WDRprint Mai 2019

23 22 Musik „Jetzt ist die Zeit, die Zukunft des Radios und des Netzes im Jazz Gegenwart werden zu lassen“, sagt Tinka Koch. Sie ist Jazz-Redakteurin beiWDR3 und beobach- tet schon länger: „Die Grenzen zwischen Jazz und anderenMusikgenres verschwin- den. Musiker lassen sich nicht länger einer bestimmten Richtung zuordnen, nehmen Elemente aus der elektronischen Musik oder dem Advanced Pop auf, die sich in ihrer Musik niederschlagen – und umge- kehrt.“ Größerer musikalischer Aktionsradius Künstler wie der Tenorsaxofonist Kamasi Washington etwa, der mit sei- nem Jazz auch Pop- und Hiphop-Fans begeistert. Auf erfolgreichen Musikfes­ tivals wie Le Guess Who? oder dem Flow Festival treffen Generationen und Genres aufeinander und reagieren miteinander, sie verschmelzen, mischen sich. „Es pas- siert etwas, das den Jazz schon immer ausgemacht hat“, stellt Tinka Koch fest, „und diese Entwicklung möchten wir als Radiosendung begleiten.“ Deshalb haben sich nun in der Redaktion von »WDR 3 Jazz & World« Jazz-Redakteurin Tinka Koch sowie die Redakteur*innenMarkusHeugerundStefanieSchrankvon»WDR3 Open Sounds« zusammengetan und die Musikstrecke von 22.00 bis 24.00 Uhr auf WDR 3 neu ausgerichtet. Mit neuen Modera- torenstimmen und erweitertem musikalischen Aktionsradius lädt »WDR 3 Jazz & World« die Hörerinnen und Hörer zu Ent- deckungstouren in den aktuellenMusikszenen ein. AmMontag, 1. April, hatte die neue Sendung Premiere. Was das Radio dem Netz voraus hat Im Vorfeld der Neuausrichtung gab es durchaus kritische Stimmen. Und ja, die Sendung klingt anders, der Stil, die Anspra- che durch die Moderator*innen haben sich stark verändert. Dass sich nicht jeder Hörer vom neuen Inhalt der Sendung angespro- chen fühlt, sei verständlich, so Tinka Koch. Interessant und erfreulich seien aber die Reaktionen auf dieMusik, die in »WDR 3 Jazz &World«mittlerweile zu hören ist. Diese stoße auf durchweg positives Feedback. Für Tinka Koch ein Beleg dafür, dass sich die Offenheit des Jazz auch in der Neugierde undOffenheit gegenüber artverwandter Musik durch die Hörer*innen widerspiegelt. WerMusik hörenwill, hat heutemit einemKlick jedes Genre und jeden Künstler auf dem Schirm. Im Internet haben Strea- mingdienste für eine neue Offenheit gesorgt. Tinka Koch: „Wir glauben, dass das Radio davon profitieren kann. Denn die neuen Möglichkeiten, sich Musik zusammenzustellen, fördern bei den Hörern die Neugier, in alles hineinzuhören und bauen jegliche Scheu ab.“ Voraus hat das Radio den Streaming- diensten die Moderatoren, die die Musik in einen Kontext stellen und Informatio- nen liefern. „Viele Menschen, die Musik hören, sind auch neugierig darauf, etwas über Musik zu erfahren.“ Darauf setzt die Sendung »WDR 3 Jazz &World«, die auch neue und jüngere Hörer*innen anspre- chen will. Zwei Moderatorinnen und zwei Moderatoren werden das Publikum künf- tig jeweils eineWoche lang durch die Sen- dung begleiten. Sie haben keine stilisti- schen Scheuklappen, dafür aber das, was Tinka Koch eine hohe Szene-Authentizität nennt: „Alle vier sind entweder selbst Musiker oder professionell in den jewei- ligenMusikszenen unterwegs.“ Die neuen Stimmen sindNina Heinrichs, Ilka Geyer, NiklasWandt und Thomas Mau, der auch schon vor der Neuausrichtung imModera- tions-Teamwar (siehe die folgenden Seiten). In Planung: ein aktueller Jazz-Podcast Das Jazz-Radio soll zukunftsfähig gemacht werden, sagt die Redaktion. Dazu gehört auch dieMöglichkeit zumNachhö- ren im Internet. „Viele Menschen haben ihr Hörverhalten digita- lisiert und sind daran gewöhnt, Sendungen auch sendezeitunab- hängig zu hören.“ Daher kann man sich »WDR 3 Jazz & World« künftig im Internet unter wdr3.de eine Woche lang anhören. In Planung ist ein Jazz-Podcast mit Beiträgen und Interviews aus der Sendung. »WDR 3 Jazz & World« beginnt stets mit einem aktuellen Stück. Widmete sich die Sendung bisher einemThema, so werden jetzt die verschiedenen Musikfarben der Improvisierten Musik sowie der Musikkulturen die Sendezeit bestimmen; hier bringt auch COSMO-Musikchef Francis Gay seine Expertise ins Team ein. Da kann es zum Beispiel um NRW als Region mit reicher Musikgeschichte gehen, die sich heute in Kollektiven wie dem Impakt Kollektiv oder dem KLAENG Kollektiv widerspiegelt, mit Musikern, die aus denMusikhochschulen in Köln und Essen kommen, und ganz unterschiedliche Ansätze verfolgen. Oder um die innovative UK-Jazz-Szene, in der es große Überschnei- dungen zum Hiphop und Afrobeat gibt. Auch die Entwicklung, dass Frauen immer häufiger zu Bandleadern im Jazz werden, soll musikalisch abgebildet werden, erzählt Tinka Koch. Unverändert bleibe das Engagament in der Jazzszene NRW, das Produktionsvolumen von WDR 3 und natürlich der Sende- platz: montags bis freitags von 22.00 bis 24.00 Uhr. Katrin Pokahr JAZZ WORLD Ausbrechen aus den engen Grenzen der musikalischen Genres: Die junge Jazz-Szene erforscht die Randgebiete. Und WDR 3 be- gleitet sie, öffnet diesen aufregenden Strömungen die neue Sendung »Jazz & World« – zwei Stunden täglich. WDR 3 Montag bis Freitag / 22:00 – 24:00 WDR 3 Jazz & World „Viele Menschen, die Musik hören, sind auch neugierig darauf, etwas über Musik zu erfahren.“ Die Redakteur*innen Tinka Koch und Markus Heuger Fotos: WDR/Fußwinkel

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