WDRprint April 2019

27 26 WDR online Manche Hörspiele, Satire-Sendungen oder Features findenals Podcast inzwischen mehrHörer als über die lineareAusspielung imRadio. EinenmaßgeblichenAnteil daran hat auch die ARD Audiothek. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Hörer entschei- den, wann sie etwas hören möchten, kön- nen die Podcasts unterbrechen und später weiterhören, sie sich für Zugfahrten durch ödeGegenden ohneNetzabdeckung imhei- mischen WLAN herunterladen, oder zum Einschlafen hören – ohne am Ende was zu verpassen. „Das Einschlafen mit Audio war Pessimisten sahen parallel zum Aufstieg des Internets den Tod des Radios voraus. Inzwischen weiß man: Das Gegenteil ist der Fall. Hören im Netz ist in. Eine besondere Erfolgsstory für den WDR- Hörfunk ist die App „ARD Audiothek“. immer schon ein Klassiker – jetzt auch mit Podcast“, sagt Martin Oels, Online-Beauf- tragterHörfunk imWDR. Er und seinTeam sorgendafür, dass diePodcast-Folgendie for- malenAnforderungenderApp „ARDAudio- thek“ erfüllen, bevor sie denWDRverlassen, sodass die Zulieferung reibungslos läuft. Sie haben ein Regelwerk für die WDR- Redaktionen erstellt und sind für die Endabnahme mitverantwortlich. Denn in Mainz, wo die ARD ihre Radio-App kuratiert, sitztnur einekleineRedaktion. Deshalb muss der WDR sowohl die sichtbaren Informationen als auch für den User unsichtbare Metadaten mitliefern. Sichtbar: ein ansprechendes Foto im richtigen Format, eine erhellende Kurzbeschreibung („Humorvoller Krimi umFinanzbeamte und Steuersünder“), eine kurze Inhaltsangabe, Nennung von Autor oderAutorinundProduktionsjahr. Genauso wichtig sind aber dieMetadaten imHinter- grund: Bis wann darf die Datei zur Verfü- gung gestellt werden, Länge, Genre und so weiter. DieseDaten erlaubender Audiothek- Software inMainz, die Inhalte korrekt indie App zu laden. Die Podcasts sind zwar auch über die Webseiten der einzelnen ARD-Anstalten und über Drittanbieter wie iTunes verfüg- bar. DieApp „ARDAudiothek“ aber, kosten- los erhältlich in den App-Stores von Apple und Google, bietet gebündelt das Beste an, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk für seine Radiosender produziert, und macht es dem Publikum leicht, sich in dem rie- sigen Angebot zurechtzufinden. Eine von derMainzer Redaktion gestaltete Startseite bietet mit Rubrikenwie „Unsere Favoriten“, „Meistgehört“ oder „Ausgewählte Sendun- gen“ einen übersichtlichen Einstieg. Hier errechnet keinAlgorithmus, was jemandem gefallenkönnte. Eine schlichteMenü-Leiste sortiert die Inhalte nach Genres und The- menwie „Hörspiel“, „Lesung“, „Wirtschaft“. Die Programmierer haben sich die Wün- sche der User zu Herzen genommen, sagt Oels, und die App nicht mit Funktionen überladen. Sie ist übersichtlich und für jedermann leicht zu benutzen. Mehr als eine halbeMillionMenschen haben sich die kostenlose App bislang auf ihre Smartphones geladen, von 21 Millio- HÖREN IMNETZ IST TOTAL IN Martin Oels (Mitte) und sein Team (v.l.): die freien Mitarbeiter Lisa Achenbach, Verena Gebauer, David Kick, Rohita Bruckmann, Tobias Grimm und Alex Freise. Fotos: WDR/Dahmen Eine Web-Version der App ist in der Testphase, und künftig bietet die App auch das Live-Streaming aller ARD-Sender. nen Abrufen entfielen 2018 etwa ein Vier- tel auf WDR-Produktionen. Oels: „Man muss natürlich wissen, dass wir sehr viele Podcasts anbieten und entsprechend viele Produktionen in der App haben.“ Die ARD Audiothek fördert Erstaunli- ches über das Nutzungsverhalten zu Tage: Etwa 43 Prozent der einmal gestarteten Bei- träge werden komplett zu Ende gehört. Die durchschnittlicheWiedergabedauer liegt bei 32Minuten. Das bedeutet: Die Leute überle- gen sich sehr genau, was sie hörenmöchten. Und das, was sie finden, gefällt ihnen. Auf Platz eins der WDR-Produktionen lag im Februar übrigens der erste Teil eines Hör- spiels nachKen Follet, „Das Fundament der Ewigkeit“. Der sechste Teil der aufwändigen Produktion fand sich immerhin noch auf Platz 17wieder. Dazwischen: zahlreicheHör- spiele und ein Kultur-Feature über Fake News. In den WDR-Top-30 finden sich immer wieder auch mehrere Ausgaben von »Neugier genügt« und der »Unter- haltung amWochenende«. Eine Web-Version der App ist zur- zeit inder öffentlichenTestphase. Damit kannman das Angebot künftig daheim oder unterwegs auch über den Browser nutzen. Hier ist bereits integriert, was in der App erst die nächste Version bieten wird: das Live-Streaming aller ARD-Sender. Das älteste elektronische Massenmedium, das Radio, und das vergleichsweise junge Internet ergänzen sich also vortrefflich. „Es gibt, glaube ich, derzeit eine Übersättigung durch Bilder“, vermutet Oels. „Die Leute wollen sich die Bilder lieber selbst im Kopf machen.“ Christian Gottschalk 21 Millionen Abrufe: Mehr als 500.000 Hörer nutzen die App „ARD Audiothek“ bereits.

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