WDRprint Mai 2019

die Programmgruppe Politik und Doku NRW sowie 15 Jahre lang die landespoliti- sche Redaktion. „Politik in Nahaufnahme“ nennt Scholt das rückblickend, „dieChance, den politischen Betrieb sehr unmittelbar wahrzunehmen.“Da zeige kritische Bericht- erstattung zuweilen auch unmittelbare Wirkung, wenn etwa Recherchen von »Westpol« zu Untersuchungsausschüssen im Düsseldorfer Landtag führen. In ihrem neuen Job habe sie dagegen die Möglichkeit, den Blick zu weiten. Die Programmgruppe, für die sie nun zuständig ist, umfasst sowohl die Redaktionen von »Tagesschau« und »Tagesthemen« als auch die komplette Auslandsberichterstattung von Sendungen wie dem »Weltspiegel« bis hin zu den vomWDR geführten Auslands- studios. Da laute die zentrale Frage: „Was passiert im Rest der Welt und wie wirkt das auf uns?“ Scholt vergleicht das mit dem Einstellungswechsel bei der Kamera: „Ein ständiges Aufziehen und wieder Verdich- ten – ich glaube, das ist es, was den Job hier ausmacht, und was zum Verständnis einer globalisiertenWelt beiträgt.“ „Ich glaube an die europäische Idee!“ Die alles überstrahlenden Themen derzeit sind ganz klar gesetzt: „Was wird die Europawahl bringen? Wie stark wer- den Populisten und Nationalisten? Welche Auswirkungenwird der Brexit, der sichwie Kaugummi zieht, auf den Rest der Europä- ischen Union haben? Das beschäftigt uns und ist sehr spannendundherausfordernd“, sagt Scholt. Nach ihrer Einschätzung zur Zukunft Europas gefragt, bezieht sie eindeu- tig Stellung: „Ich glaube an die europäische Idee!“ Sie begrüßt deshalb, dass mit vielen, gerade auch digitalen WDR-Formaten der Wert der EuropäischenUnion ins Bewusst- sein der Menschen gerückt wird. InAnlehnungandieReihe#kurzerklärt auf tagesschau.dewill das StudioBrüsselmit #europaerklärt überdieSocial-Media-Kanäle des »Weltspiegels« inkurzenClips Basiswis- sen zur Europawahl vermitteln. InKoopera- tionmit COSMOentsteht das Format »Club 28« ( siehe Seite 16 ). Außerdem habe WDR- foryou, die Online-Plattform für Geflüch- tete, in den vergangenen Jahren sehr viel digitale Kompetenz erworben: „Die wollen wir jetzt vor derWahl aber auch in Zukunft für den »Weltspiegel« verstärkt nutzen.“ CIVIS Medienpreis 2019 Europas bedeutendster Medienpreis für IntegrationundkulturelleVielfaltwird im Rahmen des WDR Europaforums am 23. Mai 2019 in einer festlichen Gala im Auswärtigen Amt Berlin verliehen. Aus- gezeichnet werden Programmleistungen inFilm, FernsehenRadiound Internet. Zu denNominiertenderKategorieTV.VIDEO zählen die WDR-Reportage „die story: Judenhass in Europa“, die vom WDR koproduzierte Serie „Krieg der Träume“ und der »Monitor«-Beitrag „Rassismus pur: EinWerbeplakatundseineFolgen“. Im Bereich Audio wurde die COSMO-Repor- tage „Wir sind die Neuen: Akram – der Weihnachtsmann aus Syrien“ nominiert. Die Geschichts-App „WDR AR 1933-1945“ sowie mehrere Formate des ARD/ZDF Content-Netzwerks funk konnten die Auswahl-Jury ebenfalls überzeugen. CSh Mehr Infos: www.civismedia.eu Sabine Scholt übernimmt die Programmgruppe „Zeitge- schehen, Europa und Ausland“ (ZEA) in Zeiten von Umbruch und Neuorientierung. „Die Auslandsstudios: das Gold der ARD.