WDRprint April 2019

Foto: WDR/Fußwinkel 43 Berufsbilder 42 An diesem verregne- ten stürmischen Sonntag- morgen steht der Fernseh- übertragungswagen FÜ 2 samt Rüstwagen vor dem Südportal des Kölner Doms. Hier wird der WDR gleich das Pontifikalamt zur Eröff- nung der Fastenaktion von Misereor übertragen. Pia Krauß hat mit Bildtech- niker Kim Hansen schon zwei Tage zuvor die Kame- ras in der Kathedrale aufge- baut und mit dem Ü-Wagen verbunden. Auch ihr ist das Metier inzwischen vertraut, seitdem sie zu Beginn ihres Trainee-Programms in die Grundlagen der Bildtechnik eingearbeitet wurde. Jetzt sitzen die beiden an der Seite von Bildingenieur Olaf Kannengießer im Ü-Wagen. Krauß steuert an ihrem Kontrollpult vier der acht Kameras, Hansen übernimmt die anderen vier. „Wir checken vor der Übertragung die Rot-, Blau- und Grünanteile in den Bildern“, erläutert sie. Außerdem ist sie für die Helligkeit des Kamerabildes zuständig: Die Kameraleute in der Kirche sorgen für Bildaus- schnitt und -schärfe, imÜ-Wagen steuert Krauß die Blende. „Ein bisschen mehr Schwarz auf die sechs“, wirft der Bildingenieur ein. Er hat Zugriff auf alle acht Kameras und sorgt für die Feinab- stimmung von Licht- und Farbgebung. „Wenn der Bildtechniker neben mir drei Blenden heller ist als ich, dann haben wir kein harmonisches Gesamtbild“, sagt Krauß. Sie gleicht mit ihrem Joystick die Schwarzwerte der Kamera sechs an. Nun stimmt die gewünschte gedämpfte Lichtstimmung. Trainees arbeiten in Projekten Seit Oktober 2018 ist Pia Krauß Trainee in der Direktion Produktion und Technik (DPT). Zuvor studierte sie Medientech- nologie an der TH Köln. Nichts für Technik-Muffel: Im Studium geht’s los mit Grundlagen unter anderem in Mathematik, Elek- trotechnik und IT. Wie üblich im Trainee-Programm wird Pia Krauß beim WDR in verschiedenen Projekten eingesetzt. „Ich gucke in die unterschiedlichen Berufsgruppen mal rein und sehe, wie sie zusammenarbeiten“, sagt Krauß. In ihrer gegenwärtigen Stage, Multimedia- und Großproduktion (MuG), hat sie den Auftrag, eine neue „Inca“ technisch zu entwerfen und umzusetzen. Das ist eine mobile Fernsehregie, die zerlegt und in Kisten („in cases“) verpackt werden kann. Damit wird bei Bedarf in engen, schwer zugänglichen Räumen produziert. ZumBeispiel, wenn auf einem Schiff gedreht werden soll. „Die Technik im digitalen Zeitalter entwickelt sich rasant. Inca und auch die die mobile Produk- tionseinheit MPE bekommen daher ein ,Update‘“, erzählt sie. Jetzt plant sie, welche Bildmischer, welches Audiomischpult und welcher Server für die neuen Einheiten benötigt werden. Auf wel- Medienberufe haben sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt. Ausbildungswege sind vielfältiger und umfang- reicher geworden. Wir begleiten diesmal Pia Krauß. Die 24- Jährige absolviert ein Trainee- Programm in der Direktion Produktion und Technik. cher IT-Struktur soll das Ganze basieren? „Um das alles verstehen zu können, habe ich bei vielen Pro- duktionen mitgeholfen“, erklärt Krauß. Und da war vomRosenmontagszug bis zur Übertragung von Fuß- ballspielen vieles dabei. VerschiedeneBerufsfelder „Toi, toi, toi. Schöne Sendung!“, ist über die offene Regie im Ü-Wagen zu hören. Pia Krauß behält ihre Kamera sechs beson- ders im Auge. Denn die ist drahtlos und bewegt sich während der Messe imDom. Dadurch verändern sich permanent die Lichtverhältnisse. „Da muss ich sehr genau aufpassen.“ Eine Stunde später. Die Sendung ist fehlerfrei über die Bühne gegangen. Beim Abbau lernt sie ein weiteres Detail ken- nen. Kollege Hansen befestigt eine Notiz an einem defekten Kamerakabel. Mit dem sogenannten „Ticket“ am Gerät kann das Lager später die Reparatur veranlassen. Pia Krauß hatte schon immer einen Draht zur Technik. Rumtüfteln, was Neues ausprobieren, Lösungen suchen, das ist ihr Ding. Aber im Team Verantwortung zu übernehmen, ist eine neue Erfahrung: „Wenn man nur danebensteht, ist das was anderes, als wenn man es selbst macht.“ Bis zum Ende ihres 18-monatigen Trainee-Programms wird Krauß noch zwei andere Stagen durchlaufen, umweitere Berufs- felder kennenzulernen. Sie weiß aber schon jetzt, dass sie der Bildtechnik treu bleiben wird. Denn hier kann sie praktisch umsetzen, was sie im Studium theoretisch gelernt hat. Und das macht ihr „superviel Spaß“. Ute Riechert Wiekommtman ineinWDR-Traineeprogramm? Um ein Traineeprogramm in der Direktion Produktion und Technik absolvieren zu können, benötigt man ein abgeschlossenes Hochschul- studium. Den größten Bedarf haben wir zurzeit an Absolventen der IT- und Medientechnik, darüber hinaus bieten wir auch Absolventen der Betriebswirtschaft, Medienwirtschaft, Kommu- nikationswissenschaften und des Medienmana- gements Plätze an. Die Trainees lernen unterschiedliche Gebiete und Facetten der modernen Radio-, Fernseh- und Internetproduktion, Programmverbreitung sowie IT- und Medientechnik näher kennen. Das Traineeprogramm umfasst alle Bereiche der Direktion Produktion und Tech- nik und setzt je nach Studium unterschiedliche thematische Schwerpunkte. Marianna Granz, Zentrale Personalentwicklung / Aus- bildung Eine von uns: PIA KRAUSS Trainee Pia Krauß im Kölner Dom. Sie hat die Kameras mitaufgebaut und kann während der Produktion ihr neues Wissen in der Bildtechnik anwenden. Foto: WDR/Dahmen Weitere Informationen unter: www.karriere.wdr.de

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