WDRprint April 2019

19 18 Natur Natur ImleerenBienenstockmitdemWDR2- Logo brennt rotes Licht. Daneben liegen mehrere Gopros, kleine Digitalkameras, wie sie beispielsweise Sportler am Helm befestigen. Die Aufgabe für das vierköp- fige Team der Abteilung Kamera und Ton lautet, aus einemBienenstock eine Art Big- Brother-Haus für Hautflügler zu machen. Imbesten Fall gelingt es den beiden Kame- ramännernAxelWeber undMichaelWeid- ler sogar, eine 360°-Kamera zu installieren. „Das wäre dann eine Weltpremiere“, sagt Thomas Hallet, Projektleiter von »Bienen live« aus dem Programmbereich Internet. Das rote Licht wird die Bienen nicht stören, dieseWellenlänge können sie nicht wahrnehmen. Ein Problem ist bislang nicht gelöst: Bienen überziehen alles in ihrem Stock mit einem Harzsekret, die Linsen und eventuelle Fenster, durch die hindurch gefilmt wird, müssen so montiert werden, dass man sie regelmäßig reinigen kann. Wer wird bienenfreundliche Schule? InsgesamtdreiBienenstöckewirdWDR 2 in Kooperation mit den Kollegen vom Pro- grammbereich Internet und »Planet Schule« ab April beobachten. Für das WDR 2-Bie- nenvolk übernimmt eine Grundschulklasse im ostwestfälischen Lage die Patenschaft. Unterstützt wird sie dabei von dem erfahre- nen Hobby-Imker Christian Strulik. Zusätz- lichwerdendieBienenvölkereines17-jährigen Jungimkers in Witten und einer Imkerin in Kölnmit modernster Technik ausgerüstet. »Planet Schule« vergibt das Siegel „Bienenfreundliche Schule“ und nimmt ab 4. April Bewerbungen entgegen. Schulen, die eine Bienen AG anbieten oder insek- tenfreundliche Blumenwiesen anlegen, können sich melden. Unter dem Titel »Bienen live« wird WDR 2 ein Bienenjahr lang – also etwa vom ersten Ausflug zu den Blüten bis zur letzten Honigernte – über die drei Völker berichten und die Einblicke um viele Tipps und Infos rund um das spannende Thema ergänzen. „Wir wollen unterhaltsam und informativ auf Problemewie das Bienenster- benaufmerksammachen,“ soWDR2-Redak- teur Marc Saha. „In der Kick-off-Woche ab 4. April werden wir auch darüber sprechen, wie gefährlich Bienenstiche sind, wie man guten Honig erkennt und welcher Honig gesund ist.“ Alle Bienenfans können aber auch selbst aktivwerden.WDR 2 verschickt an Schulenund andere Interessierte Saatgut speziell für Bienenweiden. Sowirddie Schul- hofwiese zumeigenenBeobachtungsposten. WDR2 - Kollege Ali Akinci, imSender für das Projekt verantwortlich, hat selber »Bienen live« Thementag Bienen DO / 30. Mai bienenlive.wdr.de Informationen und Sendungen zum Naturschwerpunkt »Unsere Natur bewegt uns alle« unter www.unserenatur.wdr.de fünf Jahre lang als Hobby-Imker Bienen- völker inDüsseldorf betreut. Er koordiniert die Aktion für das Radio und plant einen großen Thementag am 30. Mai. ImHerbst kürtWDR 2 dann das Volk, das ammeisten Honig gesammelt hat und klärt die Frage, was besser schmeckt, „Stadthonig“ oder „Landhonig“. Akinci: „Der Wettbewerbs- faktor ist ein spielerischer Ansatz um zu schauen, welche Einflüsse sich inwelchem Maße auf die Völker auswirken.“ Dabei setzt der WDR eine neue Methode ein: den Sensor-Journalismus. „Ein Bienenstock ist eine Blackbox. Man weiß nicht, was darin vorgeht, was die einzelnen Bienen jeden Tag machen“, sagt Dr. Jakob Vicari. Der Wissenschaftsjour- nalist ist Sensor-Spezialist und wird den drei Stöckenmit seiner Technik zahlreiche Informationen entlocken. „Das ist meines Wissens das erste Mal, dass Journalisten versuchen, einen so tiefenEinblick in einen Bienenstock zu erhalten“, sagt er. EineWaagewird alle zwei Stundendas Gesamtgewicht des Stocks ins Internet schi- cken, Temperaturfühler im Inneren geben Auskunft über denGesundheitszustanddes Superorganismus, der aus tausenden von 360-Grad-Kamera im Bienenstock, seine Bewohner ausgestattet mit QR-Codes: WDR.de , WDR 2 und »Planet Schule« starten am 4. April mit »Bienen live« ein neues, herausforderndes Sensor-Projekt. BIENEN LIVE Tieren besteht. Wind- und Regensensoren außen verraten, bei welchem Wetter die Bienen lieber zu Hause bleiben. Tweets von der Königin Die Datenwerden auf derWebsite teils in Kurvendiagrammen dargestellt, teils als „Tweets von der Königin“ in automatisch generierte Texte übersetzt. Zwischendurch vergleicht Vicari die Daten der drei Stöcke und erklärt in einem Newsletter besondere Ereignisse. Die externe Website bienenlive. wdr.de, auf der alle Bilder und Informatio- nen bereitgestellt werden, betreut Thomas Hallet, der vor zwei Jahren das erfolgreiche undpreisgekrönteSensor-Projekt »DieSuper- kühe« entwickelte. Auch das WDR Fernse- henwirdmit derUnterstützungderKollegen Michael Herbst und Frank Schützeichel aus der Abteilung Kamera und Ton Zugriff auf Live-Bilder ausdemBienenstockbekommen. Sogar einzelne Starts und Landungen können die Sensoren erfassen. In die acht Ein- und Ausgänge werden je zwei Licht- schranken eingebaut, diemelden, inwelche Richtung die Tiere fliegen. „So kann man beispielsweise abends feststellen, wie viele Bienen den Tag über verloren gegangen und zuVogelfutter gewordensind“, sagtVicari. In einem zweiten Schritt sollen sogar einzelne Bienen mit einer Art QR-Code ausgestattet und überwacht werden. So wird endlich die Fragebeantwortet, oballeBienenfleißigsind. Christian Gottschalk WDR 2 Kick-off-Woche MO-SO / 4.-7. April Im „WDR-Bienen-Labor“: Marc Saha (l.), Ali Akinci, im Hintegrund Kameramann Michael Weidler (r.) und Praktikannt Iman Foto: WDR/Dahmen

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