WDRprint Mai 2019

39 Berufsbilder 38 Die Woche beginnt für Sandra Schmitzmit der „Mor- genrunde“:Montags umneun sitzt sie mit einigen ihrer rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusam- men: EinAufsichtsingenieur, die Fachbereichs- und Grup- penleiter und Kollegen vom Produktionsdesk besprechen mit ihr dasWochenende. Gab es Auffälligkeiten im Sende- betrieb? Und wenn ja: Waren das lediglich Bedienfehler oder am Ende größere technische Probleme? Und dann ist da noch die Sache mit dem Materialaustausch. Wie wird sichergestellt, dass jede Redaktion auf Bilder der Kameraleute oder vorbereitete Beiträge zugreifen kann, die sie für ihre Sendung benötigen – und zwar innerhalb der ARD, zwischen den WDR-Standorten im In- und Ausland oder auch von außerhalb? Ein Thema, das die Kolleginnen und Kollegen in der Sendezentrale intensiv beschäftigt, vor allem, wenn es umaktuelle Ereignisse aus Politik oder Sport geht: „Je vernetzter wir arbeiten“, sagt dieAbteilungsleiterin, „destomehrGedankenmüssenwir uns darübermachen, wie Inhalte vonAnach B gelangen.“ Vernetztes Produzieren Heutewird fast alles file-basiert produziert. Die Sen- dezentrale ist innerhalb der vernetzten Produktionsland- schaft am Anfang und am Ende der Produktionskette beteiligt: Wie kommt das Material in das WDR-System – und wie geht es raus, also auf den Sender? Der Bereich Ingest kümmert sich darum, dass sämtliche Inhalte eingespielt werden und zur weiteren Bearbeitung beispielsweise im Schnitt vorliegen. Der dazugehörigeMAKS (Mediendatei Ausspiel- undKonver- tierungs-Service) stellt sicher, dass diverse Dateiformate angeliefert werden können. „Die Teams kommen heute nicht mehr nur mit klassisch gefilmtem Drehmaterial, sondern auch mit Drohnen- oder Handybildern“, erläu- tert Schmitz. Überspielungen und Signalzuführungen zumBeispiel aus den Bundesliga-Stadien für die »Sport- schau« werden gemeinsam mit dem Übertragungsma- nagement und dem Fernsehschaltraum realisiert. Am Ende der Produktionskette sorgt schließlich die Sende- abwicklung dafür, dass das Programmdas Haus verlässt. Entscheidend: Kommunikation Als Abteilungsleiterin ist Sandra Schmitz praktisch immer im Dienst. Sie wird notfalls auch abends spät zu Hause angerufen: „Der Aufsichtsingenieur meldete sich, weil unsere Sendeautomationanscheinendnicht einwand- frei lief. Wir haben dann gemeinsam überlegt, ob wir auf Sandra Schmitz (40) ist Abteilungsleiterin der WDR-Sendezentrale. Ein komplexer Job, wie Ute Riechert beobachten konnte. dasHavarie-Systemumstei- gen“, erzählt Schmitz. Die Entscheidung lag letztlich bei ihr. Auch sie ist Ingeni- eurin, Fachgebiet Elektro- technik, betont aber, dass Führungskräfte heute über weit mehr als fachliche Expertise verfügen müss- ten: „Ichhabehier ganz tolle Expertinnen und Experten, die genau wissen, was sie tun. Führungheißt fürmich Verantwortungübertragen– natürlich im richtigen Maß.“ Wesentlich in ihrem Job sei vielmehr die Kommunikation: „Ich spreche ganz viel mit den Leuten – über technische Neuerungen, redaktionelle Anliegen, Fragen der Zusammenarbeit mit anderen Berei- chen und natürlich über persönliche Entwicklungspers- pektiven.“ Sie ist fürMitarbeiterführung ebenso zuständig wie für den technischen Standard. Nicht zuletzt Innova- tionen und Investitionen liegen in ihrer Entscheidung. So ging es beispielsweise unlängst um ein Gerät zur Steue- rung der Lautstärke, mit der die WDR-Streamingkanäle beim Empfänger ankommen. Auch die Erneuerung der Sendeabwicklung steht an. Hier stellt sie sicher, dass die technische Konzeption den Rahmen des dazugehörigen ARD-Strukturprojektes erfüllt. „Zu diesem Strukturpro- jekt gehört auch die Zusammenlegung von Fernseh- und Hörfunkschaltraum in den kommenden Jahren – eine spannende Aufgabe“, ergänzt Schmitz. Momentan ist die Kölnerin mit der Planung des Betriebshaushalts 2020 beschäftigt. „Vorrangig benöti- genwir unser Budget für systemische Anpassungen und gelegentlichen Reparaturbedarf.“Was anzuschaffen ist, recherchieren oft die Kolleg*innen, die das technische Equipment täglich bedienen. Abteilungsleitung und Mitarbeiter*innen begegnen sich fachlich auf Augen- höhe – die Entscheidung aber hat am Ende die Chefin zu verantworten. Eine von uns: SANDRA SCHMITZ Sandra Schmitz im Fernsehschaltraum der Sendezentrale. Im Hintergrund Ingenieur Harald Kleiner Foto: WDR/Fußwinkel Die Laufbahn von Sandra Schmitz Die Kölnerin (Jahrgang 1978) studierte in ihrer Heimatstadt Elektrotechnik und schloss ihr Studium 2001 als Dipl.-Ingenieurin (FH) ab. Seit 2002 ist sie beim WDR. Zunächst hatte sie eine Stabsstelle im übergeordneten Leitungsmanagement. 2008 wurde sie Teamleiterin in der Abteilung IT-Services. In dieser Funktion betreute sie 2012 unter anderem die Fußball-Europa- meisterschaft in Polen und der Ukraine. Von 2014 bis 2016 arbeitete Schmitz als Referentin des Leiters der Abteilung IT-Services. Hier übernahm sie unter anderem die Leitung eines Teilprojekts im Rahmen der Reorganisation der Direktion Produktion und Technik (DPT). 2016 wurde sie Gruppenleiterin in der Hauptabteilung Aktuelle Produktion und Sendung. Ihre Aufgabe: betriebswirtschaftliche Steuerung. Seit Oktober 2018 ist sie Abteilungsleiterin Sendezentrale.

RkJQdWJsaXNoZXIy NTQ3NzI=