“ Am Anfang sammelt sie Meilen und geht auf Weltreise – natürlich dienstlich gesehen. Seit Sabine Scholt imMärz die Lei- tung der Programmgruppe „Zeitgeschehen, Europa und Ausland“ (PG ZEA) als Nach- folgerin von Chefredakteurin Ellen Ehni übernommen hat, besucht sie die WDR- Auslandsstudios. Dieseverteilensicheinmal umdenGlobus. Sie will sich als neue Chefin ihren Mitarbeiter*innen vorstellen. Und im Gepäck hat sie die Idee eines neuen „Chef- vom-Dienst-ModellsAusland“. DieserDienst wird das neue Herzstück der PG ZEA sein. Sabine Scholt war bereits in Paris, Brüssel, Washington und New York und stieß dort auf große Zustimmung für ihre Idee, wie sie betont. „Ich will die Auslandsredaktion noch stärker als Fachredaktion positionie- ren“, erklärt sie. Sie sollwichtige thematische Impulse für den im Aufbau befindlichen crossmedialenNewsroomsetzen, denndort arbeiten künftig Fernsehen, Hörfunk und Internet zusammen.DerAuslands-CvDsolle dabei als „Makler“ fungieren, der die Ange- botederKorrespondent*inneninsProgramm und in die digitalen Kanäle vermittelt. „Es wäre doch absurd, wenn in einer zunehmend globalisierten Welt die Aus- landsberichterstattung weiter schrumpfen würde“, sagt Scholt, und man merkt, wie wichtig ihr dieses Thema ist. Da mehr und mehr Printmedien und Agenturen sich aus Kostengründen von ihren Korresponden- tInnen trennen, müssten die Öffentlich- Rechtlichen sich dafür starkmachen, ihrer Bedeutung und Verantwortung auch wei- terhin gerecht zu werden: „Die Auslands- studios sind das Gold der ARD - das, was uns unterscheidet.“ Nicht nur die aktuelle Berichterstattung, sondern auch die semi- aktuellen Auslandsthemen, Analysen und Hintergründe, wie sie der »Weltspiegel« oder die Auslandsausgaben von »Die Story« liefern, hält Scholt für extrem wichtig. DiezweitegroßeHerausforderungwerde es sein, dasKölnerTeamder »Tagesschau« in dennächstenMonaten indenNewsroomzu begleiten und gut zu positionieren: „Wir set- zenaufpositiveEffektedesNewsrooms, auch für die ARD-Berichterstattung.“ Vor fast 35 Jahren begann die Jour- nalistin ihre WDR-Laufbahn als Freie bei der »Aktuellen Stunde«, wo sie nach dem Volontariat auch Redakteurin und Mode- ratorin wurde. Ab 2000 war sie eines der Gesichter von »Westpol« und leitete zuletzt Nach fast 20 Jahren moderierte Scholt am 10. März zum letzten Mal »Westpol«. „Ich möchte jetzt die neue große Aufgabe annehmen, diese Abteilung weiter aus- zubauen“, sagt sie, „die Moderation spielt von nun an für mich eine kleinere Rolle.“ Im »Brennpunkt« oder als »Tagesthemen«- Kommentatorin wird sie jedoch weiterhin auf dem Bildschirm präsent sein. Wenige TagevordenEuropawahlenmoderiert siedas 22. internationale WDR Europaforum. Die eintägige Konferenz europäischer Spitzen- politiker im Auswärtigen Amt Berlin steht in diesem Jahr unter dem Motto: Europa gemeinsam gestalten – Zeit für ein neues europäisches Selbstbewusstsein. „Für solche Sonderformate stehe ichnatürlich auchwei- terhingernzurVerfügung“, soScholt, „beson- ders, wenn es sich um so ein hochkarätiges Gesprächsformat handelt.“ Christine Schilha Foto: WDR/Fußwinkel WDR FERNSEHEN DO / 23. Mai / 10:00, 14:00 WDR Europaforum 2019 COSMO DO / 23. Mai / 12:00 – 14:00 Livestream: europa-forum.wdr.de 21 Titelthema 20

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