WDRprint März 2019

Kultur 41 40 Kultur 1975. Bernd Polster, Jahrgang 1952, studierte gerade (ein Fach, das ihn nicht interessierte), da schenkten ihm seine Eltern ein schönes dickes Buch: „Das Bauhaus“. Seitdem hat ihn das Thema nie wieder ganz losgelassen. Design entwickelte sich zu einem seiner Fachgebiete, die „Moderne“ zu seinemwichtigsten Thema. 2009 gab der Publizist bei DuMont das Buch „Bauhaus-Design“ heraus. 2013 beschäftigte er sich für denWDR intensiver mit Bau- hausdirektor Walter Gropius, interviewte für das Feature „Der Architekt seines Ruhmes – Walter Gropius und die Moderne“ in den USA die Tochter des Meisters. Am 11. März dieses Jahres erscheint bei Hanser seine große Gropius-Biografie. Der Bauhaus- Stiftung, da ist er sich sicher, wird das Werk eher nicht gefallen. Denn laut Polster war Gropius zwar ein fantastischer Marketing- Mann, aber ein lausiger Architekt. Und das Bauhaus war nach seiner Darstellung lange nicht so kreativ wie man heute denkt. „Inzwischenmeine ich, da ist so gut wie gar nichts erfunden, aber Journalismus, insbesondere Kul- turjournalismus, liebt Jubiläen. Zu ihrem Hundertjährigen befasst sich WDR 3 in einem Feature- Schwerpunkt mit den Ideen des Bauhauses und ihren Auswir- kungen auf die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Mit einer Neuproduktion über die Vorden- ker und einem Gropius-Portrait ist Bernd Polster mit zwei Pro- duktionen vertreten. zum kulturellen Mittelpunkt der Welt machen wollte. Es gab die Reformbewegung, vonder inunseremheutigenAlltag als sichtbares Erbe nur die Reformhäuser übrig geblieben sind. ImGrunde lassen sich aber alle Alternativbewegungen des 20. Jahrhunderts auf diese Zeit zurückführen, meint der Fernseh-, Radio- und Buchautor. „DasBauhauswar einTeil desneuenDessau, nichtumgekehrt.“ Für das spätere Bauhaus besonders prägend war die Kunst- gewerbeschule Düsseldorf, an der Mathieu Lauweriks lehrte. Der holländische Theosoph und Architekt dürfte einer der einfluss- reichsten Vordenker gewesen sein. Er hatte bereits Ende des 19. Jahrhunderts eineTheorie entwickelt, die „EntwerfennachSystem“ hieß. AdolfMeyer studierte bei ihm, bevor er als Lehrer undMeister an das Staatliche Bauhaus in Weimar ging. „Die Vorlesungsmit- schriften, dieMeyer bei Lauweriks angefertigt hatte, entwickelten sich am Bauhaus zur heimlichen Bibel“, sagt Polster, „erst dessen Theorie ‚ EntwerfennachSystem ‘ brachteda einbisschenFormrein, inden ersten Jahrenwar das Kraut undRüben gewesen. “ Tatsachen die, wie Polster findet, in der offiziellen Geschichtsschreibung des Bauhauses zu kurz kommen. Es gab so viel mehr im Rahmen der „Initiative neues Dessau“, zu der damals unter anderem die Jun- kerswerke gehörten, in denen 1919 das erste Verkehrsflugzeug der Welt entwickeltwurde, unddie biologischenSiedlungenvonRudolf Fischer, was heute niemand feiert. „Das Bauhaus war ein Teil des neuen Dessau“, sagt Polster, „und nicht umgekehrt. Das hört sich einfach an, aber das muss man ernsthaft zu Ende denken.“ Mit seinem Feature setzt Polster der seit Gropius ‘ Zeiten gut geölt laufenden Bauhaus-PR selten oder nie erzählte Geschichten entgegen. Alle aus öffentlich zugänglichenQuellen, alle gut belegt. Christian Gottschalk WDR 3 SA / 23. März / 12:04 SO / 24. März / 15:04 Der Kreis ist rot – Oskar Schlemmer, Bauhausmeister Von Ulrike Haage WDR 3 SA / 16. März / 12:04 SO / 17. März / 15:04 Der Architekt seines Ruh- mes – Walter Gropius und die Moderne Von Bernd Polster WDR 3 SA / 09. März /12:04 SO /10. März / 15:04 ImWesten was Neues – Das Bauhaus und seine Vordenker Von Bernd Polster BAUHAUS viel übernommenworden“, sagt Polster. Die Vorbilder, die imBau- haus weiter entwickelt und klug vermarktet wurden, mussten aber logischerweise aus demKaiserreich stammen. Einer Zeit, dieman ehermitMilitarismus assoziiert, alsmit demBeginn derModerne. Aber, so der Bauhaus-Experte: „Es gab eine breite Bewegung, die sich gegen diese Etikette, den Zwang und die Unnatürlichkeit im Kaiserreich wandte.“ Hagen sollte zum kulturellen Mittelpunkt der Welt werden InseinemneuenWDR-3-Feature „ImWestenwasNeues“macht sichPolster auf dieSuchenachdenVordenkerndesBauhauses, jenen Figuren und Bewegungen, aus deren Einflüssen sich speiste, was in Weimar und Dessau später entworfen, gemalt, gebaut und gewebt wurde. Er findet Rohkostler undNudisten (die ersten in Essen!), die Wandervögel sowie einen umtriebigen Hagener Mäzen, der Hagen Hagen, Künstlerkolonie Hohenhagen am Stirnband: Diese Villa wurde nach den Entwürfen von Mathieu Lauweriks 1910 bis 1914 erbaut. Nach den Entwürfen von Peter Behrens und unter Mitarbeit Gropius‘ entstand von 1906 bis 1908 die Villa Cuno in Hagen. Fotos: akg-images/Bildarchiv Monheim Im Bauhaus-Atelier Paul Klees in Weimar, 1. April 1925 (v.l.): die Bauhausmeister Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Georg Muche und Paul Klee. Foto: akg-images Fantastischer Marketing-Mann, aber lausiger Architekt? Walter Gropius‘ Dessauer Meisterhaus, Ebertallee, von 1928. Drei Figurinen des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer. Die Urauffüh- rung fand 1922 in Stuttgart statt. Foto: aks-images WDR 3 SA / 30. März / 12:04 SO 31. März / 15:04 Wie aktuell ist das Bauhaus? Eine Wunschbox zwischen Innovation und Marke Von Joachim Büthe WDR Onlineprojekt Der Bauhaus-Code www.wdr.de/k/bauhaus »WDR 3 Kulturfeature«

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