WDRprint April 2019

25 Panorama Mit der Themenwoche Mobbingbegabsich1LIVE einmal mehr auf die »Die dunkle Seite« der Gesell- schaft. Die Resonanz war riesig. „Die Schultern häng‘n nach vorne, schon wieder. Du kauerst dich zusamm’n. Die Stunden sind voll Angst. Die Pausen viel zu lang.“ So beginnt der Song „Messer“, den Bosse, Capital Bra und Prinz Pi für die Themenwo- che „1LIVEDie dunkle Seite – Mobbing“ kreiert haben. Der Song und mehr als zwei Dutzend Prominente, die im 1LIVE-Interviewüber Mobbing berichteten, spra- chen zahlreichen Fans des SendersausderSeele.Ebenso wie die Experteninterviews undBeiträgezuMobbingaus Sicht von Tätern, Opfern und Zuschauern in der Themenwoche vom 11. bis 17. März. Das zeigen rund 60.000 Besuche der Website und eine Reichweite vonmehr als neunMillionen bei den sozialen Netzwer- ken, auf denen Inhalte geteilt oder kom- mentiert wurden. So schrieb Saskia: „Ichwurdewährend der gesamten Schulzeit gemobbt, das Lied gibt mir jetzt selbst Jahre später Kraft und Bestätigung.“Oder Julia: „Über Jahre vonder Klassengemeinschaft kollektiv ausgeschlos- sen zu werden war so hart, dass es meine Depression verstärkt hat.“ Und Steven: „Das Lied spiegelt ziemlich viel von dem wider, was meinem Sohn widerfahren ist.“ Jochen Schliemann, verantwortli- cher 1LIVE-Redakteur: „Über Mobbing zu 1LIVE sprach mit seiner Themenwoche vielen Hörern aus der Seele „Mobbing hat jeder erlebt“ sprechen ist eine fragile Angelegenheit. Gerade für Prominente, die in der Öffentlichkeit stehen – und damit Schwäche zeigen. Es zeigt aber auchallenOpfern: Ihr seid nicht allein.“ Wenn etwa Rapper SamyDeluxe sagt: „Ichhatte manchmal genug Courage, umwas zu sagen. Aber auch nicht immer.“ Oder Bosse sich erinnert: „Die prä- gendstenSituationenwaren eigentlich die, in denen ich dasGefühl hatte, dass ich so zehnoder zwölf Leute gegen mich hatte.“ Und Come- dian Bülent Ceylan denkt an seine Cordhosen, „die in der Schule für Gelächter sorgten. Ichwollte sogar die Klasse wechseln“. Sch l iemann : „Die Resonanz auf das Thema Mobbing war noch größer, als 2018 auf die 1LIVE-Themenwoche ,Depressionen’. Weil Mobbing jeder erlebt hat – als Opfer, Täter oder Zuschauer.“ Raumfür solche unbeque- men Themen zu schaffen, sei Teil des Auf- trags eines öffentlich-rechtlichen Senders. Deshalb wird es »1LIVE Die dunkle Seite« auch im kommenden Jahr wieder geben. Thema noch offen. hei Foto: WDR Bettina Böttinger interessiert »Ihre Mei- nung« zu den Freitags-Schülerdemos. „Ich finde es gut, dass sich Schülerinnen und Schüler offenbar mehr Gedankenmachen als der Rest der Menschheit. Es wird höchste Zeit! Ob das während des Unterrichts o.k. ist? Ichbingespannt auf dieDiskussion!“, soBettina Böttinger. In ihrer Live-Sendung am 11. April werden 100 Gäste in den Kölner WDR Arka- den mitdiskutieren. Wer teilnehmen möchte, schreibt an ihremeinung@wdr.de . „Interessierte rufen wir zurück, um mehr über ihre Motiva- tion zu erfahren, und um Gäste einzuladen, die repräsentativ alle Aspekte zum Thema abbilden – ohne politisch gelenkt zu sein“, sagt TorstenBeermann, nebenMichaelHeussenver- antwortlicher Redakteur. Einen Vertreter der Erde retten auf dem Stundenplan Bettina Böttinger ist gespannt auf die Disksussion am 11. April. Foto: WDR/Korr „alten Politik“, so Beermann, sowie eine Ver- treterin oder einen Vertreter der „Fridays For Future-Bewegung“ lädt die Redaktion selber ein. Angefragt wird Christian Lindner, der mit seiner These „Lasst beimKlima die Profis ran!“ idealer Diskussionspartner sei. Wie immer standen zwei bis drei Themen für »Ihre Meinung« zur Auswahl, die kontro- vers diskutiert werden. Schließlich setzten sich die Schülerdemos – unter anderem gegen „Bio contra konventionelle Ernährung“ – für April durch. Beermann: „Es ist ein sehr emotionales, diskussionswürdiges Thema, über das sich die Generationen leicht streiten können.