WDRprint Juni 2019

Fotos: WDR/Fußwinkel 37 36 Wenn Frank-Walter Steinmeier beim Eröffnungsgottes- dienst seine Grußworte an die Kirchentagsbesucher richtet, wird die Fernsehredakteurin der ProgrammgruppeWissen und Religion imÜ-Wagen sitzen. „Ich bin für die Live-Übertragung der Sendung verantwortlich“, so die Kirchenexpertin. Holz- hauer berichtete schon von Papstwahlen in Rom, von Bischofs- konferenzen und Synoden. Kirchenpolitische Themen haben sie immer interessiert, „weil sie relevant sind für das Geschehen in der Gesellschaft “ . Von Haus aus kommt sie aus dem aktuel- len politischen Journalismus. „ Ich habe viel aus dem Ausland berichtet und arbeitete im ARD-Studio Bonn als Reporterin und Redakteurin, als dort noch der Regierungssitz war.“ „Eine wirklich brisante Doku“ Mit drei Fernsehsendungen begleitet die 65-Jährige als Redakteurin den Kirchentag. Bereits am 17. Juni, zwei Tage vor der Eröffnung, zeigt Das Erste die Dokumentation „ Die Kirche und die Rechten – Der Streit um das christliche Welt- bild “ . Es geht um die Vereinigung „ Christen in der AFD “ , um „ Bibeltreue “ , die eine Rückkehr zur wörtlichen Auslegung der Bibel fordert, und Rechtspopulisten, die den Islam als christliches Feindbild in die evangelische Kirche tragen. Doch auch die katholische Kirche steht zunehmend unter Druck von ultrakonservativen Kräften, denen das Engagement des Papstes gegen den Klimawandel und für Geflüchtete nicht passt. „ Eine wirklich brisante Doku “ , sagt Holzhauer. Zum Abschluss des Kirchentages am 23. Juni zeigt Das Erste eine Reportage in der Reihe »Echtes Leben«. ARD- Reporter Philipp Engel sucht auf dem Kirchentag Ideen, die in die Zukunft weisen, und fragt: Wie schafft man es, mit Angst, Misstrauen und Fremdenfeindlichkeit umzugehen? Wie stellt man sichmit Mut der Zukunft? Für Holzhauer eines der wichtigsten Themen des Kirchentages: „ Wie kann man sich engagieren gegen die Angstmacherei?“ Alle Porträts von Christia Gottschalk „Der Kirchentag ist ein Brennglas, das auf die wichtigen Themen gerichtet wird.“ JOHANNA HOLZHAUER Susanne Grüger ist in der Chefredaktion Hörfunk verant- wortlich für die Koordination von Großveranstaltungen. Für den Kirchentagorganisiert die53-JährigezusammenmitMartinAndrae von der technischen Seite das ARD-Hörfunk-Pressezentrum, das imWDR-Studio Dortmund eingerichtet wird. Es wird über zwei Studios mit technischer Betreuung verfügen, die groß genug sind, dass auchGesprächsgästedarinPlatzfinden. Dortwerdenwährend des Kirchentages alle Rundfunksendungen der ARD produziert, die sich mit ihm beschäftigen. Beide Studios werden extra in den Dortmunder Räumen mit Schallschutztrennwänden aufgebaut. Auch Sparsamkeit gehört zu ihrem Job Dazu kommen drei kleine Autark-Studios, in denen die Autori*nnenBeitrage aufnehmenkönnen, und eine großeAnzahl vonArbeitsplätzenmit derMöglichkeit, Beiträge vorzuschneiden und Statements – „O-Töne“ imMedien-Slang – abzuhören. Wer wann für welche ARD-Welle live senden möchte, wurde lange vorher festgelegt. „Ich disponiere die Einsätze in den unterschiedlichen Studios“, so Grüger, „die aktuelle Bericht- erstattung kann man im Vorfeld natürlich nicht ins kleinste planen.“ Es muss also Puffer in der Disposition geben. Die Fachjournalisten können nicht überall sein, werden aber gut mit Material versorgt. „Wir lassen Mitschnitte von 60 Veranstaltungen in unsere Server einlaufen“, erklärt Grüger. In Absprachemit Hörfunkredakteurin Christina-Maria Purkert entscheidet sie, welche Mitschnitte schnell zur Verfügung ste- hen müssen, die dann live über Leitungen eingespeist werden. Andere, bei denen das „so drei Stunden Zeit hat“, werden auf Speichermedien gebannt, dann von Mitarbeitern ins Studio gebracht und auf den Server geladen. Grüger hat bereits vor anderthalb Jahren Hotelzimmer geblockt und kümmert sich umdie Akkreditierungen. Bei all dem Service müsste sie die beliebteste Mitarbeiterin vor Ort sein, aber sie hat noch eine Aufgabe. „Leider muss ich den Fachredakteuren manchmal auf die Füße treten. Denn wir haben ein von der ARD festgelegtes Budget. Da sindmanche teurenSonderwünsche leider nicht drin, Sparsamkeit gehört also zu meinem Job.“ „Wir sind mit einer Riesenlogis­ tik in Dortmund und schneiden 60 Veranstaltungen mit.