WDRprint März 2019

39 38 WDR online Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Düsseldorf-Bilk. Physikraum 006. „Was macht guten Journalismus aus?“, hat Kath- rin Linßen, Mitarbeiterin des WDR-For- mats »reporter«, gerade gefragt, und die Schülerinnen und Schüler des Deutsch- Grundkurses der Jahrgangsstufe 10wissen, worauf es ankommt. „Eine Information ist glaubwürdiger, sobald es mehrere Quellen gibt“, sagt Luca. „Warum ist das nochwich- tig?“, hakt Kathrin Linßen nach. „Na, wenn Leute ihre eigene Meinung in ihre Aussa- gen einfließen lassen“, antwortet Oskar, der am Nachbartisch sitzt. Linßen nickt: „Es geht um Ausgewogenheit. Wenn ein Thema kontrovers diskutiert wird, ist es wichtig, mehrereMeinungen einzuholen.“ Torben meldet sich: „Als Journalist muss man neutral bleiben.“ Auch eine verständ- liche Sprache gehört dazu: „Man muss überzeugend reden, die Zuschauer dürfen nicht einschlafen“, findet Nisrin. „Nicht zu formell, aber auch nicht zu umgangs- sprachlich“, ergänzt Oskar. Vorne an der Tafel steht heute ein Teamdes funk-Formats »reporter«, das zum Angebot des ARD- und ZDF-Contentnetz- werkes gehört und vom WDR produziert wird: Kathrin Linßen, die im Community Management von »reporter« arbeitet, und die Journalisten Florian Gregorzyk und Anastasiya Polubotko sowie Caroline Siems von derWDR-Aus- und Fortbildung. Auf dem Programm der Doppelstunde Schultour stehen zwei unterschiedliche Youtube-Filme über einen Lieferdienst: Der erste stammt von zwei bekannten Youtube- Stars, der zweite vomöffentlich-rechtlichen Angebot »reporter«. Anschließend disku- tiert das »reporter«-Teammit den Schülern: Welche Fakten stecken in den Filmen? Und wie werden sie dargestellt? »reporter« veröffentlicht jede Woche eine neue Reportage bei Youtube und Face- book. „Darin geht es um gesellschaftspo- litische Themen aus der Lebensrealität unserer Zielgruppe der 20- bis 24-Jährigen“, sagt Katrin Schlusen, Projektleiterin des Formats »reporter« und Redakteurin in der Programmgruppe Aktuelles Fernsehen, in der das Jugendformat redaktionell behei- matet ist. Alleine bei Youtube werden die Reportagen monatlich durchschnittlich 1,65 Millionen Mal angesehen. Jetzt besu- chen die »reporter« zum ersten Mal Schu- len in NRW: „Wir möchten mit unserer künftigen Zielgruppe ins Gespräch kom- men und eine Diskussion anstoßen über Journalismus bei Youtube“, sagt Katrin Schlusen. „Denn gerade bei Youtube gibt es oft ein Defizit an Informationsangeboten.“ Alle Schüler nutzen Youtube Eine kurze Umfrage im Deutsch- Grundkurs am Düsseldorfer Geschwis- ter-Scholl-Gymnasium ergibt: Alle nutzen Youtube – manche weniger, die meisten regelmäßig oder vielleicht auch zu viel, wie einer zugibt. Haben sie im Blick, wer die Filme dort einstellt? „Ich achte schon darauf und sehe zum Beispiel: Denjeni- gen kann ich mir gar nicht angucken“, sagt Michel. Auch Rüdiger schaut auf den Absender und weiß: „Viele Filme kommen von Fernsehsendern.“ An Schulen inWuppertal, Köln, Bonn undDüsseldorf war die Schultour imJanuar und Februar zu Gast. Rund 900 Schüler erreichte sie, meist im Alter von 15 bis 17 Jahren. „Die meisten Schüler benutzen vielleicht nicht immer die entsprechenden Fachausdrücke, aber sie wissen genau, was guten Journalismus ausmacht“, stellt Anas- tasiya Polubotko fest. Florian Gregorzyk ergänzt: „Jedes Mal werden Schlagworte wie Objektivität, Faktenbasiertheit und Ausgewogenheit genannt und diskutiert. Mich überrascht, wie viel man in dieser Altersgruppe voraussetzen kann, in der ja noch keine bestimmten Vorstellungen von Journalismus herrschen.“ Schulen müssen aufklären Zwei Schulstunden dauert der Work- shop mit den Schülern, die überwiegend aus der Oberstufe kommen. Die meisten sind sich einig, dass der »reporter«-Film, in dem Presenter Florian Gregorzyk einen Fahrer des Lieferdienstes begleitet, der sei- nen Lohn vor Gericht erstreiten musste, „weitaus seriöser“ ist, wie Hannah sagt. Es wurden „weniger Scherze gemacht“, ergänzt Rüdiger. Nisrin findet jedoch, dass „nur Negatives“ dargestellt wird. Sie hätte sich im »reporter«-Film auch einen zufrie- denen Fahrer gewünscht, denn: „Manweiß ja nicht, was vorgefallen ist, dass der andere kein Gehalt bekommen hat.“ Dagegen vermuten die meisten, dass das Unternehmen die Youtuber des ande- ren Films für ihr Video bezahlt hat, weil sie mit vielen Späßen den Job eines Fahrers als lukrativen Nebenjob vorstellen. Aufmerksam verfolgt die Veranstal- tung auch Schulleiter Hans-Hermann Schrader. Er sagt anschließend, ein Ange- bot wie die Schultour helfe der Schule, ihrem Bildungsauftrag nachzukommen. „Die sozialen Medien prägen das Arbeits- und Lernverhalten der Schüler. Als Schule versuchenwir, den Schülern beizubringen: ‚Fragt kritisch nach!‘ Und dafür müssen wir aufklären.“ Katrin Pokahr Was macht guten Journalismus aus? Das Team des funk-Formats »reporter« diskutiert mit Schülern in NRW über Inhalte auf der Videoplattform Youtube, denn die ist aus dem Alltag der Jugend- lichen nicht mehr wegzudenken. REPORTER AUF TOUR Nah dran an der Ziel- gruppe: Caroline Siems (Redaktion Aus- und Fortbildung), Florian Gregorzyk, Kathrin Linßen und Anastasiya Polubotko (v. l.) spre- chen mit Schülern des Geschwister-Scholl- Gymnasiums in Düssel- dorf über Journalismus. Foto: WDR/Anneck »reporter« Jeden Mittwoch eine neue Reportage Youtube: www.youtube.com/c/ reporter-offiziell Twitter: twitter.com/reporter Facebook: www.facebook.com/repor- ter.offiziell/

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