayani (»WDR foryou«) erhielt eine Nominierung für ihre »Tagesthemen«-Kommentare und »Weltspiegel«-Mode- rationen. 70 Produktionen und Einzelleistungen sind für den 55. Grimme-Preis 2019 nominiert – in der Kategorie „Beson- dere journalistische Leistungen“ aus- schließlich Beiträge und Journalisten des WDR. Die Verleihung findet am 5. April in Marl statt. Unterhaltung Trixie Nightmare – der tiefe Fall der Trixie Dörfel Buch: Oliver Dittrich , Claudius Pläging, Regie Tom Theunissen, Redaktion: Carsten Wiese, Produktion: beckground tv im Auftrag des WDR Die Mockumentary erzählt, wie die ebennoch so schöneWelt eines Serienstars, gespielt von Olli Dittrich, aus den Fugen gerät. Spezial »docupy« (siehe Seite 22) »Die Story«: Ungleichland – Reichtum, Chancen, Macht“ Nominiert ist der Dreiteiler der Sendereihe und das dazugehörige zukunftsweisende Online-Konzept. Karsten Schwanke … wurde für seine prä- zise Analyse der Klimawandelfolgen in der Sendung »Wetter vor acht« nominiert. Info & Kultur ImSchatten der Netzwelt – The Cleaners Produktion: gebrueder beetz filmproduktion/ Grifa Filmes/I Wonder Pictures für WDR/ NDR/RBB, Redaktion WDR: Christiane Hinz, Jutta Krug 2018 mit dem Prix Europa ausgezeichnet: Dokumentation zum Thema digitale Zen- sur. Sowohl der Bundestag als auch das EU- Parlament diskutierten den Film. Bloß keine Tochter! Asiens Frauenman- gel und die Folgen Produktion: Bildersturm Filmproduktion für NDR/WDR/ARTE/SRF, Redaktion WDR: Ute Casper, Andrea Ernst Krieg und Frieden. Deutschsowjetische Skizzen Produktion: Schmidt & Paetzel Fernsehfilme für RBB/SWR/WDR, RedaktionWDR: Beate Schlanstein Krieg der Träume Produktion: Looksfilm/Iris Productions/Les Grimme-Preis: 15 Nominierungen für den WDR Films D’Ici/Fortis Imaginatio für SWR/ NDR/RBB/WDR/ORF/ARTE/TOUTE L’HISTOIRE/CT, Redaktion WDR: Barbara Schmitz und Gudrun Wolter Fiktion Fremder Feind Regie: Rick Ostermann, Buch: Hannah Hol- linger nach einemRoman von Jochen Rausch, Produktion: Schiwago Film für WDR/Das Erste, Redaktion WDR: Corinna Liedtke UlrichMatthes spielt in einen überzeugten Pazifisten, der sich einem mörderischen Duell stellt. Unser Kind Regie: Nana Neul, Buch: Kristl Philippi, Pro- duktion: Heimatfilm für WDR, Redaktion Frank Tönsmann DerWDR/ARD-Fernsehfilmstellt auf emo- tional packende Weise die Frage nach der gesetzlichen Grundlage der Elternschaft in gleichgeschlechtlichen Ehen. Zwischen den Jahren Buch und Regie: Lars Henning, Produktion: Radical Movies Production für WDR/ARTE, Redaktion WDR: Andrea Hanke Ein verurteilter Mörder wird nach Verbü- ßung seiner Strafe von seiner Vergangen- heit wieder eingeholt. KINDER & JUGEND Die unsichtbare Krankheit Redaktion: Henrike Vieregge Filmaus der »Sendungmit der Maus« zum Thema psychische Erkrankungen bei Kin- dern Ein Pfund Gehacktes Redaktion: Hilla Stadtbäumer Beitrag aus »Wissen macht AH!