WDRprint März 2019

Titelthema 15 14 Titelthema „Brecht“ erzähltdasbewegteundbewegendeLebendesDichters und Theatermachers über eine Zeitspanne von vier Dekaden bis zu seinemTod1956.HeinrichBreloerwählteTomSchillingalsDarsteller des jungenBrecht. „Tomist sofort einePersönlichkeit,wenner vor die Kamera tritt“, schwärmt der Regisseur, „der seltsam verführerische Charme, der vonBrecht ausgegangen seinmuss, dasGeheimnis des genialenMenschen, das brachte er auch ohne Maske mit.“ Den älteren Brecht verkörpert Burghart Klaußner. Er habe anhand der Mitschnitte von Brecht-Proben eine Stilisierung der Person entwickelt, die weit weg von jeder simplen Imitation sei, so Breloer. „Es geht nahe, wie Burghart Klaußner den späten B. B. spielt, zart, durchsichtig, ein abgekämpfter Tyrann“, urteilt „Der Tagespiegel“ und lobt auch die Darstellung der älterenHeleneWei- gel: „Adele Neuhauser macht die Prinzipalin mit Härte und Witz und Wiener Wut so lebendig, dass man erschrickt.“ „LouStrenger als jungeHeleneWeigel trifft derenTonfall beim Lied ‚Lob des Kommunismus‘ so perfekt, dassman eineGänsehaut bekommt“, heißt es in der Rezension von nachtkritik.de . Die große Theater-Miminwar nicht nur Brechts Ehefrau, „dieWeigel hat das Berliner Ensemble gemacht, die hat Brecht gemacht“, ist der Schau- spieler und Zeitzeuge Erwin Geschonneck überzeugt. „Sie war die Mutter von‘s Janze“, meint auch Regine Lutz, als junges Ensemble- Mitglied in den Spielszenen dargestellt von Maria Dragus. „Das hat alles sehr, sehr weh getan“, sagt Weigel über die Affären ihres Gatten in einem Interview, das Neuhauser als Rein- actment eindrucksvoll wiedergibt. Ohne die Frauen in seinem Leben wäre Brecht vermutlich nicht so groß geworden. Er hat sie benutzt, missbraucht und aus- gebeutet. Seine Jugendliebe Paula Banholzer (Mala Emde) wurde schwanger von ihrer Familie verbannt. Seine erste Ehefrau Mari- anne Zoff (Friederike Becht) betrog er mit Weigel und diese wie- derummit zahllosen anderen. DiedänischeSchauspielerin, Regisseurin, FotografinundAuto- rin Ruth Berlau (Trine Dyrholm) begleitete und unterstützte Brecht seit demExil undmachte sich stets vergeblichHoffnungen auf eine echte Liebesbeziehung. Einige von Brechts besten Ideen stammten ursprünglich von der Schriftstellerin und Übersetzerin Elisabeth Hauptmann (Leonie Benesch). Unter anderem machte sie ihn mit der englischsprachigen „Beggar’s Opera“ von 1728 bekannt und half ihm, daraus die „Dreigroschenoper“ zu entwickeln. CSh Brecht und die Frauen Foto links: „Bess, machen wir Reklame!“ Elisabeth Haupt- mann, Brechts Sekretärin und Geliebte (Leonie Benesch), hat ihrem Chef (Tom Schilling) wie- der mal eine Idee mitgebracht: ein Werbegedicht. Brecht dich- tet und gewinnt das Auto. Fotos: WDR/Konietzny/Falke Foto links: ,„Ich bin schwanger.“ Opernsängerin Marianne Zoff (Friederike Becht) und Brecht in ihrer Garderobe im Augsburger Stadttheater. Foto links: New York 1944. Mit seiner däni- schen Geliebten Ruth Berlau (Trine Dyrholm) arbeitet Brecht (Burghart Klaußner) an seinem Stück „Der kaukasische Kreidekreis“. Foto: WDR Foto links: Brechts (Burghart Klaußner) letzte Liebe: Isot Kilian (Laura de Boer), Mitarbeiterin am Berliner Ensemble Brecht (Tom Schilling) mit seiner Freundin, der Schülerin Paula Banholzer (Mala Emde). Das Liebesidyll dauert nur kurz. Paula wird schwanger. Paula Banholzer (Mala Emde) und Brecht (Tom Schil- ling) mit ihrem Sohn Frank. Brecht (Burghart Klauß- ner) und Helene Weigel (Adele Neuhauser) kurz vor der Premiere von „Mutter Courage und ihre Kinder“ im Deutschen Theater. Foto: WDR/Praun Duell zwischen Brechts Gelieb- ter Ruth Berlau (Trine Dyrholm, r.) und seiner Ehefrau und zukünftigen Intendantin Helene Weigel (Adele Neuhauser) „Adele Neuhauser macht die Prinzipalin mit Wiener Wut so lebendig, dass man erschrickt.“

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