WDRprint April 2019

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Redaktion: Maja Lendzian (Leitung), Redaktionsassistenz: Marita Berens, Susanne Enders Haus Forum, Raum 102 Appellhofplatz 1 50600 Köln Tel.: 0221-220 7144, Fax: 0221-220-7108, E-Mail: wdrprint@wdr.de Bildrecherche: Maria Lutze (Dokumenta- tion und Archive), Bild-Kommunikation Das Titelfoto von Ralf Wilschewski zeigt Ranga Yogeshwar mit einem Produkt einer weltweit führenden Firma aus Augsburg auf dem Gebiet der Robotertechnologie. Redaktionsbeirat: Anja Arp (Personalrat), Martina Ewringmann (Marketing), Markus Gerlach (Produktion&Technik), Christiane Hinz (Fernsehen), Ulrich Horstmann (Hör- funk),JanHuber(Intendanz), BirgitLehmann (Studio Düsseldorf), Michael Libertus (Justi- ziariat),Uwe-JensLindner (phoenix),Andrea Schedel(HABetriebsmanagement),Christina Schnelker (Direktion, Produktion und Tech- nik), Carsten Schwecke (Verwaltungsdirek- tion), Elke Thommessen (Personalrat). 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Dennwennes, wienoch diesen Januar, minus 20 Grad sind es in Moskau, sieht man beim schnellenBahnenschwimmennurunterWasser, obdaGegenverkehr kommt, soneblig ist es. Überhaupt versuchtman, nur ganz kurzmit demKopf überWasser zu sein. FürWeicheier wiemich gibt es extra luftgepolsterte Bademützen, die halten den schlimmsten Frost ab. „Setz dich, Täubchen“, sagte die Dame Dass ich überhaupt in der Tschajka schwimmen darf, ist ein Erfolg für sich. Denn – einfach reingehen, Karte kaufen und ab in die Umkleide – das funktioniert in Moskau nicht. Hier ist vieles seit Sowjetzeiten streng geregelt, und dazu zählt auch das Baden in öffentlichen Badeanstalten. Wer schwimmen will, muss sich zunächst registrieren lassen. Und zwar mit Ausweis oder Pass. Allen Ernstes. Bei mir dauert die Prozedur ewig – die Dame hinter dem Computer muss ja die lateinischen Buchstaben aus meinem deutschen Reisepass in kyrillische umschreiben, sie muss als nächstes mein Visum in ihre Datei übertragen, und dann werde ich auch noch fotografiert. „Damit wir Sie nächstes Mal gleich erkennen“, sagt sie. In Sachen Grenzschutz ist die Tschajka ganz weit vorn. Aber ins Wasser darf ich noch immer nicht – dazu brauche ich noch die Sprawka. Übersetzt bedeutet das „Beschei- nigung“, aber eine Sprawka ist viel mehr als das. Früher in der Sowjetunion war es ein beinahe magischesWort, eine Art Türöffner. Mit der richtigen Sprawka musste man sich nicht in Warteschlangen einreihen, kam in ansonsten unzu- gängliche Amtsstuben, in den Genuss aller möglichen Privilegien. So wichtig waren Sprawkas, dass sie auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden. Im Falle der Tschajka ist die Sprawka nichts anderes als eine ärztliche Bescheinigung: dass es unbedenklich ist für mich (und für die anderen Badegäste), mich dort schwimmen zu lassen. Praktischerweise hat die Tschajka einen eigenen medizi- nischen Dienst, bei dem man Sprawkas bekommt. Und dorthin schicktemich die Dame vomGrenzschutz jetzt: „den langenGang entlang, zweites Kabinett rechts.“ Hinter der Tür saßen ein Herr und eine Dame in weißen Kitteln und verzehrten die Reste eines Eiersalats mit viel Majonaise. Mein Eintreten störte sie kein biss- chen. „Setz dich, Täubchen“, sagte die Dame. „Der Doktor kommt sofort.“ Die Teller wurden weggestellt, sie kontrollierte in ihrem Computer, ob ich auch die auf dem Foto sei, und er wollte meine Fingernägel sehen. „Danke. Und jetzt den Bauch. Aber nur unten – nein, nicht den Pulli ausziehen, danke, reicht schon.“ Das Ganze dauerte etwa 20Sekunden. „Soll ichnicht die Füße zeigen?“ „Haben Sie denn Fußpilz? Haben Sie nicht? Dann brauchen Sie siemir auch nicht zu zeigen.“ Zum Schluss wurde ich noch gefragt, wie langemeine Sprawka denn gültig sein solle – einenMonat oder sechs? Verwirrt fragte ich nach dem Unterschied. „Die Untersu- chung ist dieselbe. Aber ein Monat kostet 200 Rubel, und ein halbes Jahr 600.“ So schwimme ich jetzt also bei Wind und Wetter medizinisch zertifiziert noch bis Juni in der Tschajka. Bis dahin bin ich wahrscheinlich so abgehärtet, dass der Doktor mich beim nächsten Sprawka-Ter- min gleich durchwinken wird. Ina Ruck (56), Leiterin des ARD-Fernsehstudios in Moskau, arbeitet seit 1993 als Korrespondentin für die ARD in Russland und den USA. MOSKAU VON INA RUCK

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