“ SUSANNE GRÜGER Plan A war gut. Aufnahmeleiter Christian Gogos und sein Team hatten in Dortmund den Ort gefunden, der den besten Überblick über die Kreuzung am Ostentor bietet. Der Winkel stimmte, die Entfernung. Es war gar nicht so einfach, für diese Kamera fünf eine Position zu finden, aus der sie die aus allen Himmelsrichtungen auf den Platz strömenden Menschen und die 360-Grad-Bühne einfangen kann. Leider war er nicht der Einzige, der erkannte, dass man von dort den besten Überblick über das Geschehen hat. Das BKAwird genau dort seine Scharf- schützen positionieren. Kamera fünf muss woanders hin. Die Scharfschützen haben den besten Überblick Der 44-Jährige fasst das Gebäude gegenüber ins Auge. „Ich habe mich schon durchtelefoniert um herauszufinden, wer uns da eine Genehmigung erteilen kann.“Wenn er grünes Licht hat, müssen der Regisseur, der Erste Kameramann und der Techni- sche Leiter den Ort als geeignet beurteilen, sonst war die Arbeit umsonst. Aber Gogos hat für den Fall noch einen preisgünstigen „Steiger“ in der Hinterhand: Das ist ein mobiles Gerät, mit dem er den Kameramann in einem Korb auf 30 Meter Höhe hieven lassen kann. Dächer für Kameras zu finden, ist beileibe nicht der einzige Job, den der Erste Aufnahmeleiter imRahmen der Vorbereitung für die Live-Übertragung des Eröffnungsgottesdienstes zu erle- digen hat. Von der ersten Vorbesichtigung mit allen Gewerken bis zur Auswertung am Ende, wenn er die Planung mit der Rea- lität abgleicht, laufen bei ihm alle Informationen zusammen. Er weiß, wo welches Fahrzeug steht, wer welche Produktionsmittel benötigt, kennt die Reiselogistik, die Drehplanung und sorgt dafür, dass stets alle Beteiligten auf demneusten Informations- stand sind. Er schreibt die Disposition, die jeder am Set dabei hat. Sie enthält Zeitplan, Lageplan, Kameraplan, Namen und Telefonnummern. „Grundsätzlich bin ich die graue Eminenz im Hintergrund, die dafür sorgt, dass alle Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, alles besprochen wurde, alles genehmigt ist, nichts zu gefährlich wird und nichts zu teuer.“ „Der Regisseur weiß das nicht, aber ich habe immer einen Plan B.“ CHRISTIAN GOGOS „Dieser Kirchentag hat versprochen, stärker partizipativ zu sein, auf Teilhabe zu setzen. Und er soll gute Nachrichten aussenden. Das hat der diesjährige Präsident Hans Leyendecker so formuliert.“ Die Teamleiterin Religion, Theologie, Kirche im Hörfunk leitet während des Kirchentags den ARD-Hörfunk- Pool. Zusammen mit vier ARD-Kolleg*innen sorgt sie dafür, dass die nicht religionsspezifischen Programme wie aktuelle Magazine und Kultursendungen aller ARD-Radiosender rund um die Uhr mit Beiträgen beliefert werden. Dies ist aber nicht ihr einziger Job beimKirchentag: Sie hat auch die Voraussetzun- gen geschaffen, dass das WDR 5-Sonntagsmagazin »Diesseits von Eden«, ein WDR 5 Spezial und ein »Lebenszeichen« vom Kirchentag senden. Die Sendung »Lebenszeichen« wird einen besonderen Bei- trag beinhalten. Purkert: „Drei WDR-Volontärinnen werfen einen eigenen frischen Blick auf den Kirchentag mit Instagram- Reportagen. Davon wird unser Feature erzählen.“ Außerdem kommentiert die Teamleiterin, die schon wäh- rend ihres Studiums in Philadelphia erste Radioerfahrungen sammelte, gemeinsammit der Rundfunkbeauftragten der evan- gelischen Kirche, Petra Schulze, den Abschlussgottesdienst. Wie berichtetmanüber einEventmit 2000Veranstaltungen? Die eigentliche Herausforderung für ihr Team ist aber eine andere: „Wir fungieren zusammen mit den Kolleginnen vom Fernsehen als Schnittstelle zum Kirchentag.“ Das bedeutet: Schon seit Monaten koordiniert die 57-Jährige die Kontakte zwischen Sender und Veranstalter. Wie aber berichtet man über ein Ereignis mit rund 2000 Veranstaltungen? „Ich habe zwei Tage damit verbracht, das Programm zu durchforsten und nach Themenschwerpunkten und roten Fäden zu suchen“, erzählt die Theologin und Religi- onswissenschaftlerin. Dabei sollen große prominent besetzte Podiumsdiskussionen wie auch kleine Veranstaltungen in den Gemeinden abgebildet werden. Purkert: „Wenn die Bundeskanz- lerin diskutiert, muss man das natürlich sofort den aktuellen Sendungen anbieten.“ „Schauen, ob der Kirchentag die Ansprüche, die er im Vor- feld postuliert, auch einlöst.“ CHRISTINA- MARIA PURKERT

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