“ hei WDR FERNSEHEN DO / 11. April / 20:15 »Ihre Meinung« Schule schwänzen für das Klima – wie retten wir unsere Erde? Titelthe 24 Titelthema Auch einschlägige Universitäten wie Stanford oder MIT leisten Bahn- brechendes. Die Forschungs-Etats in den USA sind gigantisch. In China hat die KI-Forschung ebenfalls einen hohen Stellenwert, denn das Land hat sich auf die Fahnen geschrieben, der weltgrößte Player in Sachen KI zu werden. In Deutschland hingegen gibt es zwar Spitzenforscher, doch im internationalen Vergleich wird die Entwicklung nicht konsequent vorangetrieben. Hat Deutschland das Wettrennen umKI verloren? Noch haben wir eine Chance auf- zuholen, doch hierfür braucht es ein europäisches Bewusstsein. Gerade beim Thema KI gibt es ein hartesWettrennen zwischen den USA und China. An manchen Stellen spürt man bereits die Schärfe des Konflikts, so zum Beispiel aktuell bei dem chinesischen Unternehmen Huawei im Zusammenhang mit den künftigen 5G-Mobilfunknetzen. Hier wird gerne behauptet, dass die chinesische Technik unsere Daten abhört. Wenn man jedoch ehrlich ist, so gilt das leider auch für viele US-Unternehmen, denn auch hier sind unsere Daten nicht wirklich geschützt. Dennoch werden deutsche Polizeivideos beimUS-Hersteller Amazon gespei- chert. Das zeigt mir, wie wichtig eine unabhängige europäische Infrastruktur wäre. Zudemsollten wir noch intensiver mit allenNati- onen zusammenarbeiten, denn je vernetzter dieWelt ist, umso gerin- ger ist dieGefahr vonBlockbildung und Konflikten. KI kann uns in der Medizin von großemNutzen sein. Und wo kann sie uns schaden? Eine Schattenseite der KI sind zum Beispiel intelligente Algorithmen, die den Informationsfluss innerhalb von sozialen Medien steuern. Sie führen dazu, dass sich auch verstärkt Fake News ausbreiten. Das hat schlimme Konsequenzen: Impfgegner nutzen die Plattformen, und in Japan fiel durch Falschmeldungen die Quote der HPV-Impfung von 80 auf unter ein Prozent. Man rechnet damit, dass in den nächsten Jahrzehnten jährlich etwa 3000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs sterben werden, weil sie nicht geimpft sind. Was können wir und was muss die Politik tun, damit KI nicht zum Fluch wird? Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft auch über die ethi- schen Aspekte dieser Entwicklung reden. Wir brauchen bei allen Chancen auch dringend neue Normen und Regeln. Mit unserer Dokumentation wollen wir ein Bewusstsein für die Relevanz dieses Themas schaffen. Das Erste MO / 8. April / 22:45 Der große Umbruch – Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert Teil 1 Der große Umbruch – Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert Teil 2 voraussichtlich im Mai Wenn immer mehr Arbeiten vonMaschinen übernommenwerden: Wie wird das unsere Gesellschaft verändern? Neue Technologien haben seit jeher unsere Arbeitswelt ver- ändert. Bestimmte Jobs werdenwegfallen, neue werden entstehen. Heute arbeiten wir nur noch halb so viel wie vor hundert Jahren. Die spannende Frage ist: Schaffen wir es, den großen Umbruch so zu gestalten, dass er nicht zur Spaltung der Gesellschaft führt? Dass nicht einige wenige immer reicher werden, während die Mehrheit zu den Verlierern zählt? Die heutigen Entwicklungen geben uns die Chance, vieles zu verbessern, doch wir dürfen das destabilisierende Potenzial nicht unterschätzen. Es liegt an uns allen darüber zu entscheiden, inwelcher Gesellschaft wir leben wollen. Wie funktioniert die Zusammenar- beit mit Tilman Wolff? Tilman ist ein toller und erfah- rener Kollege. Wir agieren bei „Der große Umbruch“ beide als Autoren und haben zudem bewusst sehr schlank produziert. Wir reisen nur zu dritt zusammen mit dem Kameramann Jan Kreutz, mit dem ich bereits in der Vergangenheit viel gearbeitet habe. Bei kleinen Teams fühlt sich jeder verantwortlich und jeder packt mit an. Trotz sehr viel Arbeit ist die Stimmung im Team großartig. Unsere RedakteurinMonika Grebe, die das Projekt im WDR betreut, bringt dabei ebenfalls wichtige Perspektiven und Gedanken ein. Ich kann nur sagen: small is beautiful! „Eine Schattenseite der KI sind intelligente Algorith- men, die dazu führen, dass sich Fake News ausbreiten.“ Das Pekinger Start-up Watrix arbeitet an Methoden der Bilderkennung; inzwischen identifizieren sie Menschen an ihrem Gang.

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