« Bekommen sie am 5. April den Grimme-Preis? Isabel Schayani und Shafagh Laghai. Fotos: WDR/Sachs/Görgen Ulrich Matthes spielt die Hauptrolle in „Fremder Feind“. Foto: WDR/Schiwago Film WDR FERNSEHEN Rosenmontag / 4. März / ca. 15:00 Die besten Wagen aus Düsseldorf 41 40 Medienmenschen Im Gespräch Sechs Wochen vor Rosenmontag herrscht bei Jacques TillyHochbetrieb. In seinerWagenhalle inDüsseldorf beginnt nun dieArbeit: ZwölfMottowagenwerden er undseinTeambauen,manche erst in letzterMinute. Zwischendurch gibt Tilly, wegen seiner scharf sati- rischen Plastiken längst über Düsseldorf hinaus bekannt, Interviews und hält Vorträge. Beim Wagenbauen wird er von einemKamerateam des WDR begleitet. Denn in diesem Jahr hat er erst- malseineeigeneSendung.Thema:diezwölfMot- towagen2019. InaSperl trifft den55-Jährigen im Café de France in Düsseldorf. Wie kam es zu der Sendung? Bei der Übertragung des Rosenmontagszugs kommentiere ich seit Jahren die Mottowagen in kleinen Einspielern. Redakteur Michael Kerkmann hatte die Idee, dass man deutlich mehr darüber sagen sollte. Ich werde die Satirewagen zusammenmit Moderator Oliver Plöger kommentieren, auch der Kabarettist Jürgen Becker wird seinen Senf dazugeben. Welche Themen haben Sie diesmal im Visier – Trump, Brexit? Zu Trump ist alles gesagt. Aber ein Zug ohne Trump ist wie ein Einhorn ohne Horn – wir müssen also einen neuen Aspekt bringen. Natürlich verwursten wir alle weltpolitisch domi- nanten Themen, aber vieles entscheidet sich erst noch. Wann ist ein Wagen gut? Wenn er Gefühle her- vorruft: Ablehnung oder Zustimmung. Wenn er eine klare Botschaft hat. Wenn er eine polemische Haltung klar auf den Punkt bringt. Und wenn er für jeden verständlich ist. Würden die Leute Bolsonaro, den brasilianischen Präsidenten, erkennen? Manches schmerzt beim Anschauen, etwa 2003 eine Angela Merkel, die im Hinterteil Amerikas steckt ... Ich mag die Mischung aus Humor und Politik. Humor nimmt politischen Botschaften die Schärfe; er ist einwichtiges Verdauungssekret. Haben Sie völlige Narrenfreiheit? Ich kann zensurfrei arbeiten, mit Rückendeckung. Die Entwürfe spreche ich mit dem Comitee Düsseldorfer Carneval ab, und dem Zugleiter, Hermann Schmitz, kann es oft gar nicht scharf genug sein. Noch in den 1980er-Jahren waren die Karne- Auf einen Apfelsaft mit Jacques Tilly Jedes Jahr freut sich das närrische Volk auf J. Tillys Mottowagen. Foto: WDR/Anneck valisten eher konservativ. In den 1990ern, als wir die Wagen vor Rosenmontag gezeigt haben, musstenwir immermal etwas umbauen – einen nacktenHelmut Kohl zumBeispiel. Generell gilt aber:Was inden 1950er-Jahrenunmöglichwar, zumBeispiel die Regierung scharf zu kritisieren, ist heute leicht machbar. Sie lassen Papst und Teufel die Hände schütteln, machen vor islamistischem Terror nicht Halt. Wo liegen Ihre Grenzen? Das entscheide ich von Fall zu Fall. Ich bin nicht der Mei- nung, dass ein Satiriker alles darf. Er darf nicht verleumden oder die Persönlichkeitsrechte missachten. Und eine Aussage muss immer Substanz haben. WiesehendieReaktionenaus? Es gab schon Klage­ androhungenundBeschimp- fungen. Aber ich bin ein großer Anhänger der Streit- kultur, undSatirehat dieAuf- gabe, diese zu beleben. Ein Satiriker, der von allen geliebt wird, macht es nicht richtig. Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit? Ich empfinde es als Privileg, Position beziehen zu können. Jeder Mensch, jede Institution und Glaubensgemeinschaft in Deutschland muss es ertragen, in Grund und Boden kritisiert zu werden. Das ist die Quintessenz der Demokratie. Meine Arbeit ist eine kleine Lockerungsübung. In der Wagenhalle ist die Freiheit zu Hause, das ist eine gelebte Utopie. „Zu Trump ist alles gesagt. Aber ein Zug ohne Trump ist wie ein Einhorn ohne Horn.“

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